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Es fehlt altersgerechter Wohnraum

Es fehlt altersgerechter Wohnraum

In Grimmen stehen viele Wohnungen leer. Und ein Ausweg scheint derzeit nicht in Sicht.

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In diesem Block in der Straße der Befreiung sind alle 63 Wohnungen leergezogen. Er soll noch 2017 abgerissen werden.

Quelle: Foto: Reinhard Amler

Grimmen. Mitte März 2017 waren bei der Grimmener Wohnungsbaugesellschaft von 1740 Wohnungen 226 ohne Mieter. Macht 13 Prozent. Bei der Wohnungsgenossenschaft beträgt der Leerstand sogar 20 Prozent. Das heißt, dass von 1211 Wohnungen rund 240 unbewohnt sind. Und es sind nicht mehr nur die oberen Stockwerke, in die keiner mehr ziehen will, weil es keine Fahrstühle gibt. „Mittlerweile sind es auch Wohnungen in den unteren Etagen, die wir nicht mehr vergeben bekommen“, klagt Kornelia Thymian, Vorstandsmitglied der Grimmener Wohnungsgenossenschaft.

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In Grimmen stehen viele Wohnungen leer. Und ein Ausweg scheint derzeit nicht in Sicht.

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Mieter sind älter geworden

Ein Problem für beide Grimmener Wohnungsgesellschaften ist die Altersstruktur bei ihren Bewohnern. „61 Prozent unserer Mitglieder sind älter als 61“, erklärt Kornelia Thymian. Und das sagt alles. Gunther Dettmann, Chef der Grimmener Wohnungsbaugesellschaft meint: „Die Altersstruktur passt nicht mehr zu den vorhandenen Wohnungen“. Recht hat er.

Denn die Wohnungen, die in Grimmen derzeit leerstehen, befinden sich in Wohnblocks, die zumeist aus den 1960-er Jahren stammen. Damals erlebte die Stadt den Erdölboom.

Tausende Arbeiter aus allen Teilen der damaligen DDR zogen hierher. In der einstigen Ackerbürgerstadt Grimmen entstanden neue Wohngebiete, wie Süd-West.

Hier wurde ein Plattenbau nach dem anderen hochgezogen. Kaufhallen kamen dazu, Kindergärten, das Kulturhaus. Die Leute waren glücklich, denn ihre Wohnungen hatten Warmwasser, moderne Heizung, viele einen Balkon.

Doch die zumeist jungen Bewohner von damals sind heute in die Jahre gekommen. Wie die Wohnblocks selber, die keineswegs mehr den Ansprüchen altengerechten Wohnens entsprechen.

Und es fehlen nicht nur Fahrstühle. „Wir brauchen barrierefreie Wohnungen“, sagt Gunther Dettmann. Und fügt hinzu: „Und möglichst preiswerte.“ Denn die Einkommen, sprich die Renten vieler Grimmener, erlauben keine hohen Mieten. Kornelia Thymian kann das nur bestätigen. Aber was tun? „Unsere Pläne liegen in den Schubladen“, erklärt die Chefin der Wohnungsgenossenschaft. „Solange wir aber von den Banken kein grünes Licht bekommen, geht nichts voran“. Und das obwohl das Land üppige Fördermittel in Aussicht stellt.

Eigenanteile sind zu hoch

„Leider ist der von uns aufzubringende Eigenanteil immer noch sehr hoch“, erklärt Thymian. Denn der Einbau von Fahrstühlen erfordert zum Beispiel den kompletten Umbau vieler Treppenhäuser. Und der ist teuer.

Die Grimmener Wohnungsgesellschaften stecken also in einem Dilemma, dass sich möglicherweise noch verschlimmern kann. Denn immer mehr drängen auch private Anbieter altengerechten Wohnraums auf den Markt.

So entsteht in Grimmen demnächst hinterm Ärztehaus die Wohnanlage „Trebelblick“ mit hochgradiger Wärmedämmung, geräumigen Badezimmern, ebenerdigen Duschen, Fahrstuhl, Carports und Balkonen. Mit Blick auf die Trebel. Ebenso soll die alte Berufsschule in der Weinertstraße zum altengerechten Wohnhaus umgebaut werden. Die, die es sich leisten können, werden hinziehen. „Wir haben viele Nachfragen“, sagt der Grimmener Martin Scheitor, der 2013 bereits ein Wohnhaus mit 23 altengerechten Wohnungen in der Altstadt errichtete. Das ist komplett belegt.

Wie will die Stadt aus der Zwickmühle rauskommen? Seit Monaten ist sie auf Werbefeldzug, um Leerstände wenigstens zu minimieren. Aber mit mäßigem Erfolg. So gelang es zum Beispiel nicht, Greifswalder Studenten zum Wohnen nach Grimmen zu lotsen, weil es hier an Kneipen fehlt, wie Bürgermeister Benno Rüster (CDU) unlängst betonte. In der benachbarten Hansestadt fehlt es an preisgünstigem Wohnraum.

Und es gibt ein weiteres Problem, das der Stadtvertreter Marco Jahns (CDU) erst diese Woche benannte. Der Stadt ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, ausreichend Wohnflächen für junge Familien auszuweisen, damit sie in Grimmen bleiben. Als Bauunternehmer kämen ihm oftmals fast Tränen in die Augen, wenn er mitansehen muss, wie sie in benachbarte Gemeinden ausweichen. Ein wenig Verbesserung deutet sich nun mit der Ausweisung des Wohngebietes an der Homeyerstraße an, über das seit Jahren diskutiert wird.

Es betrifft auch andere

Grimmen ist mit seinem Wohnungsproblem nicht allein. Im Grunde trifft es alle ländlichen Bereiche. Denn auch der Wohnungsbaugesellschaft im benachbarten Richtenberg geht es nicht anders. „Desto kleiner die Gemeinde, umso schwieriger wird es, heute Wohnungen zu vermieten“, sagt Geschäftsführerin Petra Kischnick. „Die Leute ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt“. 1233 Wohnungen hat die Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft mbH in ihrem Bestand. Der Altersdurchschnitt der Bewohner liegt bei 54 Jahren. Die Richtenberger Wohnungsbaugsellschaft stand 2014 fast vor dem Aus, weil sie einen Schuldenberg von über fünf Millionen Euro vor sich herschob, den dann aber 14 Gemeinden, die zugleich Gesellschafter sind, in ihre kommunalen Haushalte übertrugen. Diese Schulden sind wie auch in Grimmen übrigens zu großen Teilen noch Altschulden aus der DDR, als die Wohnblocks entstanden.

Viel Leerstand

Mitte März 2017 waren bei der Grimmener Wohnungsbaugesellschaft von 1740 Wohnungen 226 ohne Mieter. Macht 13 Prozent.

Bei derWohnungsgenossenschaft beträgt der Leerstand sogar 20 Prozent. Das heißt, dass von 1211 Wohnungen derzeit rund 240 unbewohnt sind.

Ein Ausweg wäre die Schaffung von modernem altengerechten Wohnraum, doch dazu fehlt den Gesellschaften trotz erheblicher Fördermittel das entsprechende Eigenkapital.

Ein wenig Linderung erhofft sich die Grimmener Wohnungsbaugsellschaft durch den Abriss eines 63-WE-Blockes in der Straße der Befreiung. Der verschwindet dann zwar aus der Bilanz, das Problem an sich wird dadurch aber nicht gelöst.

Reinhard Amler

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