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Fischer haben jetzt Hochsaion

Stahlbrode Fischer haben jetzt Hochsaion

Schwärme von Heringen ziehen derzeit durch den Strelasund

Stahlbrode. Rotgolden geht die Sonne über dem Strelasund bei Stahlbrode auf und lässt das Wasser wie flüssiges Gold erscheinen. Möwen kreisen mit heiseren Rufen über dem Boot, das langsam aus dem Hafen Stahlbrode tuckert. Bei diesem Anblick ist die frühe Morgenstunde vergessen.

Bernd Schütze und Jens Kraeft wissen das Naturschauspiel zwar ebenfalls zu schätzen, doch wirklich Zeit, es zu genießen, haben sie nicht. Die Fischer sind auf dem Weg zu den tags zuvor ausgelegten Netzen.

Es ist Heringszeit am Sund. Doch das „Silber des Meeres“, wie die Fische im Volksmund auch genannt werden, haben sich rar gemacht in den letzten Tagen. „Waren wenige in den Netzen“, sagt Schütze und zuckt mit den Schultern. Wetter, Strömungen, Temperatur – das alles kann Einfluss auf das Verhalten der Fische haben. Nun, wo sich das Wetter endlich von seiner besseren Seite zeigt, hofft er, mal wieder einen akzeptablen Fang einzuholen.

Der Weg zu den Netzen ist nicht weit. Der Hering ziehe auf seinem Weg zu den Laichgründen direkt an Stahlbrode vorbei, erzählen die Männer. Komfortabel für die Fischer, die nach gut fünf Minuten Fahrt das erste Netz erreichen. Jens Kraeft, seit 37 Jahren Fischer, steuert die „Heimat“ längsseits, während sich Bernd Schütze bereit macht, das Netz einzuholen. Früher, so erzählt er, sei das eine ordentliche Plackerei gewesen. Drei Mann brauchte es, um eines an Bord zu hieven. Heute nimmt ihm eine hydraulische Winde die schwere Arbeit ab. Statt drei benötigt es nur noch einen Mann.

Als die ersten Maschen aus der Tiefe – die Netze liegen sieben Meter tief im Sund – aus dem Wasser auftauchen, atmet Bernd Schütze auf. Jede Menge Silberlinge zappeln in der Morgensonne in den Maschen. „Endlich“, sagt er erleichtert. „Endlich mal wieder ein guter Fang.“

Von dem hoffen die Möwen etwas abzubekommen. Mit ihren lauten heiseren Rufen kreisen sie in Schwärmen über dem Kutter, hoffen auf ein leicht zu erbeutendes Frühstück. Schafft es ein Hering, sich doch noch irgendwie aus dem Netz zu befreien, bevor er an Bord ist, stößt sofort einer der weißen Vögel herab und schnappt zu. Direkt an Bord trauen sich die Möwen allerdings nicht.

Bernd Schütze hat indes in einem der Netze eine Entdeckung gemacht. Er pult einen Hering aus den Maschen, der eine deutliche Rotfärbung am Maul aufweist. „Ein König“, sagt er. Die Färbung sei wohl auf eine Mutation zurückzuführen und weil diese recht selten vorkomme, würden solche Fische eben König genannt. „Hätte er nicht schon so viele Schuppen verloren, würde ich ihn wieder ins Wasser werfen“, sagt der Fischer. So jedoch sei der Fisch nicht lebensfähig, der König muss sterben.

Insgesamt holen Jens Kraeft und Bernd Schütze an diesem Morgen 15 Netze ein. Gut 600 Kilogramm Hering werden es am Ende sein. „Wir hatten schon bessere Tage“, weiß Schütze. Bis zu anderthalb Tonnen Heringe pulten die Fischer da am Hafen aus ihren Netzen. Heute jedoch sind sie – nach den mauen Tagen in der zurückliegenden Woche – recht zufrieden mit ihrem Fang.

Nach gut anderthalb Stunden sind alle Netze eingeholt und neue ausgelegt und die „Heimat“ nimmt wieder Kurs auf den Hafen Stahlbrode. Die Arbeit der Fischer ist noch lange nicht zu Ende. Nach dem Anlegen geht die „Pulerei“ los. Per Hand polken Schütze und Kraeft Hering für Hering aus den Maschen. Die richtig guten, dicken, fetten Heringe werden ausgesondert. Sie kommen später in den Räucherofen und werden anschließend als Bückling verkauft. Der Rest geht als grüner Hering in den Laden.Was die Fischer nicht verkauft bekommen, wird an die Stralsunder Fischfabrik geliefert, wo die Silberlinge unter anderem zu Rollmöpsen weiterverarbeitet werden. Mittags pult Jens Kraeft den letzten Hering aus dem Netz. Morgen geht es wieder raus auf den Sund, um den nächsten „Silberschatz“ zu bergen.

Claudia Noatnick

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