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GWG: 13 Prozent der Wohnungen stehen leer

Grimmen GWG: 13 Prozent der Wohnungen stehen leer

Abriss ist nicht die Lösung / Altengerechte Wohnungen müssen her

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Der noch mit Nachtspeicheröfen ausgerüstete Wohnblock in der Straße der Befreiung 18 bis 25 soll noch bis Herbst 2017 abgerissen werden. Alle 63 Wohnungen sind bereits leergezogen.

Quelle: Foto: Reinhard Amler

Grimmen. „Es sind vor allem Wohnungen in den vierten und fünften Geschossen, die sich kaum noch vermieten lassen“, erklärt Gunther Dettmann. Seit 1. Juni 2016 ist er Geschäftsführer der Grimmener Wohnungsbaugesellschaft (GWG). 13 Prozent beträgt dort der Leerstand. Das heißt, von den 1740 Wohnungen sind 226 ohne Mieter. Und das seit Jahren.

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Abriss ist nicht die Lösung / Altengerechte Wohnungen müssen her

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„Trotzdem können wir heute wieder optimistisch sein“, schätzt Bürgermeister Benno Rüster (CDU) ein. „Weil inzwischen Projekte entwickelt wurden, die uns in die Situation versetzen, handeln zu können“, ergänzt er. Bloß lasse sich vieles nicht von heute auf morgen umsetzen, schränkt der GWG-Chef ein. Eines der größten GWG-Probleme ist die Altersstruktur ihrer Mieter. Sie passt nicht mehr zu den Wohnungen, die fast ausschließlich im Rahmen des Erdölbooms in den 1960er-Jahren entstanden sind. „Wir benötigen barrierefreie Wohnungen“, sagt Dettmann. „Und möglichst preiswerte“, schiebt er hinterher, denn viele Rentner hätten nur ein beschränktes Budget für Miete. Fahrstühle kosten aber ebenso wie notwendige Zuschnittsänderungen der Wohnungen Geld. Ohne Fördermittel sei nichts zu machen. Aber sie allein würden auch nicht reichen. Daneben müsse es gelingen, neue Mieter anzulocken, die bereit und in der Lage sind, mehr Geld fürs Wohnen auszugeben, erklärt Gunther Dettmann.

GWG sucht neue Mieter

Die GWG war deshalb bereits auf Werbefeldzug. „Es gibt eine Reihe Anfragen“, erklärt der GWG-Chef. Benno Rüster nennt das Beispiel eines Hamburger Taxifahrers, der sich in der Großstadt nicht mehr sicher fühlt und jetzt ein ruhiges Wohnumfeld sucht. Leider klappe es nicht mit Studenten aus Greifswald, sagt er, weil es in Grimmen keine Kneipen gibt.

„Zwei bis drei Jahre werden wohl noch vergehen, bevor wir Baumaßnahmen konkret umsetzen können“, blickt Dettmann voraus. Er schließt auch Partnerschaften mit Sozialdiensten in den Wohngebieten nicht aus. Heute sei es doch so, dass Pflegedienste sternenförmig einfallen, so dass mitunter bis zu vier Autos vor einem Haus stehen. Dies sei nicht nur aufwändig, sondern auch teuer, sagt er.

Gelinge es, Sozialdienste in die Wohngebiete zu integrieren, käme man auch dem Wunsch vieler Mieter entgegen, so lange im häuslichen Umfeld bleiben zu können, wie es irgend geht.

Auch der Rückbau von Wohnungen spielt bei den Überlegungen des GWG-Chefs zum Leerstandsabbau eine Rolle. Noch bis Herbst 2017 soll der Block Straße der Befreiung 18 bis 25 abgerissen, werden. Alle 63 Wohnungen sind dort bereits leergezogen. Eine Sanierung war abgelehnt worden, denn die Wohnungen sind noch mit Nachtspeicheröfen ausgerüstet. Völlig unzeitgemäß.

Abriss muss gut überlegt sein

Rüster betont aber, dass jeder Abriss gut überlegt sein muss. Denn er geht davon aus, dass der Zeitpunkt kommt, an dem wieder Wohnungen benötigt werden. Der Bürgermeister nennt das Pommerndreieck und hofft dort auf neue Arbeitsplätze. Kritisch sieht Rüster deshalb auch den Abriss eines Blockes in der Leningrader Straße durch die Grimmener Wohnungsgenossenschaft 2016. „Wir wollten ihn kaufen“, erklärt er, „denn er hätte ohne großen Aufwand umgerüstet werden können.“

Problematisch für die GWG sind noch viele sogenannte Altmietverträge. Die gestatten es Mietern, auszuziehen, ohne vorher zu renovieren. „Oft sind Wohnungen aber derart abgewohnt, dass wir 6000 bis 8000 Euro in die Hand nehmen müssen, um sie standardgemäß wieder herzustellen“, erklärt Dettmann. Ein Grimmener Pluspunkt sei hingegen das saubere Umfeld. „Hier haben wir immer ein Auge drauf und werden dies auch beibehalten“, sagt Benno Rüster. Sowohl er als auch der GWG-Chef können deshalb nicht verstehen, dass es Zeitgenossen gibt, die das nicht zu schätzen wissen. Fast täglich entstehen nämlich Müllkippen, echauffiert sich Rüster. Immer dann, wenn jemand ausrangierten Hausrat zur Sperrmüllabfuhr vor die Tür stellt. Einige Nachbarn meinen dann, ebenfalls ausmisten zu müssen. Und so wachsen Müllberge oft auf ein Maß an, bei dem sich der Entsorger weigert, alles abzufahren. Das Ende vom Lied sei, dass die GWG auf den Kosten sitzen bleibt. Rüster bittet deshalb, ihm Namen der Sünder mitzuteilen, damit er sich mit ihnen auseinander setzen kann.

Aber trotz allen Ärgers freut sich der Bürgermeister darüber, dass es gelungen ist, den hohen Schuldenstand der GWG abzubauen. Er verrät, dass man in der Vergangenheit schon nahe an Liquiditätsproblemen war. Sie seien aber behoben.

Eines der Sorgenkinder der Gesellschaft war und ist die Südwest-Passage. Hier stehen von 28 Gewerbeflächen die meisten leer. Und das schon lange. „Das Problem ist zurzeit nicht zu lösen“, sagt Rüster. Dennoch versucht die GWG, wenigstens kleine Schritte zu gehen. So soll die ehemalige Sparkassenfiliale für soziale Dienste umgebaut werden, erklärt Dettmann. Leider habe das Unternehmen hier zunehmend auch mit Einbrüchen in die Tiefgarage zu tun. „Das macht die Wohngegend nicht gerade attraktiver“, fügt er hinzu.

Die GWG

1740 Wohnungen hat die Grimmener Wohnungsbaugesellschaft (GWG) in ihrem Bestand. Meist handelt es sich um vier- und fünfgeschossige Blöcke, die in der Zeit des Erdölbooms in den 1960er-Jahren gebaut wurden. Die Wohnungszuschnitte sind heute nicht mehr zeitgemäß. Neben Fahrstühlen fehlt es vor allem an barrierefreien Wohnungen. Sie zu bauen, kostet Geld und ist daher nur über Förderprogramme realisierbar. Allerdings werden viele Grimmener Mieter gar nicht in der Lage sein, die dann höheren Mieten zu zahlen, weil sie nur über eingeschränkte Budgets verfügen. Deshalb muss es gelingen, auch neue Mieter zu gewinnen.

Reinhard Amler

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