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Gorch-Fock-Verein bietet Schiff anderen Städten zum Kauf an

Stralsund Gorch-Fock-Verein bietet Schiff anderen Städten zum Kauf an

Der Verbleib des früheren Segelschulschiffes „Gorch Fock I“ in Stralsund bleibt weiter ungewiss.

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Besucht wird das frühere Segelschulschiff an seinem Liegeplatz vorrangig von Touristen. Zwischen 40000 und 50000 kommen pro Jahr.

Stralsund. Der Verbleib des früheren Segelschulschiffes „Gorch Fock I“ in Stralsund bleibt weiter ungewiss. Hauptgrund sind die festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Eignerverein Tall Ship Friends. Die Hansestadt Stralsund hegt bereits seit längerem Pläne, den Traditionssegler zu übernehmen, damit er als Anziehungspunkt im Stralsunder Hafen dauerhaft erhalten bleibt. Die Geschichte der „Gorch Fock“ ist eng mit Stralsund verbunden.

OZ-Bild

Der Verbleib des früheren Segelschulschiffes „Gorch Fock I“ in Stralsund bleibt weiter ungewiss.

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Das Wirtschafts- ministerium will die Hansestadt Stralsund als Garanten in Stellung bringen.“Vize-Oberbürgermeister Dieter Hartlieb (CDU)

Allerdings sind die Verkaufsverhandlungen jetzt derart ins Stocken geraten, dass sich der Eignerverein nun auch nach anderen Interessenten für das Schiff umsieht. Der Verein habe der Stadt die „exklusive Verhandlungsführung aufgekündigt“, sagte der zuständige Vize-OB Dieter Hartlieb (CDU). Dem ursprünglichen Zeitplan zufolge hätten die Verhandlungen bereits vor über einem halben Jahr abgeschlossen sein sollen.

Wie Hartlieb sagte, gebe es für die „Gorch Fock“-Eigentümer in den Verhandlungen vier zentrale Punkte, über die bisher keine Einigkeit erzielt worden sei. Zunächst wolle der Verein durch einen Verkauf des Schiffes seine Gemeinnützigkeit keinesfalls gefährden. Zudem sollen aus dem Verkaufserlös alle Schulden des Tall Ship Friends e.V. beglichen werden können. Der Verein verlangt für die „Gorch Fock“ nach wie vor knapp eine Million Euro. Außerdem müsste das Personal auf dem derzeit als technisches Museum genutzten Schiff weiter beschäftigt bleiben.

Besonders pikant dürfte die Forderung sein, dass die „Gorch Fock“ eines Tages wieder segelfähig sein soll. Dies gilt unter Experten als illusorisch, weil ein kompletter Neubau des Traditionsseglers billiger wäre, als die 83 Jahre alte Bark wieder seegängig zu machen. Zu diesem Ergebnis kam ein vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten der Rostocker Ingenieurgesellschaft Inros Lackner aus dem Jahr 2014. Den Wert des Schiffes taxierten die Gutachter damals auf maximal 416000 Euro.

Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) betonte, dass dieses Gutachten jedoch nicht die Erwartungen erfüllt habe. „Nicht nur einige von Ihnen waren mit diesem Gutachten nicht zufrieden“, sagte der OB, als er sich dazu am vergangenen Donnerstag während der Sitzung der Bürgerschaft direkt an die Stadtvertreter wandte. Das Schiff sei im Herbst erneut von einem Gutachter in Augenschein genommen worden. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Wulf Marquard von Verein Tall Ship Friends betonte auf Anfrage der OZ, dass er und seine Mitstreiter keine Umbauten der „Gorch Fock“ akzeptieren würden, die dem Traum, das Schiff eines Tages wieder unter vollen Segeln über die Ostsee fahren zu sehen, entgegenstehen. Marquard bestätigte, dass die „Gorch Fock“ bei Interesse jetzt auch anderen Käufern angeboten werde und die Verhandlungen mit der Stadt Stralsund sehr schwierig seien. Bisher gebe es aber noch kein konkretes Konkurrenzangebot zu dem der Stadtverwaltung.

Die Hansestadt würde den Dreimaster gern dauerhaft und fest vertäut als Museums- und Eventschiff im Stralsunder Stadthafen betreiben lassen. Allein die dafür notwendigen Umbauten und Sanierungsmaßnahmen an Bord und an Land sollen fast 4,5 Millionen Euro kosten.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte für dieses Vorhaben schon 2014 Fördermittel in Höhe von 90 Prozent der Gesamtkosten in Aussicht gestellt. Problem: Dieses Geld vom Land darf nur an die Stadt, nicht aber an den Eigentümerverein der „Gorch Fock“ direkt fließen. Übt die Landesregierung deshalb im Hintergrund Druck auf Stralsund aus, das Schiff zu kaufen? Vize-OB Hartlieb drückte es so aus: „Das Wirtschaftsministerium will die Hansestadt Stralsund als Garanten in Stellung bringen.“

Im Stralsunder Rathaus werden zurzeit verschiedene Varianten geprüft, wie eine Übernahme funktionieren kann, so dass einerseits alle Anforderungen des Eignervereins erfüllt sind, aber auch das finanzielle Risiko für die Stadt überschaubar bleibt. Bisher droht bei den Betriebskosten ein Finanzloch von bis zu 100 000 Euro pro Jahr.

Laut Hartlieb werde unter anderem durchgerechnet, ob eines der kommunalen Unternehmen die „Gorch Fock“ kaufen und sanieren könnte, die Bark aber weiter vom Verein Tall Ship Friends betrieben wird. In diesem Fall wären auch die Jobs des Personals an Bord gesichert. Der Bund der Steuerzahler hatte bereits öffentlich vor einem Kauf des Schiffes gewarnt: „Die vielen Millionen sind an anderer Stelle besser investiert“, hieß es im Schwarzbuch, in dem die Verschwendung öffentlicher Mittel angeprangert wird.

1933 auf Kiel gelegt

100 Tage dauerte der Bau der „Gorch Fock I“ auf der Hamburger Werft Blohm und Voss, wo sie am 14. Januar 1933 auf Kiel gelegt worden war. Nachdem die Reichsmarine im Jahr 1935 nach der Gründung der Wehrmacht in Kriegsmarine umbenannt worden war, fuhr die „Gorch Fock“ unter der Reichskriegsflagge.

Ihr Heimathafen wurde damals Stralsund.

Insgesamt gibt es weltweit sechs Schiffe der Gorch-Fock-Klasse.

Von Benjamin Fischer

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