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Hydro-Tomaten schmecken nicht nach Fisch

Grimmen Hydro-Tomaten schmecken nicht nach Fisch

Abtshagener Agrar-Anlagenbauer setzen auf Vielseitigkeit

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Die Tomaten im Aquaponic-Gewächshaus in Abtshagen reifen. 2,7 Tonnen wurden 2015 geerntet. Fotos (2): Almut Jaekel

Grimmen. Als Ausrüster für die Tierproduktion war die PAL-Anlagenbau GmbH Abtshagen ursprünglich bekannt, sagte Dr. Günther Scheibe, Geschäftsführer des Unternehmens, den Gästen vom Abtshagener Männerfrühstücks in dieser Woche. Besucher interessieren sich immer mehr für die Firma, denn längst hat sich nach der Privatisierung aus dem ehemals volkseigenen Betrieb als Ausrüster für milchwirtschaftende, schweine- und geflügelhaltende Agrarbetriebe ein sehr vielseitiges Unternehmen entwickelt. Anlagen für Fischzucht und -mast gehören heute ebenso zu den Angeboten wie Aquaponicsysteme – eine Methode, bei der die Aufzucht von Fischen in Aquakultur und die Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbunden wird. Und weil die Firma so interessant ist, waren der Einladung weitaus mehr Gäste gefolgt, als ursprünglich erwartet worden waren.

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„Irgendwann hat sich uns die Frage gestellt: Wie wollen wir in unserem Betrieb die Menschen weiter beschäftigen?“, erklärte Scheibe die Entwicklung, nachdem die Tierproduktion im Land immer weiter zurückging. Als 2003/04 viele Biogasanlagen entstanden, überlegten die Abtshagener wie viele andere, wie Landwirte die übriggebliebene Wärme nach der Stromerzeugung effektiv nutzen können. „Da gab es viele Ideen, bis hin zur Holztrocknung“, erinnert sich der Geschäftsführer. Zumal die Politik innovative Ideen finanziell unterstützte.

Erfahrungen mit dem Afrikanischen Wels habe es damals bereits in Holland gegeben. „Fisch wird gebraucht, aus den Meeren ist nichts mehr heraus zu holen und die zur Aufzucht und Mast nötige Wärme war eben auch da“, sagte Günther Scheibe. Vier Landwirtschaftsbetriebe in MV und Brandenburg hätten schnell Interesse gezeigt und so wurden Genossenschaften gegründet: 2007 das Fischgut Nord und ein Jahr später das Fischgut Mitte. Beide Genossenschaften arbeiten zusammen. „Um den Absatz der Produkte zu optimieren, haben wir schließlich eine Vertriebsgesellschaft ins Leben gerufen.“ Doch es blieb die Frage: Woher kommen die Jungfische? Die Landwirte bekommen die Mini-Welse mit zehn Gramm und mästen sie auf verzehrfertige 1,5 Kilogramm. Dafür bauten die Abtshagener eine Aufzuchtanlage und schufen die „Fischzucht Abtshagen“. 900000 kleine Welse á zehn Gramm können von dort aus an die Agrarbetriebe pro Jahr ausgeliefert werden. „Einige mästen wir aber auch selbst“, ergänzt Scheibe. Damit gibt es in Abtshagen bei PAL nun vier Betriebe: den ursprünglichen Anlagenbau, die Fischzucht, den Sitz der Genossenschaft und den Vertrieb inklusive eines Hofladens, in dem es viele verschiedene Welsprodukte gibt. „Das alles war für uns als Anlagenbauer völlig neu, aber wir haben alles einigermaßen in Gang bekommen“, stapelt der Chef etwas tief. Der Erfolg hänge aber immer an den Kollegen, die sich engagieren. Beispielsweise probierten sie an den Wochenenden zu Hause neue Wels-Rezepte aus, die dann angeboten werden.

Betriebe in MV, in Brandenburg, Sachsen, Bayern, Thüringen und in Österreich nutzen mittlerweile die Fischzuchtanlagen aus Abtshagen. Zehn Unternehmen sind es, die 26 Kreislaufeinheiten zwischen zehn und 75 Kubikmeter Produktionsvolumen haben. Dazu kommen zwei große Versuchsanlagen an der Uni Rostock und an der FH in Soest.

Ganz neu ist das EU-Versuchsprojekt Aquaponic. Bei dieser erdlosen Pflanzenproduktion werden Stoffkreisläufe entwickelt, um wenig Wasser zu verbrauchen. Das heißt, das Wasser aus den Fischkreisläufen dient der Pflanzenaufzucht. Vier Demonstrations-Anlagen – eine in Waren, eine zweite in Murcia in Spanien (diese beiden werden von PAL betreut), eine dritte in China und eine in Belgien gehören dazu.

„Und weil wir selbst überrascht von den Dimensionen waren, haben wir eine Versuchsanlage in Abtshagen vorgeschaltet“, sagt Scheibe. In einem Gewächshaus reifen jetzt Tomaten. 2,7 Tonnen wurden im Vorjahr geerntet – mit Nährstoffen versorgt aus dem Wasser der Kreislaufsysteme der Fischaufzucht. Und selbstverständlich konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass diese Tomaten nicht nach Fisch schmecken.

Wels aus dem Hofladen

Aquaponik bezeichnet ein Verfahren, das Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur und der Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbindet. In Abtshagen reifen mit diesem Verfahren Tomaten, das Wasser stammt aus den Wels-Fischkreisläufen.

50 Liter Wasser sind notwendig um ein Kilogramm Wels und zwei Kilogramm Tomaten zu produzieren.

Im Hofladen werden direkt in Abtshagen Wels-Produkte angeboten. Geöffnet ist er immer donnerstags von 14 bis 17 und freitags von 9 bis 12 Uhr.

Almut Jaekel

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