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Vorland Milchproduzenten geben auf

Immer mehr Bauern entscheiden sich, die Kühe abzuschaffen / Dienstleister sind ebenfalls betroffen

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Der Färsenstall in Vorland wird auch zukünftig weiter für die Tierproduktion genutzt. Außerdem wird es eine Mutterkuhherde geben.

Quelle: Almut Jaekel

Vorland. Jahrelang wollte Petra Schmidt, Geschäftsführerin der Vorländer Agrargenossenschaft die Milchproduktion und die Ställe im Landwirtschaftsunternehmen modernisieren. Doch jetzt zieht sie die Reißleine. Ende des Jahres werden die letzten Milchkühe aus Vorland verschwunden sein.

34 Cent Milchgeld zum Überleben notwendig

1127 Milchkühe weniger werden seit Beginn 2016 im Mecklenburg-Vorpommern gehalten.

24 Cent bekommen die Bauern pro Kilogramm Milch derzeit. Der Erlös soll auf weniger als 20 Cent sinken. Nach eigenen Angaben brauchen sie etwa 34 Cent zum Überleben.

3000 Betriebe haben innerhalb eines Jahres deutschlandweit das Melken eingestellt.

„Wir haben Anfang des Jahres den Entschluss gefasst, uns von diesem Produktionszweig zu trennen“, sagt Petra Schmidt nicht ohne Wehmut. Unter veralteten Produktionsbedingungen betreibt die Agrargenossenschaft in Vorland die Milchproduktion. 300 Kühe und dazu 300 Tiere an Nachzucht werden gehalten. „Jahrelang planten wir den Neubau, aber aufgrund der Umweltbelastung im Ortskern von Vorland nahe der Wohnbebauung ist das letztendlich nichts geworden“, bedauert Petra Schmidt. Ein zweiter, sehr aktueller Grund ist der derzeitige Milchpreis, der den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern generell große Sorgen bereitet. 24 Cent werden im Moment pro Kilogramm abgelieferter Milch von den Molkereien gezahlt. „34 Cent sind notwendig, damit wir kostendeckend produzieren könnten“, sagt Petra Schmidt. „Und der Milchpreis soll noch weiter runtergehen, bis auf 20 Cent oder weniger“, befürchtet Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern. Der Feldbau als zweiter Betriebszweig in Vorland könne den Verlust auf Dauer nicht ausgleichen, ist die Geschäftsführerin überzeugt. Deshalb und eben wegen der alten und sehr arbeitsaufwändigen Produktionsbedingungen müsse sich der Betrieb von den Milchkühen trennen. „Es ist für mich ein Zeichen von Stärke, wenn Landwirte rechtzeitig reagieren und umstrukturieren — im Interesse des Unternehmens“, sagt Christian Ehlers.

Um 1127 Milchkühe ist der Bestand in MV von Januar bis März zurückgegangen, war vom Landesbauernverband zu erfahren. 167500 Milchkühe gibt es in MV derzeit. Wenn man davon ausgehe, dass die Milchbauern 10 zehn Cent pro Liter Milch mehr zum Überleben brauchen, würden sie allein in MV täglich etwa eine halbe Million Euro verlieren“, sagt Christian Ehlers. Deshalb hätten deutschlandweit innerhalb eines Jahres 3000 Betriebe das Melken eingestellt. Im Bereich des Milchkontrollvereins Grimmen waren es laut Auskunft von Stephan Wolf vom Landeskontrollverband MV von 2014 bis 2015 zwei Betriebe. „In diesem Jahr kommen mindestens vier größere Betriebe dazu — einer davon ist Vorland“, ergänzt Ehlers.

Die Milchproduktion ist in Vorland bereits gedrosselt, wird zum Ende des Jahres vollständig eingestellt und der Viehbestand umstrukturiert. „In Richtung kleine Mutterkuhhaltung und Färsenmast“, plant Petra Schmidt. Damit können die vorhandenen Grünflächen und Wiesen an der Trebel weiter genutzt werden. Leider würden nicht mehr alle Arbeitskräfte gebraucht. Von den derzeit sechs Mitarbeitern in der Tierproduktion würde zukünftig einer weiter beschäftigt werden. Weiter genutzt werden sollen der Färsenstall und auch ein Bergeraum. „Und der alte Kuhstall als Heulager“, plant die Chefin. Und auch etwa 60 der derzeitigen Tiere können bleiben. Sie werden die Grundlage der Mutterkuhherde bilden. Andere, junge Tiere, die sich leicht auf moderne Haltungsbedingungen einstellen können, finden in anderen Agrarbetrieben der Region eine neue Heimat. „Ich freue mich über jedes Tier, dass in einen modernen Stall kommt“, sagt Petra Schmidt. Um etwa 150 Tiere ist der Bestand der Vorländer bereits reduziert.

Auswirkungen haben solche Produktionseinschränkungen der unterschiedlichen Landwirte natürlich auch auf Dienstleister, Tierärzte und auch auf Landwirtschaftskollegen. „Denn wenn die Milchproduktion wegbricht und sich der Tierbestand verringert, werden ihre Dienste oder eben Futter für diese Tiere weniger gebraucht“, erklärt Christian Ehlers. „Die Dienstleister und die Milchproduzenten sitzen da sozusagen in einem Boot“, sagt beispielhaft für andere Dienstleister in der Landwirtschaft Dr. Günther Scheibe, Geschäftsführer von PAL-Anlagenbau in Abtshagen. „Wir alle merken die schlechten Preise in der Tierhaltung — ob Milch oder Schweinefleisch — generell am Investitionsrückgang“, erklärt er. Man müsse sich Alternativen suchen, um das abzufedern, so wie sie sein Unternehmen im Fischproduktions-Anlagenbau gefunden hätte.

Von Almut Jaekel

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