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Grimmen Mindestlohn geplant: Frisur bald teurer?
Vorpommern Grimmen Mindestlohn geplant: Frisur bald teurer?
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07:18 17.07.2013
Ellen Günther schneidet Horst Harfenmeister seit Jahren die Haare. Fotos (4): Raik Mielke
Grimmen

Haben Sie beim letzten Friseurbesuch nicht eigentlich viel zu wenig bezahlt? „Würde ich jetzt nicht behaupten wollen“, antwortet Kundin Laura Telke (29).

Dabei ist diese Frage gar nicht so unberechtigt. Denn Waschen, Schneiden, Föhnen — dafür werden Friseurkunden wohl bald tiefer in die Tasche greifen müssen.

Ursache ist die Einführung des deutschlandweiten Mindestlohns für Friseure. Bis 2015 sollen die Coiffeure mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen.

„Das wird auch Zeit“, findet Kerstin Höftmann. Die 43-Jährige weiß aus Erfahrung, dass viele Haarschneider für einen Hungerlohn wirklich hart ackern. „Meine Freundin bekommt nicht einmal fünf Euro in der Stunde und ich meine, für die Leistung, die sie in dieser Zeit erbringt, ist das mehr als lächerlich“, findet die Grimmenerin klare Worte.

Doch genau dem soll künftig entgegengewirkt werden. In einem Stufenmodell soll ab 1. August diesen Jahres für Friseure im Osten 6,50 Euro, im Westen 7,50 Euro Mindestlohn gezahlt werden. Nach einer weiteren Erhöhung zum 1. August 2014 soll schließlich bis zum 1. August 2015 ein einheitlicher Mindestlohn für West und Ost von 8,50 Euro gezahlt werden.

Müssen nun auch die Grimmener Friseurkunden mit steigenden Preisen für die unterschiedlichsten Haarschnitte und Färbungen rechnen? „Wir haben 90 Prozent Stammkunden und diese wären mit Sicherheit nicht erfreut, wenn sie künftig deutlich mehr für ihren gewohnten Haarschnitt bezahlen sollen“, glaubt Ellen Küther aus dem Friseursalon „Carin“ in der Tribseeser Straße. „In meinem kleinen Salon, in dem lediglich zwei Personen arbeiten, ist das alles noch kein Problem. Wirklich problematisch würden steigende Löhne erst in größeren Frisiergeschäften werden“, glaubt die 59-Jährige und findet Zustimmung von Friseurin Astrid Schubert. „Ich bin seit fast 40 Jahren in dieser Branche tätig und habe im Laufe der Zeit viele Erfahrungen sammeln können“, sagt die 55-Jährige aus dem „Salon Anja“

in der Bahnhofsstraße. „Die Einführung des Mindestlohns könnte man mit einem Gummiband vergleichen“, glaubt sie. „Steigen die Löhne, steigen die Kosten für die Unternehmer. Um dies wieder auszugleichen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Preise erhöhen oder die Angestelltenzahlen minimieren“, erklärt die erfahrene Haarschneiderin. „Erst einmal finde ich, dass Friseure angemessen bezahlt werden sollten“, sagt Renate Engel. „Diese Lohnerhöhung sollte man nicht auf den Kunden umlagern“, findet sie. „Vielmehr müssen Möglichkeiten geschaffen werden, dass die Salons, die diesen Mindestlohn zahlen, beispielsweise steuerlich unterstützt werden“, sagt die Inhaberin von Engels-Hairshop. Wie aber stehen die Kunden einer drohenden Preiserhöhung gegenüber? „Also ich denke, bei den Herrenhaarschnitten ist noch ein wenig Luft nach oben“, findet Stefan Beck. Der 25-Jährige glaubt, dass Friseure für ihre Arbeit mehr Geld verdient haben und würde dafür auch zwei oder drei Euro mehr bezahlen. „Wirklich mehr bezahlen möchte keiner, meine ich“, sagt Else Lembke. Die 87-jährige Trebelstädterin sieht dies aber als logische Konsequenz. „So lange sich die Erhöhung in Grenzen hält und der Mindestlohn auch wirklich gezahlt wird, werden wir auch das akzeptieren — denn wir wollen auch weiterhin eine schönen Haarschnitt haben“, betont sie mit einem Lächeln auf den Lippen. „Wer hart arbeitet, sollte auch fair dafür bezahlt und nicht ausgenutzt werden“, finden Kristin (16) und Karin Meyer (51). „Ich kenne Friseure, die schneiden drei Männern in einer Stunde ansehnlich die Haare und bekommen am Ende 3,50 Euro dafür — so etwas ist Ausnutzung im höchsten Maße. Da gebe ich lieber ein paar Euro mehr, wenn ich mir sicher sein kann, dass meine Stylisten auch ein faires Gehalt bekommt“, sagt Silke Callies (41).

Raik Mielke

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