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Nicht alle Händler sind zufrieden

Grimmen Nicht alle Händler sind zufrieden

Grimmens Innenstadt ist allerdings noch relativ gut mit Geschäften ausgestattet

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Anke Herrmann in ihrem Laden „sniksnak“ in der Langen Straße 1.

Quelle: Fotos: Reinhard Amler

Grimmen. Innenstädte sind beliebte Einkaufszentren, weil sich hier Shopping und Erlebnis miteinander verbinden lassen. Auch Grimmen bietet diese Möglichkeiten, denn mit Wasserturm und Museum liegen gleich zwei attraktive Kultureinrichtungen dort. Mit dem „Markt 7“ gibt es eine Gaststätte der höheren Klasse. Kaffee zwischendurch kann man in der Stadtbäckerei Junge am Markt oder in der Bäckerei Kadatz in der Bahnhofstraße trinken. Aber nutzen die Grimmener und ihre Gäste dieses Angebot?

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Grimmens Innenstadt ist allerdings noch relativ gut mit Geschäften ausgestattet

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Anke Herrmann, Inhaberin von „sniksnak“, gegenüber dem Rathaus antwortet mit Ja. „Ich bin mit meinen Umsätzen zufrieden“, sagt sie. „Und ich habe nicht bereut, dass ich mich vor drei Jahren selbstständig gemacht habe“, ergänzt die ehemalige Angestellte. Sie habe sehr viele Stammkunden, aus Rostock, Greifswald, Stralsund, sogar aus Berlin. Anke Herrmann bietet in ihrer Boutique neben Tischwäsche, Keramik, Kerzen, Kunstblumen und viele, viele Wohnaccessoires an, eben viel sniksnak. Und der ist offenbar gefragt.

Genauso wie Schuhe. Denn auch Kerstin Studier, Filialleiterin im Schuhladen „Anika“ (Bahnhofstraße 2) klagt nicht. Allerdings schränkt sie ein, dass es auch schon bessere Zeiten gegeben habe. „Wir bieten ein breitgefächertes Angebot an Schuhen an“, erklärt sie. Auch zu ihr kommen Kunden von außerhalb. Kerstin Studier ist vom ersten Tag an im Anika-Schuhladen. Im März gibt es ihn 14 Jahre.

Nun hat die Innenstadt im Vergleich zur Süd-West-Passage noch wenig Leerstände, wenngleich in den letzten drei Jahren einige dazu kamen: der Fischladen in der Bahnhofstraße, die Bäckerei Dragheim in der Bahnhofstraße/ Ecke Straße der Solidarität, Tabak Röpke in der Mühlenstraße und auch die Bäckerei Kühl in der Langen Straße. „Es lohnte sich einfach nicht mehr“, sagt Hendryk Kühl. „Wenn man abends nur 100 Euro in der Kasse hat, kann man weder Strom noch Heizung oder die Verkäuferinnen bezahlen“. Kühl möchte diesen Laden allerdings wieder beleben, weil es einst das Stammgeschäft seiner Bäckerei war. Ihm fehlt aber noch das passende Konzept.

Das zu finden, scheint in dieser Branche offenbar nicht so einfach zu sein. Grimmens bekannter Fleischer Uwe Petereit hat vor gut zwei Jahren in der Sundischen Straße einen Imbiss neu eröffnet. Er bietet hier täglich wechselnden Mittagstisch an. Der Laden funktioniere, sagt er. Allerdings nur eineinhalb Stunden pro Tag. 100 Gäste kommen täglich. Petereit, der noch weitere Fleischereifilialen, auch außerhalb von Grimmen, betreibt, ist damit aber zufrieden. „Wir haben das Problem, dass es Fleisch und Wurst überall gibt, in jedem Supermarkt“. Damit müsse man leben. Und Petereit lebt damit, auch wenn in Grimmen für ihn noch erschwerend hinzukommt, dass sein Geschäft erheblich schwankt.

Zu Monatsbeginn floriert es, zu Monatsende wird es schlechter, weil dann vielen das Geld fehle.

Dass die Grimmener dies nicht üppig haben, spürt auch Murat Güclüdal. Der Türke öffnete am 21. November 2016 seinen Dönerladen in der Langen Straße. Aber das Geschäft läuft nicht richtig an. „Als wir vor Weihnachten Döner für 2,50 Euro anboten, kamen die Kunden. Jetzt kostet er 3,50 Euro, aber Güclüdal hat abends manchmal nur ca. 20 Euro in der Kasse. „Zu wenig, um zu überleben“, sagt er.

Ein bereits 2007 von der Stadt in Auftrag gegebenes Einzelhandelskonzept bescheinigt der Innenstadt eine relativ hohe Dichte an Einzelhandel. 44 Betriebe gab es damals in der City. Die Zahl dürfte sich bis heute nur unwesentlich geändert haben. Kritisiert wurde vor zehn Jahren bereits, dass es vor allem an Drogerie- und Parfümerieanbietern mangelt. Auch das ist heute noch so, denn die immer wieder propagierte Ansiedlung einer Rossmann-Drogeriefiliale scheiterte letztlich.

„Der Konsument schlüpft ständig in andere Identitäten und sucht einerseits das ultimative Sonderangebot, andererseits Erlebnisse, Freundlichkeit und Bequemlichkeit“, steht in dem Papier. Auch diese Feststellung von 2007 ist noch nicht überholt. Wie auch die Tatsache, dass nur rund 40 Prozent der Grimmener Haushalte so kaufkraftstark seien, dass sie sich ihre Konsumwünsche weitgehend erfüllen können. Das ist aber in anderen Städten nicht viel anders. In Stralsund dürfte die Zahl geringer sein, weil dort die Arbeitslosenquote im Vergleich zu Grimmen höher ist.

Festzuhalten bleibt also, dass Grimmens Einzelhandel in der City in keiner beklagenswerten Situation steckt. Ein Vorteil für die Stadt ist ja auch die gute Anbindung an die Autobahn, die Grimmen für alle schnell erreichbar macht. Was die Innenstadt neben der Ansiedlung neuer Geschäfte sicher weiter aufwerten würde, wären gemeinsame Events der Händler und Gastronomen, wie sie zum Weihnachtsmarkt angeboten werden. „Ich würde mich schon freuen, wenn es uns gelänge, gemeinsame Öffnungszeiten in der Altstadt festzulegen“, erklärt „sniksnak“-Inhaberin Anke Herrmann. Ihr Geschäft sei nämlich eines der wenigen in der Innenstadt, das noch bis 18 Uhr Kunden empfängt.

Kerstin Studier, wünscht sich von den Grimmenern, dass sie sich immer wieder darauf besinnen, dass unsere Stadt noch viel Einzelhandel besitzt. Der müsse aber auch gestärkt werden, sagt sie.

Reinhard Amler

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