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Schmierstoff im Windrad bröselte schon

Rakow Schmierstoff im Windrad bröselte schon

Gutachten: War schlampige Wartung Ursache der Rakower Windrad-Havarie?

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Windkraftanlagen müssen regelmäßig und fachgerecht gewartet werden, um Havarien zu verhindern.

Quelle: Foto: Peter Franke

Rakow. Zu wenig Schmiere in den Lagern: Die Havarie der Windenergieanlage im Windpark Rakow in der Gemeinde Süderholz im Dezember vorigen Jahres ist wohl auf schlampige oder zumindest nachlässige Wartung zurückzuführen. Das ergab jetzt ein Gutachten zur Unfallursache. In dem 16 Jahre alten Windpark war ein 70 Meter hohes Windrad in 25 Metern Höhe abgebrochen.

 

OZ-Bild

Die abgebrochene Windmühle im Windpark Rakow im Dezember vorigen Jahres.

Quelle: Foto: Anja Krüger

Tonnenschwere Maschinenteile waren auf ein Feld gekracht. Insider gehen von einem Sachschaden von bis zu einer dreiviertel Million Euro aus. „Der Windpark hat drei Monate komplett stillgestanden“, erklärt Holger Schneider, einer der Geschäftsführer des Betreibers Ökofair Energie GmbH. Bei einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro könne man sich den Gesamtverlust vorstellen, sagt Schneider.

Von ungenügender Wartung war bislang von amtlicher Seite keine Rede gewesen. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Vorpommern hatte lediglich mitgeteilt, dass die hydraulische Stellvorrichtung der Rotorblätter versagt habe, was nach einer Kettenreaktion zu einer extremen Überlastung der Turmstatik und am Ende zum Umsturz geführt habe (die OZ berichtete).

Laut Gutachten des unabhängigen Sachverständigenbüros Hubert Gregorius aus Nordrhein-Westfalen haben die Rotorblätter der Anlage vom Typ DeWind, die sich je nach Stärke in den oder aus dem Wind drehen, nicht mehr korrekt reagiert. „Das heißt, sie wurden nicht schnell genug aus dem Wind gedreht, als dies erforderlich war“, erklärt Diplomingenieur Gregorius. Dies habe dazu geführt, dass sie immer schneller wurden, was auf Dauer zu einer Unwucht und in der Folge zu Vibrationen am Turm führte. „Das führte schließlich dazu, dass die Gewinde der Verbindungsschrauben zwischen erstem und zweitem Turmsegment abrissen. Alle auf einmal“, ist Hubert Gregorius nach seinen Untersuchungen sicher.

Als wahrscheinliche Ursache für die Fehlreaktion der Rotorblätter machte der Gutachter die ungenügende Fettung ihrer Verstellmechanik ausfindig: „Bei der Untersuchung fanden wir zu wenig Schmierstoff vor. Und der war bereits so ausgetrocknet, dass er bröselte“, erklärt Gregorius. Ein hoher Metallanteil im Blattlagerfett spreche zudem dafür, dass im Lager schon seit Längerem Metall auf Metall rieb. Zudem hätte möglicherweise die Bremse für die Rotorblätter versagt. „Doch das ist wegen des durch den Unfall zerstörten Schaltschranks nicht mehr nachprüfbar“, bedauert der Experte. Bezogen auf die notwendige Wartung von Windkraftanlagen sehe er schon „seit Jahren eine schlechte Entwicklung“, sagt der Inhaber eines Ingenieurbüros für Schadensgutachten und nennt zwei Stichworte:

Kosteneinsparung und Fachkräftemangel. „Früher haben die Betreiber noch selbst darauf geachtet, dass ihre Mühlen in Ordnung sind und die Mitarbeiter kannten jede Schraube“, weiß Gregorius: „Nichts gegen Zeitarbeit. Aber dabei gibt es ständig wechselndes Personal. Darunter leiden auch die Anlagen.“

Nach der Havarie Ende Dezember vorigen Jahres hatte das StALU die übrigen 20 Anlagen des Herstellers DeWind im Rakower Windpark stilllegen lassen. Im April hatten die Gutachter mit ihrer Prüfung begonnen. Dabei untersuchten sie nicht nur die havarierte Anlage, sondern auch die baugleichen Anlagen auf ihre maschinenbauliche, steuerungstechnische und bauliche Unbedenklichkeit. Dies war neben der Ermittlung der Schadensursache die zweite Auflage des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur, bevor die Anlagen wieder den Betrieb aufnehmen dürfen.

Zwölf der Rakower Windmühlen sind bislang überprüft worden und drehen sich wieder. Bei drei Anlagen entdeckten die Sachverständigen ebenfalls Mängel wie an der havarierten Mühle. Auch hier: „Zu wenig Schmierstoff“, bestätigt Hubert Gregorius. Das müsse der Betreiber beheben lassen, bevor auch diese Windkraftanlagen wieder ans Stromnetz angeschlossen werden dürfen. Die restlichen Anlagen warten noch auf ihre Prüfung. „Dafür ist entsprechender Wind erforderlich. Außerdem ist trockenes Wetter nötig, da die Gutachter wegen des Platzmangels in den Gondeln dieses Anlagentyps für ihre Untersuchungen das Dach öffnen müssen und dabei kein Wasser ins Innere der Anlage gelangen darf“, erläutert Gregorius.

Die Experten untersuchen unter anderem, ob Fundamente Risse oder Abplatzungen aufweisen, prüfen alle Schraubverbindungen und Flansche zwischen den verschiedenen Turmsegmenten – und natürlich die ausreichende Fettung der Lager der Rotorblätter. „Wir prüfen auch Leichtgängigkeit, Geräuschentwicklung und Vibration bei der Verstellung der Rotorblätter, das Schwingungsverhalten der Türme bei drehendem Rotor und das sichere Abbremsen bis zum Stillstand der Rotornabe“, erklärt Hubert Gregorius. Für diese Untersuchungen sei eben Wind erforderlich, und zwar bei allen zu prüfenden Anlagen ähnlich viel Wind, um bei etwa gleicher Leistung vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. „Wenn wieder entsprechende Windverhältnisse herrschen, werden wir auch alle übrigen Anlagen prüfen, sagt der Sachverständige. Die havarierte Anlage hingegen dürfe der Betreiber keinesfalls reparieren lassen und wieder in Betrieb nehmen.

Peter Franke

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