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Sind Jugendliche heute Stubenhocker?

Grimmen Sind Jugendliche heute Stubenhocker?

Die OZelot-Lokalredaktion ging dem Mythos einmal nach

Grimmen. Viele Leute behaupten, dass die Jugendlichen von heute den ganzen Tag nur noch zu Hause im Zimmer hocken. Dann kommen meistens Vorwürfe wie: Ihr sitzt den ganzen Tag nur vor dem Computer oder der Spielekonsole! Stimmt das? Sind diese Vorwürfe berechtigt?

  Henrik Novaki gibt zu, dass er viel Zeit im weltweiten Netz der Daten verbringe. „Meistens spiele ich mit meinen Freunden im Internet, wir verständigen uns über Skype oder Discord“,erzählt der 14-Jährige. „Ich habe Spaß an dieser Form der Kommunikation.“

Auch Marvin Müns räumt ein, dass er mit seinen Freunden viel im Internet spielt. Als „Stubenhocker will sich der 14-Jährige aber nicht abstempeln lassen. „Ich gehe mit meinen Freunden auch gern nach draußen, um beispielsweise Fußball mit ihnen zu spielen“, sagt er und betont, dass dies gar nicht so einfach sei. Besonders im Einzugsgebiet Grimmen. Das Problem: Der Großteil der Schüler wohnt nicht „um die Ecke“ in der Trebelstadt, sondern in den umliegenden Dörfern. Die Konsequent: Sehr viele Schüler können ihre Freunde nur in der Schule sehen und dort ist natürlich keine Zeit, um etwas gemeinsam zu unternehmen. Wollen sie das, heißt das für die Eltern der „Auswärtigen“: Sie müssen ihn von A nach B fahren.

Maximilian Grasmann sagt: „Ich unternehme eigentlich viel mit Freunden, doch wegen der Schule bleibt mir dazu nicht ganz so viel Zeit. Außerdem habe ich nicht viele Freunde in der Umgebung.“ Ein Treffen mit seinen Kumpels scheitert deshalb häufig an der fehlenden Zeit. Für die Sommermonate gibt es zwar die Option, aufs Rad zu steigen und die zahlreichen Radwege der Region zu nutzen, um zueinander zu kommen und gemeinsam was zu unternehmen. Aktuell wird dies wetterbedingt aber zunehmend unangenehmer. Zudem wird es abends sehr früh dunkel, sodass viele auch aus Sicherheitsgründen diese Option ablehnen.

Und selbst wenn man im selben Dorf oder sogar in Grimmen wohnt, gäbe es hier in der Gegend nur wenige Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, monieren die jungen Leuten. Dazu müsste man dann erstmal mit dem Zug oder Bus zu einem Ort seiner Wahl kommen, in dem auch was los ist. Fazit: Für die Gründe, warum die jungen Leute zuhause bleiben müssen, können sie oftmals nichts. Darum stimmt der Begriff „Stubenhocker“ nur bedingt.

Nicht zuletzt gilt für sie die Devise: Nach der Schule ist vor der Schule. Daheim sind die Hausaufgaben zu erledigen. Die meisten Schüler, die im ländlichen Raum leben, sind erst zwischen 16.30 und 17 Uhr zu Hause. Rechnet man dann noch eine Zeit von mindestens einer Stunde für besagte Hausaufgaben hinzu, bleibt eigentlich nur noch Zeit für das Abendbrot. „Ich komme spät nach Hause und muss dann noch Hausaufgaben erledigen. Die restliche Zeit, welche nicht viel ist, nutzte ich, um ein paar Videos auf Youtube zu schauen“, sagt der 14-jährige Leo Pusch .

Ein Grund für die späte Ankunft zu Hause nach der Schule sind die großen Einzugsgebiete. Nicht wenige Schüler fahren täglich zweimal über eine Stunde mit dem Bus. Da bleibt nur noch wenig Zeit, um seine Freizeit zu genießen. „Ich würde auch lieber den ganzen Nachmittag Zeit für mich haben und nicht im Dunklen zur Schule fahren müssen und erst in der Abenddämmerung wieder Zuhause sein“, findet denn auch Oliver Kiencke . „Diese wenige Zeit, die dann zu Hause bleibt, wird im Zimmer mit Hausaufgaben oder Ausruhen vom stressigen Tag verbracht“, beschreibt Leo Pusch. Da würden dann nur noch die Wochenenden übrig bleiben, um eventuell mal etwas mit Freunden zu unternehmen.

Pia Reicke (14) stimmt zu: „Ich bin nicht so gerne drinnen, aber es ist schwer, während der Schulzeit etwas in der Woche zu unternehmen. Am Wochenende bin ich aber mit Freunden draußen.“ Die Schule ist heutzutage für junge Leute eben ein Art „Fulltime-Job“. Schließlich warten nach mindestens 36 Wochenstunden Unterricht noch Arbeitsgemeinschaften, das Vereinsleben und eben die Hausaufgaben. Gut, dass es die sozialen Netzwerke gibt. Sie bieten den jungen Leuten eine Möglichkeit, trotz der zeitlichen und räumlichen Distanz in Kontakt zu bleiben. Der Begriff „Stubenhocker“ hat eben im Laufe der Zeit einen völlig neuen Charakter bekommen.

Raik Mielke, Jesper Lemke, Oliver Kiencke und Tabe

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