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„Wenn die Politik eingreift, kommt es zu Verwerfungen“

Bartelshagen I „Wenn die Politik eingreift, kommt es zu Verwerfungen“

Milchpreiskrise, Streit um Glyphosat: Landwirte fordern Molkereien und Politik zum Handeln auf

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Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) und Wilfried Lenschow bei der Besichtigung des Hofes in Ehmkenhagen.

Quelle: Robert Niemeyer

Bartelshagen I. Auch wenn in Ehmkendorf und Kloster Wulfshagen und vielen anderen Landwirtschaftsbetrieben gestern gefeiert wurde, ohne Blick die aktuellen Probleme ging es trotzdem nicht. „Wir sind in schwerem Fahrwasser“, gab Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern zu bedenken. „Die Landwirtschaft befindet sich in der größten Marktkrise seit 25 Jahren“, sagte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck, „wir brauchen einen funktionierenden Markt. Wenn die Politik eingreift, kommt es oft zu Verwerfungen.“

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Milchpreiskrise, Streit um Glyphosat: Landwirte fordern Molkereien und Politik zum Handeln auf

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Es sind vor allem zwei große Streithemen, die die Landwirte im Moment beschäftigen: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat und die Milchpreisentwicklung. Doch was in beiden Fällen richtig ist, darüber herrscht Unklarheit. Das, so viele Landwirte, hängt vor allem auch mit der Kompetenz der Entscheider in Sachen landwirtschaftlicher Themen zusammen. „Die, die Einfluss nehmen, müssen die Kenntnisse haben“, fordert Ansgar Kurp, Chef des Gestüts Vorpommern. Deutschland enthält sich bei der Entscheidung um die Weiterzulassung des Mittels – ein Zeichen dafür, dass das Engagement, sich mit dem Thema ausreichend auseinanderzusetzen, fehle.

Fehlende Sachkenntnis?

Doch nicht nur in der Politik fehle Sachkenntnis. „Die Politik muss auch dafür sorgen, dass der landwirtschaftliche Sachverstand in den Verwaltungen vorhanden ist“, sagt Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern.

Dann wäre vielleicht vieles leichter. Zumindest aus Sicht der Bauern und zumindest, was Glyphosat angeht. „Wenn Glyphosat in Lebensmitteln nachgewiesen wird, kann man die Angst der Menschen sicherlich nachvollziehen“, sagt Ansgar Kurp. Dennoch gebe es viele Auflagen, die in den vergangenen Jahren sogar noch strenger geworden seien. „Aber es gibt auch in der Landwirtschaft ein Umdenken“, sagt Kurp. Mit dem stärkeren Einsatz sogenannter Pflanzenschutzmittel sei pfluglose Bearbeitung des Ackerbodens vor Jahren fast schon Standard gewesen. Mittlerweile würde öfter gepflügt, was den Glyphosateinsatz verringert. „Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte“, sagt Wilfried Lenschow.

Der wiederum hat auch noch ein anderes Problem, die fallenden Milchpreise. Im Mai und Juni wurde der Milchpreis pro Kilogramm abermals von den Molkereien herabgesetzt. „Im Mai hatten wir 21 Cent pro Kilo, angedeutet wurde, dass er im Juni unter 20 Cent fällt“, so Wilfried Lenschow. 470 Kühe hat Lenschow, alles zusammengerechnet, macht er pro Kuh im Jahr einen Verlust von rund 1000 Euro. 470

000 Euro jährlich gehen so verloren. Aber einfach aufgeben, ist nicht. „Das wäre der letzte Schritt. Trotz aller Hürden werden wir auch dieses Jahr meistern“, sagt Wilfried Lenschow. Denn der Betrieb sei breit genug aufgestellt, um das Jahresergebnis aus dem Milchverkauf aufzufangen. Noch.

Molkereien sind gefragt

Doch was tun, um den Milchpreis zu stabilisieren? Bei den Gründen fällt immer wieder das Russlandembargo, das die Milchbauern stark getroffen habe. Bürokratie abbauen, gehört ebenfalls zu einer der Forderungen. Doch mehr könne die Politik eigentlich nicht machen, schließlich herrscht freie Marktwirtschaft.

Deshalb seien die Molkereien gefragt. „Die Molkereien machen es sich zu leicht“, sagt Lenschow, der auch bei den Milchverarbeitern einen Strukturwandel fordert. Sprich: Auch die Molkerein sollten sparen. Und obwohl die Milchbauern genossenschaftlich organisiert sind, die Molkereien eigentlich also ihnen gehören, schaffen sie es nicht, genug Einfluss darauf zu nehmen. „Wir müssen den Druck auf die Molkereien und das Management erhöhen.“

Robert Niemeyer

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