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„Wir sitzen nicht den ganzen Tag im Keller und programmieren“

Wirtschaft „Wir sitzen nicht den ganzen Tag im Keller und programmieren“

Jan Ulrich, Standortleiter des Software-Konzerns Adesso, erklärt, wie er Stralsund zum IT-Zentrum machen will und warum Klischees über Computer-Freaks Unsinn sind.

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Jan Ulrich leitet den Stralsunder Standort von Adesso

Quelle: Adesso

Stralsund — Die Stralsunder Ausgabe des international agierende Software-Konzerns Adesso hat es sich zum Ziel gemacht, aus der Hansestadt einen wichtigen IT-Standort zu machen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Dortmund unterhält Büros in ganz Deutschland und zählt zu den bundesweit wichtigsten seiner Branche. Im OZ-Gespräch berichtet Standortleiter Jan Ulrich, wie die Hansestadt mit München und Istanbul mithalten kann..

OSTSEE-ZEITUNG: Es gibt dieses Klischee von Computer-Tüftlern, die in dunklen Räumen sitzen, Pizza essen und sich geniale Programme ausdenken. Wie viel von diesem Klischee trifft auf Adesso zu?

Jan Ulrich: Dieses Klischee kursiert immer noch, obwohl ich es in der Realität so noch nirgendwo gesehen habe. Auch bei Adesso ist es nicht so, dass wir den ganzen Tag in Kellern sitzen und programmieren. Stattdessen sind wir viel unterwegs und sprechen mit Kunden. Bei der Entwicklung eines Projekts verbringen unsere Leute nur 40 Prozent der Zeit mit der eigentlichen Programmierung.

Software-Entwicklung ist ein sehr sozialer und kommunikativer Job.

OZ: Sie haben vor zwei Jahren angekündigt, Stralsund zu einem großen IT-Standort zu machen. Wie weit sind Sie mit diesem Vorhaben voran gekommen?

Ulrich: Wir sind gut gewachsen in den letzten Jahren. Bei uns arbeiten jetzt 30 Mitarbeiter. Seit August beschäftigen wir auch zwei Auszubildende. Damit haben wir jetzt eine sehr schöne Größe erreicht. Unser Umsatz ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Und wir wollen weiter wachsen.

Lieber mehr Kollegen als zu wenig. Wir haben keine Probleme, neue Kunden zu gewinnen, sondern haben eher einen Engpass bei neuen Fachkräften. Das ist aber nicht nur in Stralsund so, sondern in der ganzen Branche.

OZ: Könnte das zu einem schwerwiegenden Problem werden?

Ulrich: Es ist ein Luxusproblem. Trotzdem müssen wir uns dem stellen. Man schickt einen Kunden schließlich nur ungern weg.

Bei über 1200 Mitarbeitern im Gesamtkonzern haben wir aber gute Reaktionsmöglichkeiten, wenn wir einen Auftrag lokal nicht bewerkstelligen können.

OZ: Was sind die wichtigsten Projekte, an denen Sie derzeit in Stralsund arbeiten?

Ulrich: Einer der wichtigsten Kunden, die wir von der Hansestadt aus betreuen, ist die Rabobank. Für dieses Unternehmen bauen wir eine Anwendung für den internen Zahlungsverkehr. Außerdem arbeiten wir für weitere große Banken und Versicherungen, die deutschlandweit bekannt sind.

OZ: Adesso unterhält Standorte in großen Städten wie München, Istanbul und Zürich, die man eher mit großen IT-Zentren in Verbindung bringt als Stralsund. Wie kann die Hansestadt da mithalten?

Ulrich: Stralsund ist Teil unserer Geschäftsstrategie. Am Anfang ist das Unternehmen dahin gegangen, wo gerade der Markt ist und unsere Kunden sitzen. In der Hansestadt gibt es diese großen Konzerne nicht. Hier geht es uns darum, gute Mitarbeiter zu gewinnen, um auf den Personalengpass zu reagieren. Wir arbeiten dabei eng mit der Fachhochschule zusammen.

OZ: Das heißt, Sie betreuen keine Kunden aus der Region?

Ulrich: Nein, wir konnten leider bislang keinen lokalen Kunden gewinnen. Beim Ozeaneum haben wir uns mal beworben, das hat aber nicht geklappt. Stattdessen haben wir uns auf langfristige nationale Projekte spezialisiert.

OZ: Was haben Sie denn versucht, um regionale Kunden zu gewinnen?

Ulrich: Man muss realistisch sein: Die Individualsoftware, die wir entwickeln, ist ein kostenintensives Geschäft. Die Kosten für unsere Projekte beginnen normalerweise bei 300000 Euro und reichen bis zu mehreren Millionen Euro.Diese Investition betätigen Unternehmen, die ganz spezielle Programme benötigen, im Gegensatz zu Firmen, die eher auf Software von der Stange zurückgreifen.

OZ: Viele junge Menschen, die sich für die Computer-Branche interessieren, träumen von der einen genialen Idee, die aus der kleinen Garagenfirma einen großen Weltkonzern macht. Können solche Träume heute noch Wirklichkeit werden?

Ulrich: Ich glaube nicht, dass das jemals vorbei ist. In den letzten zehn Jahren sind so viele Dinge entwickelt worden, von denen die Leute geglaubt haben, das geht gar nicht. Ich glaube aber auch, dass in viele Projekte viel Schweiß und Geld gesteckt wird und 95 Prozent es am Ende trotzdem nicht schaffen.

Es gehört eine große Portion Glück dazu, sich gegen die große Konkurrenz durchzusetzen. Davor habe ich großen Respekt.

Wir sind stetig weiter gewachsen. Bei uns arbeiten jetzt 30 Köpfe und unser Umsatz ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.“

 



Interview von Alexander Müller

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