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Grimmen Wissenschaft entdeckt Handwerk
Vorpommern Grimmen Wissenschaft entdeckt Handwerk
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00:00 12.09.2018
Stralsund

In ganz Vorpommern gibt es etwa 5212 Betriebe, die im Handwerk und in handwerksähnlichen Bereichen tätig sind. Im Einzugsgebiet der beiden Kreishandwerkerschaften Rügen-Stralsund-Nordvorpommern und Vorpommern-Greifswald haben jeweils bis zu 6000 Menschen einen Job in einer Handwerksfirma. Für Uwe Ambrosat, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern, ist das Handwerk damit zwischen Ahlbeck, Greifswald, Grimmen und Zingst ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

Hochschule Stralsund und Handwerkskam- mern haben sich für ein Buch zusam- mengetan, das eine Analyse des Handwerks im Land wagt.

Eine Einschätzung, mit der sich jetzt Wissenschaftler beschäftigt haben. So untersucht eine aktuelle Publikation der Hochschule Stralsund die Lage des Handwerks im Land. Das Buch „Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern – Strukturwandel und Innovation“ lässt laut Vorwort seines Herausgebers, Wirtschaftsprofessor Norbert Zdrowomyslaw, den Leser die wirtschaftliche Bedeutung, die Herausforderungen des Strukturwandels sowie die innovative Vielfalt des Handwerks nachvollziehen.

Um dieses Projekt zu verwirklichen, war eine umfassende Kooperation zwischen Hochschule Stralsund und den Handwerkskammern im Land nötig. Und Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern betonte bei der offiziellen Vorstellung des Buches: „Zum ersten Mal ist das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern Thema einer wissenschaftlichen Publikation, die dessen gesamtwirtschaftliche Bedeutung analysiert. Schließlich werden zehn Prozent der Wertschöpfung unseres Bundeslandes durch das Handwerk erbracht.“

Darüber hinaus will Prof. Zdrowomyslaw mit dem Buch auch: „Aufzeigen, dass Ansichten über ein angeblich verstaubtes Image der Branche längst der Vergangenheit angehören.“ 50 Unternehmensporträts hat das studentische Autorenteam zusammengetragen, um einen Überblick über die Vielfalt und die Innovationskraft des Handwerks im Land zu geben.

Unter ihnen auch Henrik Gotsch, Geschäftsführer der Installationsfirma Gotsch GmbH, am Langendorfer Berg in Stralsund. Als erstes Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern wurde es als 1a-Arbeitgeber von der Akademie Zukunft Handwerk ausgezeichnet. „Für mich haben Belange meiner Mitarbeiter höchste Priorität“, sagt Gotsch. Dazu gehört, dass die 20 Mitarbeiter über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge Bescheid wissen, die beim monatlichen ZDFF – Zahlen-Daten-Fakten-Frühstück – vermittelt werden. Dazu gehört aber auch LEO – die leistungsorientierte Gewinnbeteiligung. „Die Fluktuation in der Firma ist gleich Null“, sagt der Chef und legt den Schwerpunkt auf das nächste Projekt: LiKA 4.0 – Lernen im Kundenauftrag. Damit zielt Gotsch auf eine perfektere Lehrausbildung unter den Bedingungen der Digitalisierung ab. „Daran kommt das Handwerk nicht vorbei“, sagt er und will Azubis stärker und selbstständiger in praxisnahe Prozesse, bis hin zur Arbeit mit den Kunden, einbeziehen. „Da sind wir derzeit gut unterwegs.“

Ob die Digitalisierung 4.0 auch in einem altehrwürdigen Handwerk wie dem Reetdachdecken einmal eine Rolle spielen wird, da ist sich Rainer Carls, Chef der Rohrdachdeckerei Carls in Neuenkirchen bei Greifswald, nicht so sicher. Derzeit ist er mit seinen Gesellen in Rambin beschäftigt, wo sie ein Rohrdach auf eines der ältesten Häuser Rügens setzen. „Das Handwerk folgt immer noch den alten Traditionen“, sagt der Chef. „Schließlich steht das Rohrdachdecken auf der Bundesliste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland.“ Doch je länger der Obermeister der Landesinnung MV über sein Handwerk spricht, um so deutlicher wird, mit was für heutigen Themen Dachdecker konfrontiert sind: „Auf Treffen der internationalen Dachdeckervereinigung stehen zunehmend Brandschutz, Klimawandel und Pilzbefall von Reetdächern im Zentrum der Aufmerksamkeit“, sagt Carls und weiß, dass das Handwerk darauf eine Antwort finden muss.

Die Buchholz-Orgel in Tribsees hat Rainer Wolter wieder zum Spielen gebracht, ebenso wie die Mehmel-Orgel in Kreutzmannshagen in der Gemeinde Süderholz. Der Orgelbauer hat seine Werkstatt in Zudar auf Rügen und ist der erste niedergelassene Fachmann seiner Art auf der Insel. Er landete nicht ganz zufällig in dem Handwerksbuch. „Ich wurde von den Autoren des Studententeams angerufen.

Vermutlich, weil ich so ein seltenes Handwerk betreibe.“ Von seinen restaurierten und gepflegten Orgeln profitiert Mecklenburg-Vorpommern als Kulturlandschaft über Jahre hinaus in die Zukunft.

Der Zukunft widmet das Buch am Ende noch einmal wissenschaftlich fundierte Einsichten. Hier wird deutlich, dass die Attraktivität des Handwerks nur in einem kooperativen Handeln von Wissenschaftlern und Handwerkern weiter wachsen wird. Einen interessanten Ansatz dazu leistet dieses Buch.

Alles über das Buch

Das Buch „Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern – Strukturwandel und innovative Vielfalt“ von Prof. Norbert Zdrowomyslaw entstand unter Mitarbeit von 29 Studierenden und Absolventen der Hochschule Stralsund sowie den Handwerksexperten Wolfgang Dürig, Till Pröger, Maik Schmidt und Benjamin W. Schulze.

Aufgezeigt wird auf 388 Seiten die Bedeutung der Handwerksbetriebe für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung unter Beachtung globaler und regionaler Herausforderungen. Der Inhalt führt von der Geschichte des Handwerks im Land bis zum wissenschaftlich fundierten Ausblick auf Chancen und Entwicklungen der Branche – von der Unternehmenssteuerung bis hin zur Zukunftsgestaltung.

Dokumentiert wird die Vielfalt der Handwerksbetriebe in MV unter anderem an 50 Unternehmensporträts aus dem ganzen Land. Eine Tabelle listet zudem die 100 mitarbeiterstärksten Handwerksbetriebe des Landes auf. Unter den Top 20 befinden sich vier Betriebe aus Vorpommern: Platz 1: Unser Heimatbäcker (Pasewalk); Platz 5 Allrein (Stralsund); Platz 12: Industrie- und Büroreinigungsgesellschaft (Sassnitz); Platz 14: Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (Stralsund).

Erschienen ist das Buch im MV-Verlag & Marketing, Greifswald.

ISBN 978-3-946096-06-1

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