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Wossidlo sorgte sich um jeden Bewohner

Leyerhof Wossidlo sorgte sich um jeden Bewohner

Steht man vor dem Gutshaus in Leyerhof, fallen zuerst zwei Jahreszahlen auf, die in schwarzer Farbe einige Meter über der Eingangstür stehen. „1762 - 1922“ steht dort leserlich geschrieben.

Leyerhof. Steht man vor dem Gutshaus in Leyerhof, fallen zuerst zwei Jahreszahlen auf, die in schwarzer Farbe einige Meter über der Eingangstür stehen.

„1762 - 1922“ steht dort leserlich geschrieben. Es sind zwei Jahreszahlen, die etwas über die bauliche Geschichte des Gutshauses erzählen. Im Jahre 1762 wurde der Prachtbau nämlich gebaut und 1922 nochmals baulich erweitert. Das allein in der Zeit zwischen diesen beiden Jahren viel auf dem Gut unmittelbar vor den Toren der Stadt Grimmen passierte, ist selbstredend. In der Serie „Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ werfen wir einen Blick auf die Geschichte, die sich rund um das Gutshaus in den vergangenen Jahrhunderten abspielte.

Seit wann genau das Rittergut Leyerhof existiert, geht aus den verschiedensten Urkunden nicht hervor. Erste mögliche Erwähnungen gibt es aus dem Jahre 1574. Damals wird von einer Siedlung mit dem Namen „Lurenhof” gesprochen, die sich passenderweise am Waldrand in Richtung Borgstedt befand und als „Wüste Feldmark” bezeichnet wurde. In den folgenden Jahrhunderten wurden in diversen Quellen ganz unterschiedliche Namen verwendet. So wurde die Siedlung unweit der Stadt Grimmen beispielsweise im Jahre 1670 als „Lyerhoff” und ab 1694 unter schwedischer Herrschaft “Lujerhoff” betitelt. Erst als Claus von Schwerin, der erste namentlich bekannte Besitzer, das Gut 1782 übernahm festigte sich der bis heute bekannte Name „Leyerhof“.

Die Geschichte des Gutshauses, welches sich rund 500 Meter von der Landesstraße entfernt befindet, begann mit der Übernahme des Ritterguts durch die Familie von Schmalensee im Jahre 1728. Damals gehörten jener Familie bereits die Güter in Bassin und Dönnie. Nach 34 Jahren als Gutsbesitzer waren es auch sie, die das prachtvolle Herrenhaus, welches bis heute in seiner Grundsubstanz eines der ältesten Gebäude des Dorfes ist, errichtete. Als 1777 die schwedische Familie von Tigerström das Rittergut Leyerhof kaufte, begann eine erste kontinuierliche Besitzphase. Ganze 113 Jahre, also bis 1870 bewirtschafteten die Schweden nämlich die Flächen rund um das Gutshaus.

Die folgenden Jahre waren vor allem durch einen ständigen Besitzerwechsel geprägt. Zuerst kaufte die Familie von Platen 1870 das Gut, bevor bereits neun Jahre später der Besitz an die Familie von Bülow weiterverkauft wurde. Erneut nur drei Jahre danach veräußerte auch Herr von Bülow das Rittergut aus wirtschaftlichen Gründen wieder. Käufer damals eine sehr alte und weitverzweigte Familie, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht und die vor allem durch Richard Wossidlo, der Autor zahlreicher Volksüberlieferungen aus Mecklenburg und Pommern bis heute bekannt ist. Der Neffe des namhaften Autors Wilhelm Wossidlo übernahm das Gut und sollte es in den kommen Jahrzehnten prägen.

So sorgte Wilhelm Wossidlo beispielsweise dafür, dass nahezu alle Bewohner des Guts auch in Leyerhof beschäftigt waren. Wie sehr sich der Besitzer aber nicht nur um jene Leute kümmerte, die für die Arbeit wichtig waren, zeigt der Umbau eines älteren Gebäudes, welches sich direkt neben dem Gutshaus befand. Hier ließ er, beinahe wie heutzutage in einem Altersheim, ältere und alleinstehende Menschen leben. Und selbst die Versorgung jener Leute ließ er durch die Gutsküche absichern. Aus den Quellen geht hervor, dass Wilhelm Wossidlo das Gut sehr umsichtig führte. Obwohl es der Familie wirtschaftlich sehr gut ging, machte diese ihren Wohlstand nicht öffentlich, sondern investierte die Gewinne stets in neue Bauvorhaben. So wurden unter anderem die Landarbeiterwohnungen ständig modernisiert.

Im Jahre 1928 zähle man in Leyerhof 149 Einwohner. Zum Gut gehörten damals 662 Hektar Land, davon 445 Hektar Acker. Zum Viehbestand gehörten 100 Rinder, 53 Pferde, 130 Schweine und 750 Schafe. Ein enorm wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg war die nur drei Kilometer entfernte Kleinbahnstation in Borgstedt. Mittels Pferd wurden landwirtschaftliche Produkte, wie Kartoffeln und Rüben mit Loren zum Weitertransport mit der Bahn gezogen. Wilhelm Wossidlo führte das Gut bis zu seinem Tode im Jahre 1943. Neben seiner Frau Emilie, die das Gut anschließend weiterführte, gab es drei Töchter. Der Familie gelang 1945 die Flucht nach Schleswig-Holstein, was ihr sicher das Leben rettete. Das Gutshaus, welches Wilhelm Wossidlo 1922 nochmals baulich erweitert hatte, wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Zufluchtsort von 142 Flüchtlingen aus Hinterpommern, Ostpreußen, Schlesien, den Sudeten, dem Riesengebirge und Westpreußen. Die große Zahl an Menschen fand in dem Haus zunächst eine Unterkunft.

Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude sehr vielfältig genutzt. So entstanden in den oberen Etagen Wohnungen und in den Kellerräumen eine Verkaufsstelle und eine Arztstation.

Nach dem Verkauf des Gutshauses an eine Frau Rademacher begannen zahlreiche Umbauarbeiten am Gebäude. Heute und seit nunmehr 12 Jahren wird das Gutshaus von Ricarda Zamzau, die bereits seit über 30 Jahren in Leyerhof lebt, verwaltet. Im Inneren befinden sich Wohnungen.

Von Raik Mielke

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