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Zum Erntefest kamen alle ins Gutshaus

Zum Erntefest kamen alle ins Gutshaus

Ernst Prützmann spezialisierte sich auf die Rinderzucht / 113 Bewohner lebten und arbeiteten in Hoikenhagen

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Das Gutshaus Hoikenhagen im Jahre 1925. Fotos (5):Archiv Wolfgang Marder

Hoikenhagen Steht man heute vor dem Gutshaus in Hoikenhagen, erinnert nur sehr wenig an das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gutshauses aus dem 19. Jahrhundert. Seit mehreren Jahrzehnten wird das Herrenhaus als Wohnraum genutzt. In der OZ-Serie „Gutshäuser — Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ schauen wir heute auf den Prachtbau in Hoikenhagen.

OZ-Bild

Ernst Prützmann spezialisierte sich auf die Rinderzucht / 113 Bewohner lebten und arbeiteten in Hoikenhagen

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Quellen und Literatur

Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, 2008.

• Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Papenhagen Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/deputat.html Gespräche mit Bewohnern

Viele Jahre war die Familie Barnewitz Besitzer von Hoikenhagen, ehe Landwirt Prützmann das Gut im Jahre 1876 pachtete. Damals wurde die Größe von Hoikenhagen auf rund 266 Hektar bemessen. Wenig später übernahm Ernst Prützmann, der Sohn des Pächters, das Gut zur Pacht, ehe dieser im Jahre 1910 das Gut von den Barnewitzschen Erben kaufte. Neben den Landwirtschaftlichen Flächen übernahm er dadurch auch das Gutshaus und alle dazugehörigen Gebäude Hoikenhagens.

Das Gut war zu jener Zeit in 194 Hektar Ackerland, 65 Hektar Wiesen und sieben Hektar Hofräume und Wegeflächen aufgeteilt. In den Ställen standen 25 Pferde, über 140 Rinder und 80 Schweine.

Drei Jahre nach dem Kauf des Gutes durch Ernst Prützmann erweiterte jener seinen Besitz durch den Erwerb von 36 Hektar eines Nachbarguts. Somit hatte der landwirtschaftlich geprägte Betrieb fortan eine Größe von 300 Hektar, wobei 245 Hektar direkt für die Wirtschaft genutzt wurden. Gutsbesitzer Ernst Prützmann spezialisierte sich damals auf die Rinderhaltung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten auf dem Gut, das heute zur Gemeinde Papenhagen gehört, 113 Bewohner. Diese waren zumeist als Deputaten (siehe Infokasten) und Arbeiter in Hoikenhagen beschäftigt waren.

In Sachen Dorfleben zählte das im Oktober durchgeführte Erntefest zu den Höhepunkten. Alle Bewohner Hoikenhagens waren dann ins Gutshaus eingeladen. Die Wagenremise des Gutes wurde zu diesem Fest von Stellmacher Burmeister und Kutscher Großhoff in einen Tanzsaal umgewandelt. Aus den Quellen geht hervor, dass die langen Tischreihen mit Bettlaken bedeckt wurden und viele Blumen den Tisch schmückten. Zu diesem Anlass zog die Kapelle Brossen von Haus zu Haus und lud mit Musik die Bewohner zum Erntefest ein.

Und Gutsbesitzer Ernst Prützmann verwöhnte seine Gäste reichlich. So gab es stets Schweinekrustenbraten mit Rotkohl. Dazu wurde Richtenberger Korn und Bier getrunken. Und nachdem das Vieh versorgt und die Kinder ins Bett gebracht waren, spielte die Kapelle bis zum Morgengrauen zum Tanz auf. Selbst die Tanzchoreografie der Besucher war beim Erntefest sehr außergewöhnlich. So tanzten unter lautem Gesang sechs Karrees mit fünf Paaren die sogenannte „Pommern-Kugel“, einen alten Tourentanz.

Ernst Prützmann starb 1940 im Alter von 70 Jahren. Seine Frau Anna wurde daraufhin Eigentümerin von Hoikenhagen. Am 30. April 1945 wurde das Gut von der Roten Armee besetzt. Die Pferde und Kühe wurden von den Truppen requiriert. Aus den Quellen geht hervor, dass geplündert und die Frauen vergewaltigt wurden. Zum diesem Zeitpunkt verwaltete Anna Prützmanns Schwiegersohn Dietrich Sinnhuber den landwirtschaftlichen Betrieb.

Gemäß dem Bodenreformgesetz erfolgte auch in Hoikenhagen im September 1945 die entschädigungslose Enteignung des Besitzers. Einen Monat später verließ Anna Prützmann den Gutshof und zog nach Grimmen.

Sinnhuber erhielt eine Siedlerstelle von zehn Hektar Größe, was zur damaligen Zeit eine Ausnahme war. Das gesamte Gut Hoikenhagen wurde in 30 Siedlerstellen aufgeteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren im Gutshaus Flüchtlinge untergebracht.

Im Jahre 1993 pachtete der Enkel von Ernst Prützmann, Dr. Wolfgang Schütz, 148 Hektar, auf denen er Ackerbau als Mehrfruchtbetrieb betreibt. Das Gutshaus wurde inzwischen komplett saniert. Heute verwaltet es die Wohnungsbaugesellschaft mbH Richtenberg für die Gemeinde Papenhagen.

Was ist ein Deputat?

Deputaten sind Leute, die neben Barlohn auch Sachleistungen wie Naturalien als Verdienst bekommen.

Bis 1876 gehörte das Gut Hoikenhagen der Familie Barnewitz.

1876 pachtete Landwirt Prützmann das 266 Hektar große Gut.

1910 kaufte Ernst Prützmann das gesamte Gut mit all seinen dazugehörigen Gebäuden von den Barnewitzschen Erben.

1945 zog Anna Prützmann, die letzte Gutsbesitzerin, nach Grimmen.

Heute befinden sich Wohnungen im Gutshaus.

Von Raik Mielke

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