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Zum Glück gezwungen: ein Tenor wider Willen

Carmen Zum Glück gezwungen: ein Tenor wider Willen

Der Armenier Karo Khachatryan singt morgen am Theater den Don José in der Opernpremiere Carmen / Dabei träumte er eigentlich von einem Jura-Studium

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Den Soldaten Don José, der in rasender Eifersucht zum Mörder wird, spielt Karo Khachatryan in der Oper „Carmen“.

Quelle: Sybille Marx

Carmen. Kein Wort Deutsch konnte Karo Khachatryan, als er sich vor drei Jahren in Rostock an der Hochschule für Musik und Theater bewarb. Aus seiner Heimat Armenien reiste er an, im Gepäck ein hehres Ziel: Einen der wenigen Masterstudienplätze Gesang wollte er ergattern, wie hunderte andere Bewerber auch.

Nicht nur das hat er geschafft, mit seiner Tenorstimme. Heute, 29-jährig, spricht Khachatryan fließend Deutsch, hat seinen Gesangsmaster in der Tasche, zwei Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen und in dieser Spielzeit ein Engagement als Tenor am Theater Vorpommern. Don José soll er singen, die männliche Hauptrolle in der berühmtem George-Bizet-Oper Carmen. Alles dreht sich darin um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht (siehe Infokasten), am Sonnabend kommt die Oper in Greifswald auf die Bühne.

Don José — eine Traumrolle für Khachatryan? Ja! Wobei er früher überhaupt nicht davon träumte, Sänger zu werden: „Ich wollte das nie“, sagt er lachend. Jura hätte er viel lieber studiert, wie seine ältere Schwester. „Aber meine Eltern wollten unbedingt, dass ich Sänger werde.“ Wie einer seiner Onkel, der in Trier als Opernsänger arbeitet und der Familie schon früher oft Aufnahmen ins heimische Armenien schickte. „Ich mochte das als Kind nicht so“, sagt Khachatryan. Die ganze Familie saß dann zusammen, lauschte dieser gefühlsschwangeren Musik. „Ich habe nie verstanden, was die singen

. . .“

Khachatryan trägt ein sauberes Hemd mit Jacket darüber, hat smarte Grübchen, gepflegtes Haar. Als Juristen könnte man ihn sich durchaus vorstellen. Aber er scheint nun auch nicht am falschen Beruf zu leiden. „Nein“, sagt er. Nur „die ersten Jahre waren hart“. Auf Wunsch der Eltern ging Khachatryan zum Musikstudium nach Jerewan, die Hauptstadt Armeniens. Doch während die meisten seiner Kommilitonen schon als Kind ein Instrument gelernt hatten, tastete er sich mit 17 an die ersten Noten am Klavier heran. „Ich musste im Studium immer härter arbeiten als die anderen“, sagt er. Und lange habe er gehadert: „Soll ich aufhören und doch Jura studieren . . .?“

Inzwischen hat sich Khachatryan entschieden: für die Musik, für den Versuch, als Tenor groß rauszukommen und eines Tages so anspruchsvolle Opern zu singen wie Puccinis „Tosca“. Eben deshalb wollte er auch raus aus Armenien. Die Kultur in seiner Heimat leide, sagt Khachatryan, das ganze Land leide unter der Herrschaft der jetzigen korrupten Machthaber. Was die seinem Volk antäten, sei fast bitterer als der armenische Völkermord vor 100 Jahren durch die Türken. „Das eine ist Geschichte“, sagt Khachatryan. „Das andere ist heute und das machen wir selbst“.

In Rostock, scheint ihm, öffnete sich mit dem Studium aber die Tür zu einer neuen Welt: der Welt der europäischen Oper. Gute Stimmbildung, sagt Khachatryan, gebe es auch in Armenien. Aber die Stilmittel — dass man einen Mozart etwa anders singe als einen Verdi — „das hätte ich da nicht lernen können.“

Wie lange Karo Khachatryan nun in Deutschland bleibt und ob er je nach Armenien zurückkehren wird, weiß er noch nicht. Ein paar Engagements in Wernigerode und Hamburg hat er für die Zeit nach Carmen.

Danach will er dorthin gehen, wo sich ihm passende Rollen bieten. Der Familie, die er vermisst, schickt er Aufnahmen nach Hause. Und dann lauschen sie ihm, wie seinem Onkel aus Trier.

Die Oper Carmen

, die berühmte Oper von Georges Bizet, feiert am Sonnabend um 19.30 Uhr Premiere in Greifswald. Operndirektor Horst Kupich hat die Handlung aus dem Sevilla des 19.

Jahrhunderts ins mexikanisch-US-amerikanische Grenzgebiet der 1930er Jahre verlegt. In französischer Sprache mit deutschen Dialogen wird sie aufgeführt, mit Anna Wagner als Carmen. Musikalische Leitung: Golo Berg

• www.theater-vorpommern.de

Von Sybille Marx

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