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Grimmen Zur Arbeit ins eigene Wohnzimmer
Vorpommern Grimmen Zur Arbeit ins eigene Wohnzimmer
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12:58 01.02.2019
Das Wohnhaus von Ruth Diedrich (91) war früher auch ihre Arbeitsstelle. Ihr Großvater eröffnete 1895 eine Colonialwarenhandlung, die sie als Gemischtwarenladen weiterführte. 1960 zog die Handelskette „Konsum“ ein. Quelle: Dana Frohbös
Groß Bisdorf

 Ein kürzerer Weg zur Arbeitsstelle ist nicht vorstellbar – Ruth Diedrich konnte dafür sogar im eigenen Wohnhaus bleiben. „Mein Großvater eröffnete hier 1895 eine Colonialwarenhandlung“, sagt die mit 91 Jahren älteste Einwohnerin des Ortes. Sie selbst hat den Gemischtwarenladen dann von ihrer Mutter übernommen und bis 1960 weitergeführt. In Greifswald besuchte sie die Handelsschule. „Da kam dann Bürokratie auf und wir lernten Buchführung“, sagt sie. „Die Alten haben auch was aufgeschrieben, aber nicht in dem Maße, wie das gefordert war.“

1960 zog der Konsum in das Haus am Schulweg ein. Und auch dort war Ruth Diedrich als Angestellte tätig. 1990 war dann aber endgültig Schluss. „Die Leute waren motorisiert und wollten in größeren Läden mit mehr Auswahl einkaufen.“ Gleichzeitig war man aber auch wehmütig. „Als ich hier aufhörte, sagten mir die Leute, dass sie auch traurig sind“, sagt Ruth Diedrich. „Das geht doch nicht, dann trifft man sich ja gar nicht mehr“, hieß es.

Gute Nachbarschaft im Ort

Aber Ruth Diedrich ist immer geblieben und wohnt noch heute in dem Haus, in dem sie im März 1927 geboren wurde. Der ehemalige Gemischtwarenladen ist heute ihr Wohnzimmer. Dort strickt sie Strümpfe, die sie später verschenkt; oder sieht draußen vorm Fenster den Vögeln zu, die sie mit Körnern und Äpfeln gefüttert hat. „Das Vogelhaus hat noch mein Mann aus altem Material zusammengebaut“, sagt sie. Beim Stricken ist Ruth Diedrich etwas langsamer geworden. „Sonst habe ich ein Paar die Woche geschafft“, sagt sie. „Aber die Augen werden schlechter.“

Beim Handarbeiten denkt Ruth Diedrich auch immer wieder an die alten Zeiten zurück. In Groß Bisdorf ging sie zur Schule. „Wir waren drei Jahrgangsstufen und wurden alle zusammen in einem Raum unterrichtet“, sagt sie. Zu dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen, den sie 1947 heiratete. Einfach sei es damals nicht gewesen. „Die Kriegszeit war nicht schön und mein Mann kam aus der Gefangenschaft.“ Und dennoch: In Groß Bisdorf sei sie immer glücklich gewesen. „Ich habe hier immer in guter Nachbarschaft gelebt“, sagt die 91-Jährige.

Lesen Sie alle Teile der Serie:

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