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Grimmen Zustand der Griebenower Kapelle ist katastrophal
Vorpommern Grimmen Zustand der Griebenower Kapelle ist katastrophal
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09:00 24.01.2019
Die Schlosskapelle Griebenow Quelle: Nicole Kiesewetter-Müllejans
Griebenow

 An der Kapelle in Griebenow nagt der Zahn der Zeit – immens und unaufhörlich. Ohne eine umfangreiche Sanierung ist dieser denkmalgeschützte Fachwerkbau aus der Schwedenzeit nicht zu erhalten, wie Nicole Kiesewetter-Müllejans, Vorsitzende des Fördervereins „Kirchen und Kapellen der Kirchengemeinde Groß Bisdorf“, und Michael Markwardt vom Bauausschuss der Kirchengemeinde berichten.

Deutlich zu sehen: Einer der morschen Eichenholzstiele. Quelle: Anja Krüger

Enorm morsche Eichenholzstiele innen und außen, starke Risse in den mit Backsteinen ausgemauerten Ausfachungen, die Wände scheint nur noch ein sogenannter Ringanker zu halten: Der Sanierungsbedarf ist unübersehbar. Das Problem: Die Eichenholzstiele, insgesamt 15, haben eine statische Funktion. „Noch ist die Statik gegeben, wurde uns bescheinigt“, erzählt Michael Markwardt. Aber wie lange noch? „Wir haben im Jahr 2017 bereits ein Sanierungsgutachten erstellen lassen. Unterm Strich stehen darin an Kosten knapp eine Million Euro“, berichtet Nicole Kiesewetter-Müllejans. Sie geht aber davon aus, dass die Sanierung unter anderem aufgrund steigender Kosten in der Baubranche noch kostenintensiver wird.

Es ist ein ganz besonderer Kirchenbau, der in Griebenow auf eine Sanierung wartet. „Es gibt viele erhaltenswerte Kirchen. Abgesehen davon, dass es der einzige 15-seitige Bau des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises ist, ist diese Kapelle der einzige protestantische Kirchenbau in Vorpommern“, berichtet Nicole Kiesewetter-Müllejans. Hinzu käme, dass die Kapelle auch eine touristische Bedeutung hat. „Sie ist ein Teil des historischen Schlossensembles. Junge Paare, sowohl aus der Region als auch auswärtige, geben sich hier gern das Ja-Wort“, erzählt sie. Und so nutzen Förderverein und Kirchengemeinde jede erdenkliche Gelegenheit, wie den Tag des offenen Denkmals, um auf den Zustand des zwischen 1648 und 1654 errichteten Bauwerks aufmerksam zu machen.

Sanierungsarbeiten hat es bereits Ende der 80er Jahre gegeben, berichtet Michael Markwardt. „Diese galten aber vorrangig dem Dach mit einer Kupfereindeckung“, sagt er. Diese Arbeiten würden dem Bau heute zum Teil zugutekommen. „Wenn das Dach noch undicht wäre, würde es wohl noch schlechter um die Kapelle stehen“, erklärt er. Allerdings hätte die damalige Sanierung auch Maßnahmen enthalten, die aus heutiger Sicht eher falsch gewesen wären beziehungsweise hätten anders umgesetzt werden müssen. „Die Traufbleche stehen beispielsweise nicht weit genug über“, nennt Markwardt ein Beispiel. Die Folge: Das Regenwasser vom Dach tropft auf die hölzernen Gesichter unter dem Dachgesims – Fratzen, wie sie Nicole Kiesewetter-Müllejans nennt – und setzt auch den Eichenholzstielen stark zu.

Das Mauerwerk weist ebenfalls starke Schäden auf. Quelle: Udo Burwitz

Es muss also etwas passieren. Doch die Kosten können sich Förderverein und Kirchengemeinde, die eng zusammenarbeiten, selbst nicht stemmen. „Deshalb hoffen wir auf Fördermittel von Stiftungen. Das ist aber leider noch Zukunftsmusik“, sagt die Fördervereinsvorsitzende. Gerade erst habe sie einen Ablehnungsbescheid auf den Antrag auf Bundesmittel für die Groß Bisdorfer Kirche erhalten. Im Frühjahr 2017 begannen dort die Sanierungsarbeiten. Längst sollten die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis festgestellt wurde, dass das Dach undicht ist. „Ohne Reparatur können die Arbeiten nicht abgeschlossen werden. Gänzlich selbst bezahlen können wir die Reparatur nicht. Die 2015 bewilligten Fördermittel für die Sanierung müssen aber bis Ende 2019 abgerechnet werden“, erklärt sie das Problem, das zunächst aus der Welt geschafft werden muss. Und trotzdem bleibt sie optimistisch: „Ich sage ganz mutig, dass wir 2020 anfangen, die Sanierung der Kapelle in Griebenow anzugehen.“

Einziger 15-seitiger Bau des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises

Die Schlosskapelle Griebenow ist der einzige 15-seitige Bau des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Sie gehörte zum Gut von Schloss Griebenow.

In den Jahren 1648 bis 1654 wurde die Kapelle für Gerdt Anthon Rehnskiöld errichtet. Er wurde nach seinem Tod 1658 in der Familiengruft unter der Kapelle beigesetzt.

Das Fachwerkgebäude wird von 15 Eckständern aus Eichenholz getragen, die im oberen Teil mit grotesken Maskenköpfen verziert sind.

Die Innenausstattung stammt überwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Der Altaraufsatz und die Kanzel sind auf 1654 datiert.

Als Orgel dient ein Positiv, eine leicht versetzbare Orgel mit wenigen Registern, aus dem 18. Jahrhundert, das auf einer kleinen Empore steht.

Der Zugang zum Friedhof, der die Kapelle umgibt, erfolgt durch einen hölzernen Glockenstuhl, der wie die Kapelle in Fachwerkbauweise errichtet wurde. Dieser wurde 2013/2014 erneuert. Die Besucher der Kapelle müssen unter der auf 1655 datierten Glocke hindurchgehen. Eine zweite Glocke stammt ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

Anja Krüger

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