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Vorpommern OB-Ehefrau gründet mit Stralsunds größtem Baulöwen eine Firma
Vorpommern OB-Ehefrau gründet mit Stralsunds größtem Baulöwen eine Firma
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12:37 04.12.2018
Sandra Badrow und Fred Muhsal (l.) sind geschäftlich miteinander verbunden. Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU/ r.) sagt, dass das auf seine Entscheidungen keinen Einfluss habe. Quelle: Dietmar Lilienthal/Benjamin Fischer
Stralsund

Pikante Geschäftsbeziehung: Sandra Badrow, Ehefrau von Oberbürgermeister Alexander Badrow, unterhält gemeinsam mit dem Immobilieninvestor und Bauträger Fred Muhsal ein Unternehmen, das Pflegedienstleistungen anbietet und Kontakte zur Vermietung von Seniorenwohnungen vermittelt. Wie aus dem Unternehmensregister der Wirtschaftsauskunft Creditreform hervorgeht, ist die Kleeblatt Sund GmbH, wie die gemeinsame Gesellschaft konkret heißt, seit 24. August 2017 am Markt tätig.

Hauptgesellschafterin und Geschäftsführerin der Kleeblatt Sund GmbH ist Sandra Badrow. Sie hat sich mit 11 250 Euro an dem Unternehmen beteiligt. Muhsal verfügt dem Handelsregister zufolge über einen Anteil von 7500 Euro an der Mindesteinlage von 25 000 Euro, die für Gesellschaften in dieser Form gilt. Der Rest gehört einem dritten Gesellschafter, der ebenfalls als Geschäftsführer eingetragen ist.

Muhsal investiert seit Jahren in Stralsund so viel Geld wie kaum ein anderer Investor. Aktuell baut er an der Schwedenschanze eine Luxus-Marina mit 80 Ferienappartements und 33 Eigentumswohnungen. Fertiggestellt hat der frühere Stralsunder, der inzwischen in Waren lebt, ein Wohngebiet mit insgesamt 260 Wohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Bereitschaftspolizei im Stadtteil Andershof. Dort befindet sich auch der Sitz der Kleeblatt Sund GmbH.

Auf der Straßenseite gegenüber des Pflegedienst-Firmensitzes liegt die seit Monaten umstrittene 1,3 Hektar große Waldfläche, die auf Wunsch von Muhsal zum Großteil gerodet werden soll, um dort einen Aldi, einen Kindergarten und eine weitere Seniorenwohnresidenz bauen zu können. Das zuständige Forstamt lehnt eine Fällgenehmigung bislang allerdings ab. Auf den Kompromissvorschlag des Forstamtes, das Genehmigungsverfahren in zwei Teile zu splitten, um zumindest den dringend benötigten Kindergarten zügig bauen zu können, habe die Stadtverwaltung bisher aber nicht reagiert, sagte der Leiter des Forstamtes Schuenhagen, Andreas Baumgart, auf Nachfrage der OZ.

Die Pflege-Dienstleistungen werden in drei Häusern eines neuen Wohngebietes in Andershof angeboten.

Entsprechend der im Landeswaldgesetz von Mecklenburg-Vorpommern verankerten Vorgaben, sind die inzwischen auf dem Areal hochgewachsenen Bäume und Sträucher wegen ihrer Nähe zum Sundufer als Küstenschutzwald einzustufen. Das Gelände gehört Muhsal seit 2016. Zu diesem Zeitpunkt war die Fläche ähnlich zugewachsen wie heute. Badrow zieht gegen das Landeswaldgesetz bereits seit geraumer Zeit zu Felde. Würde das Land seinen Änderungswünschen an dem Gesetz folgen, würde die Fläche in Andershof nicht mehr unter den Schutz des Gesetzes fallen und könnte ohne ein Einverständnis des Forstamtes abgeholzt werden. Nach Angaben der Landesregierung habe Badrow ihr beziehungsweise dem nachgeordneten Forstamt erstmals im November 2017 und im Juli dieses Jahres über den Städte- und Gemeindetag erneut seine Änderungswünsche an dem Gesetz vorgelegt.

Der Oberbürgermeister wies eine mögliche Beeinflussung des Verfahrens in Andershof durch ihn aufgrund der unternehmerischen Nähe, die zwischen seiner Ehefrau und Fred Muhsal besteht, zurück. Allein, um den Anschein einer Interessenkollision zu vermeiden, habe er an der derzeit laufenden Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Areal nicht mitgewirkt. Badrow deutlich: „Ich habe mich da nicht reingehängt.“ Er beabsichtige auch weiterhin, dies nicht zu tun.

Sandra Badrow bestritt in einem gemeinsamen Gespräch mit ihrem Mann und der OSTSEE-ZEITUNG am Montag im Amtszimmer des Oberbürgermeisters, dass sie wirtschaftlich davon profitieren würde, wenn das Umfeld der Seniorenwohnanlage, die sie mit ihrem Pflegedienst betreut, durch die Ansiedlung eines Discounters infrastrukturell aufgewertet wird. Ihr zufolge würden einige ältere Menschen, die auf einen Rollator angewiesen seien, den Fußweg bis zum Real-Markt in der Tat nicht mehr schaffen. Deshalb biete sie einen Einkaufsservice an. Diese Dienstleistung würde wohl kaum noch nachgefragt werden, wenn es einen Discounter direkt vor der Tür gebe, sagte Sandra Badrow und setzte hinzu: „Dann gehen die Leute zu Aldi an die Tiefkühltheke und bereiten sich das Essen in der Mikrowelle selbst zu.“

Die OB-Gattin wies zugleich eindringlich daraufhin, dass sie wegen der Position ihres Mannes große Probleme habe, sich als Juristin beruflich angemessen zu verwirklichen. Außerdem habe Fred Muhsal keine Möglichkeit, ihren Mann bei Verfahrensentscheidungen im Baubereich unter Druck zu setzen. „Die Hauptgesellschafterin bin ich.“

Merkwürdig: Obwohl Sandra Badrow betonte, dass ihre Kleeblatt Sund GmbH ausschließlich Pflegedienstleistungen anbiete, was mit den Angaben im Handelsregister übereinstimmt, wird auf Infoflyern und auf einem großen Werbeschild zur Unterstützung der Vermarktung der Wohnungen selbst, ihr Unternehmen als einzige Kontaktadresse angegeben. Im Hintergrund steht aber eine Berliner K&K Objektservice und Gebäudemanagement GmbH hinter den Mietverträgen für die einzelnen Wohnungen. Und die gehört Manuela Muhsal – der Ehefrau von Fred Muhsal.

Benjamin Fischer

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