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Ribnitz-Damgarten Mehr als 1200 Besucher bei Kammermusiktagen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mehr als 1200 Besucher bei Kammermusiktagen
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15:37 28.10.2018
In der Strandhalle musizierte Cristian Niculescu  zur Geschichte „Der kleine König, der zwei Kronen hatte“, die Schauspielerin Iris Radunz vorlas. Quelle: Elke Erdmann
Ahrenshoop

Furios, vielgriffig und „vielsaitig“ begann in Ahrenshoop das Eröffnungskonzert der diesjährigen Kammermusiktage im Hotel „The Grand“. Das Gitarrenquartett „Quatuor Eclisses“ aus Paris ehrte in seinem Programm besonders den Komponisten Claude Debussy zum 100. Todestag mit dessen impressionistischem Werk „Suite Bergamasque“. Eigentlich als Klavierstück mit Jugendstilelementen komponiert, hatten die Musiker es zum Gitarrenquartett transponiert.

Impressionen von den Kammermusiktagen in Ahrenshoop.

Mit dem Kammerkonzert Bach 333 I gab es am 21. Oktober in der Seemannskirche Prerow gleich zwei Höhepunkte zu feiern: 1848, vor 170 Jahren, wurde die Orgel von der Firma Nerlich aus Stralsund gebaut. Und genau vor 333 Jahren kam Johann Sebastian Bach zur Welt. Präludium und Fuge Nr. 2 c-Moll interpretierte an der „Geburtstagsorgel“ Cristian Niculescu, der künstlerische Leiter der Kammermusiktage. Omar Massa am Bandoneon, Viktor Maximov, Gitarre, und Janne Saksala, Kontrabass, nahmen die Besucher virtuos auf eine musikalische Reise in die heutige Zeit. Man konnte nicht glauben, dass sich die Musiker zuvor nicht kennengelernt hatten. Das Bandoneon führte zügig durch die Taiga. Im Hotel „The Grand“ lief atemberaubend der Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“, von Sergei Eisenstein 1925 in Szene gesetzt. Die Filmmusik komponierte der aus Allentown (USA) stammende Chris Jarrett.

Er setzt lautstark am Flügel ein, spielt, immer den Blick auf die Leinwand gerichtet. Der Film beginnt mit dem tosenden Meer 1905 im Hafen von Odessa. Leise Musik, als unzählige Matrosen dicht an dicht in Hängematten schlafen. In den Fleischkeulen an Bord tummeln sich Maden. „In Japan werden die russischen Gefangenen besser versorgt als wir“, sagt ein Matrose. Es kommt zur Meuterei, die Chris Jarrett dramatisch begleitet. Wakulintschuk, der Anführer, wird erschossen. Als die Menge an Land an dem Toten vorbeidefiliert, klingen die russische Nationalhymne und das Arbeiterkampflied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ an. Unvergessen bleibt die Szene mit einem Säugling im Kinderwagen, der die Stufen zum Hafen hinunterrollt.

Als solle der Flügel bersten

Der Pianist spielt, als wollte er den Flügel zum Bersten bringen. Später, zum Jazzkonzert, improvisiert Chris Jarret bisher „unerhörte“ Musik. Er musiziert eruptiv, rasante Läufe und lautstarke wiederkehrende Akkorde. Konzertbesucher Jochen Denzin, der auf dem Fischland und in Berlin lebt, sagte: „Seinen gequälten Partner, den Flügel hat er in seinem Stück ‚Foam‘, Schaum, nicht nur von Herz bis Bauch abgeklopft, sondern ihm auch in die Saiten gegriffen.“

Berührend und bewegend erklang das Konzert im Kunstmuseum. Weil Hannah Strijbos, Viola, zu ihrem sterbenden Vater eilen musste, spielten Bukhard Maiss, Violine, und Bogdan Jianu, Cello, im Duo mit einem geänderten Programm. So kam das Publikum in den Genuss des Stückes „Grand Duo“ des jüdischen Cellisten und Komponisten Pál Hermann, dessen Spur sich nach dem Internierungslager im französischen Drancy 1944 in Estland verlor. Im Hotel „Fischerwiege“ hieß es „Bühne frei“ für das Abschlusskonzert der Internationalen Meisterklasse mit Professor Janne Saksala. Von der zauberhaften Zsuzsa Bálint am Flügel begleitet, zeigten „nach vier schönen Probetagen“ in der Strandhalle, acht Kotrabassisten nacheinander, was sie gelernt hatten und musizierten dann gemeinsam das ins Mark treffende Stück „Circe“ von Stefan Schäfer (1963).

Beliebtes Kinderkonzert

Nach einem großartigen „Klavierabend Debussy“ zu vier Händen und für zwei Klaviere mit Zsuzsa Bálint und Cristian Niculescu spielte der künstlerische Leiter am Flügel in der Strandhalle für Kinder zur Geschichte „Der kleine König, der zwei Kronen hatte“, die Schauspielerin Iris Radunz vortrug. Im Literaturkonzert die „Jahreszeiten“ gelingt es dem Wiener Felix Römer, die Urgewalt der Berliner Schaubühne, mit Dichterworten die Jahreszeiten bildlich vorzuführen. Stimmungen, Hörfreuden folgen besonders bei Anton Dvořák in der Fassung für Flöte mit Gili Schwarzman, Violine mit Guy Braunstein, Janne Saksala am Kontrabass und Cristian Niculescu am Flügel.

Jurist Martin Wiemann, Vorsitzender von der Kulturstiftung Ahrenshoop, zeigte sich nach 14 Konzerten mit mehr als 1200 Besuchern sehr zufrieden. „Wir kommen ans Meer nach Ahrenshoop, weil es nicht nur ein wunderbarer Ort für Maler ist, die ihn bekannt gemacht haben. Wir geben Musikern aus aller Welt die Möglichkeit, ihre Talente zu zeigen und freuen uns, wenn sie die Besucher glücklich machen.“

Elke Erdmann

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