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Ribnitz-Damgarten 2,22 Millionen für den Barther Papenhof
Vorpommern Ribnitz-Damgarten 2,22 Millionen für den Barther Papenhof
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00:00 06.02.2018
Die mittelalterliche Dachkonstruktion ist noch heute erhalten. Genau wie eine Fensterzarge und ein Kamin aus der Zeit der Renaissance.

Der Papenhof wurde gebaut, da hatte Christoph Kolumbus noch nicht einmal Amerika entdeckt, das war 1492. In den kommenden drei Jahren wird er aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, denn als eines der wichtigsten Leader-Projekte in ganz Nordvorpommern gab es nun einen Bewilligungsbescheid über insgesamt 750 000 Euro. Auch die Mittel des Bundes, für die Eckhardt Rehberg (CDU) und Sonja Steffen (SPD) sich einsetzten, sind bewilligt. 1,47 Millionen Euro können so noch einmal zusätzlich investiert werden und den historischen Bau in ein ganz besonderes Museum verwandeln. Aktuell wird gemeinsam mit einem Gestaltungsbüro aus Berlin am Ausstellungskonzept gearbeitet, das Ende Februar fertig gestellt sein wird.

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Die Mittel stehen bereit: Noch in diesem Jahr Baubeginn am ältesten Profangebäude der Stadt.

In den vergangenen fünf Jahren untersuchte Bauforscher und Archäologe Torsten Rütz aus Greifswald den Papenhof und machte erstaunliche Entdeckungen. „Auch für so einen Forscher war das ein Paradies, so etwas sieht nicht einmal ein Experte oft“, sagt Dr. Gerd Albrecht, Leiter des Vineta-Museums – zum Beispiel ein Kamin und eine Fensterzarge aus der Renaissance. Dabei wussten die Historiker schon im Vorfeld viel über den ältesten erhaltenen Profanbau zwischen Rostock und Stralsund. 1388 wird der Papenhof erstmals erwähnt. Doch wissenschaftlich bewiesen ist, dass der Bau aus dem Jahre 1480 stammt. Als ein sechs Meter breites und 22 Meter langes Giebelhaus wurde es für die Priestergemeinschaft, die Kaland-Bruderschaft, errichtet. In Mecklenburg und Vorpommern ist es das einzige gut erhaltene Haus dieser Bruderschaft. Hier trafen sich Priester und tauschten sich aus, hier lebten die ärmsten ihres Standes. Später zogen die Landräte hier ein. Noch später wurde er von Bürgermeistern und Ärzten bewohnt. Im Allgemeinen dokumentiert der Papenhof über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren spätmittelalterliches Geistesleben, höfisches Leben in der kleinen pommerschen Residenzstadt und städtisches Wohnen abseits der Hansestädte.

Nachdem nun die Finanzierungsfrage geklärt ist, hegt Gerd Albrecht nur noch einen großen Wunsch: „Ach, könnten diese Mauern reden.“ Doch er hat sich vorgenommen, sie wieder zum Sprechen zu bringen, indem er eine besondere Ausstellung in die Räume bringt. Ein steinerner Gedächtnisort, der zeigt, wie eng Barth doch mit der Weltgeschichte verwoben ist und, laut Albrecht, nichts mit einem Barther Pinkel-Pott-Museum zu tun haben wird.

An den noch unrestaurierten Wänden im Papenhof ist 500-jährige Geschichte auf einen Blick zu erkennen: neben einem mittelalterlichen Holzbalken und einer Rankenmalerei finden sich Ausmalungen aus der Zeit der Renaissance, des Barock und des Klassizismus. Abgerundet wird das ungewöhnliche Bild von einer grünen Tapete aus DDR-Zeiten und Resten mehrerer Bravo-Poster, denn das Haus war noch bis in die 1990er Jahre bewohnt.

Das Museum soll beispielsweise die Zeit beleuchten, in der der Theologe Johann Joachim Spalding (1714 bis 1804 ), ein Freund Lessings und Beichtvater Friedrich des Großen, seine Aufklärungstheorien in Barth durchdachte und einen Bestseller des 18. Jahrhunderts verfasste. Er ging nicht nur im Papenhof ein und aus, sondern beeinflusste mit seinem Denken auch den Maler und Publizisten Johann Heinrich Füssli (1741 bis 1825), der wurde nicht nur zum gefeierten Maler, sondern auch als Übersetzer mehrerer Shakespeare-Dramen bekannt. Beide verbrachten viel Zeit in Barth. „Die Aufklärung ist auch in Barth entstanden, unter anderem im Papenhof“, betont der Museumsleiter, der genau diese Bedeutung der Stadt am Bodden wiederbeleben möchte. „Denn nur dann, wenn wir die Geschichte verstehen, werden wir die Kraft haben, in Zukunft richtige Entscheidungen zu treffen.“

Morgen: Vortrag im Museum

Morgen um 19 Uhr hält Dr. Gerd Albrecht im Vineta-Museum einen Vortrag über die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung der vergangenen fünf Jahre. Der Leiter des Vineta-Museums spricht über das älteste Profangebäude, also das älteste nicht-geistliche-Haus der Stadt. Unter dem Namen „Ein Haus mit Geschichte (!) und Zukunft (?)“ lädt der Förderverein des Vineta-Museums sowie die Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst im Rahmen des Kultursalons herzlich zu dem unterhaltsamen und informativen Abend ein.

Carolin Riemer

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