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200 Rostocker erinnern an ermordeten Mehmet Turgut

Rostock 200 Rostocker erinnern an ermordeten Mehmet Turgut

Rund 200 Rostocker haben sich gestern im Neudierkower Weg versammelt, um mit einer Kundgebung an das Mordopfer Mehmet Turgut zu erinnern. Der damals 25-jährige Türke Turgut war am 25. Februar 2004 von der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in einer Imbissbude in dieser Straße erschossen worden.

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Rund 200 Demonstranten gedachten gestern im Neudierkower Weg des 2004 ermordeten Mehmet Turgut.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Zur Kundgebung aufgerufen hatte das Bündnis „Erinnern Verantworten Aufklären“. In ihm sind unter anderem der Verein „Bunt statt Braun“, der Migrantenrat der Hansestadt, die Grüne Jugend und die DGB-Jugend vereint.

„Ich freue mich, dass so viele Rostocker unserem Aufruf gefolgt sind“, sagte Imam-Jonas Dogesch vom Rostocker Migrantenrat. Neben der Forderung an das Land, auch in Mecklenburg-Vorpommern einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, kritisierte er heftig, dass immer noch unklar sei, wie die Stadt an Turgut erinnern wolle. „Dass die Stadt selbst nach über einem Jahr Diskussion keine Ergebnisse vorlegen kann, wie ein Gedenken aussehen soll, ist beschämend“, erklärte Bündnissprecher Christoph Schützler.

Steffen Bockhahn, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Rostock, erinnert daran, dass die Stadt gemeinsam mit der Bürgerschaft eine Arbeitsgruppe gegründet habe, die sich mit der Form des Gedenkens beschäftigen solle. Das sei richtig und notwendig, so Bockhahn. Allerdings gebe es die Absprache, dass jede Kommune, die ein Opfer des NSU zu beklagen habe, an der Stelle des Verbrechens einen Gedenkstein aufstelle. „Dortmund und Heilbronn haben das längst getan, nur der OB als Chef der Verwaltung blieb bisher untätig“, kritisiert Bockhahn Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) direkt.

Doch der weist die Kritik vehement zurück: „Herr Bockhahn müsste es besser wissen: Ich habe von Anfang an befürwortet, die Straße nach Mehmet Turgut zu benennen und einen Gedenkstein zu setzen. Bei den Ortsbeiräten fanden sich jedoch leider zunächst keine Mehrheiten.“

Methling verweist darauf, dass auch die Rostocker Bürgerschaft die von den Oberbürgermeistern der betroffenen Städte abgegebene Erklärung bestätige und dann beschlossen habe, diese Fragen in einem Arbeitskreis zu beraten. „Ich bin optimistisch, dass es in Kürze gelingen wird, dazu einen von einer Mehrheit in der Bürgerschaft getragenen Vorschlag zu erarbeiten. Ich persönlich halte das nach wie vor für dringend geboten“, betont Methling, dass er sich für einen angemessenen Ort des Gedenkens einsetze.

Bei der gestrigen Kundgebung erklärte Maximilian Schneider vom Bündnis, dass man unabhängig vom Gedenken für Turgut vom Land Aufklärung erwarte, ob es eine Verbindung der NSU zu Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern gegeben habe.

Per Zufall Opfer geworden
Der damals 25-jährige Mehmet

Turgut wurde am 25. Februar 2004

in einer Imbissbude im Neudierkower Weg erschossen. Er war nur zufällig

in dem Imbiss, denn er hat an dem

Tag einem Freund ausgeholfen.


Die Ermittler hielten jahrelang an der These fest, das Verbrechen habe etwas mit organisierter Kriminalität — besonders im Rauschgiftbereich — zu tun.

Turgut war das

fünfte von insgesamt zehn Opfern der

neonazistischen

Mordserie. Die

Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach erschossen, Beate Zschäpe stellte sich der Polizei.

Thomas Sternberg

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