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Ribnitz-Damgarten 23-Jähriger tötet seinen Hund, weil er ihm zu lästig war
Vorpommern Ribnitz-Damgarten 23-Jähriger tötet seinen Hund, weil er ihm zu lästig war
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00:00 22.05.2013
... Olivia Ehling , Tierschutzverein Vorpommernsche Boddenlandschaft. Quelle: OZ
Ribnitz-Damgarten

Weil einem 23-Jährigen sein Hund nach eigenen Aussagen lästig geworden war, entschied er sich, das Tier zu töten. Das brachte den jungen Barther gestern als Angeklagten vor Gericht. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Gemeinsam mit seinem Freund Emil W. ist er laut Anklage nach Barth Süd in den Wald gegangen. Dort habe W. dem Spitz dann das Genick gebrochen. Beide hätten das Tier im Anschluss vergraben.

„Ich wollte den Hund loswerden“, gab Ronny Z. gestern vor dem Amtsgericht in Ribnitz-Damgarten zu. Der Mitangeklagte Emil W. war nicht erschienen. Das Verfahren muss deshalb gesondert verhandelt werden. „W. kam auf die Idee, den Hund zu töten. Ich wollte das erst nicht, aber er fing immer wieder damit an“, erklärte der Angeklagte. Das Tier habe ihm und seiner Ex-Freundin gehört. Nach der Trennung im Jahr 2012 habe der Hund bei dem Angeklagten gelebt. „Ich habe niemanden gefunden, der den Hund will und überall gefragt. Meine Ex-Freundin wollte ihn auch nicht“, sagte Ronny Z. „Deshalb habe ich den Vorschlag von W. dann doch angenommen. Ich habe erst zwei Tage danach realisiert, was ich eigentlich getan habe.“ Freunde hätten sich von ihm abgewandt, als sie von der Tat erfuhren.

„Warum haben Sie den Hund nicht ins Tierheim gegeben?“, fragte Richter Chris Neumann den Angeklagten. „Ich bin arbeitslos und wusste nicht, ob das vielleicht auch Geld kostet“, versuchte dieser sein Verhalten zu erklären. Neumann hakte gleich nach. „Dann hätten Sie ihn doch im Notfall zumindest dort anbinden können, anstatt ihn zu töten.“ Ronny Z. erwiderte: „An diese Möglichkeit habe ich überhaupt nicht gedacht“.

Unerwartet kulant zeigte sich zunächst Staatsanwalt Schlicht, der vorschlug, das Verfahren einzustellen. „Ich bin kein großer Katzen- und Hundefan.“ Richter Neumann blockte sofort ab. „Das spielt keine Rolle. Eine Einstellung des Verfahren ist in diesem Fall nicht möglich“, erklärte der Richter. Neumann verhängte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen von je zehn Euro, also eine Gesamtstrafe von 300 Euro. „Alternativ können Sie auch 180 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten“, erklärte Neumann und begründete sein Urteil: „Es hätte verschiedene Alternativen gegeben, den Hund loszuwerden. Er war auch nicht krank.“ Mildernd habe sich jedoch die Tatsache ausgewirkt, dass Ronny Z. bislang noch nicht auffällig gewesen sei. Auch Staatsanwalt Schlicht bewertete es positiv, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist. „Es gibt zu viele Tiere, die lieblos behandelt werden. Wenn man kein großer Hunde- und Katzenfan ist, sollte man sich so ein Tier gar nicht anschaffen.“ Dann habe man auch nicht das Problem, dass man nicht wisse, wie man es wieder los werde.

Serie

Gerichtsbericht

Heute aus dem Ribnitzer

Amtsgericht:

Verstoß gegen

Tierschutz

Tierschutz in der Region
Der Tierschutzverein Vorpommernsche Boddenlandschaft ist für die Region Ribnitz-Damgarten, Marlow, Barth, Fischland-Darß zuständig.


Ansprechpartner sind Olivia Ehling (☎ 0162/198 67 94) und Thomas Grabarczyk (☎ 0174/982 67 03).


Weitere Informationen zu dem Verein gibt es im Internet unter

www.tierschutz-vr.de

DREI FRAGEN AN...

1Welche Möglichkeiten hat man, wenn man sein Tier abgeben möchte?
Es gibt ganz viele Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel eine Anzeige in die Zeitung oder ins Internet setzen. Wenn man keinen Besitzer findet, kann man sich an den nächsten Tierschutzverein oder ans Tierheim wenden.

2Muss ich etwas bezahlen, wenn ich meinen Hund oder meine Katze im Tierheim oder beim Tierschutzverein abgebe? Normalerweise schon. Aber wenn jemand aus sozial schwachen Verhältnissen kommt, gibt es immer eine Lösung. Wir würden niemanden wegschicken.

3Was raten Sie Leuten, bevor diese sich ein Tier anschaffen? Man sollte sich auf jeden Fall vorher informieren, was auf einen zukommt. Bei uns kann man zum Beispiel mit Hunden Gassi gehen und den Alltag mit dem Tier kennenlernen.

Anika Hoepken