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Ribnitz-Damgarten 60:40 und eine Benzinkanister-Gitarre
Vorpommern Ribnitz-Damgarten 60:40 und eine Benzinkanister-Gitarre
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05:50 15.09.2018
Zurück in die Vergangenheit: Die „Tempis“ auf der Bühne des Sportpalastes mit Siggi Scholz (v.l.), Kurt Loose, Klaus „Emil“ Baumann, Uwe Gräber und Manfred „Johnny“ Lehmann. Quelle: Robert Niemeyer
Ribnitz-Damgarten

Ein Stück Ribnitz-Damgartener Musikgeschichte: Ein bisschen heimlich, aber keineswegs still oder leise hat sich am Freitag im Sportpalast in Ribnitz eine Band zusammengefunden, die ab Ende der 1950er-Jahre bis weit in die 1960er-Jahre hinein in der Bernsteinstadt für Furore gesorgt hat und weit über ihre Grenzen hinaus bekannt geworden ist. Die „Tempis“. Eine Reise in eine Zeit, in der das Ribnitzer Stadtkulturhaus bei Konzerten aus allen Nähten platzte, Gitarren aus Benzinkanistern gebaut wurden und der Staat penibel auf die Titelliste schaute.

Sänger in Badewannen und Staatsbedienstete mit Tonbandgeräten: Als die „Tempis“ Ribnitz-Damgarten rockten.

Es begann im FDJ-Clubhaus

Natürlich standen, mehr als 60 Jahre nach der Gründung, die „Tempis“ bei ihrer kleinen Wiedervereinigungs-Feier auch noch einmal gemeinsam auf der Bühne. „Ein herrliches Gefühl. Als wäre es gestern gewesen. Als wenn wir nie auseinander gewesen wären“, sagte Uwe Gräber, damals Schlagzeuger der Band. Der heute 77-Jährige ist eines der Gründungsmitglieder der „Tempis“.

Er und Manfred „Johnny“ Lehmann hatten 1957 eine Schulband gegründet, aus der die Band kurze Zeit später entstand. „In einem FDJ-Clubhaus in der August-Bebel-Straße haben wir angefangen“, erinnert sich Klaus „Emil“ Baumann. In Eigenregie statteten die Bandmitglieder den Raum aus. „Zuerst sollten wir noch Blauhemden tragen. Dagegen haben wir uns gewehrt. Nach zwei Wochen wurde das dann akzeptiert“, so der heute 79-Jährige. Nonkonformität gehörte dazu, musste sein.

Der Staat schnitt mit

Auch bei der Auswahl der Titel. 60:40 lautete die Regel, 60 Prozent DDR-Musik, 40 Prozent Musik aus dem Westen war erlaubt. Natürlich hielten sich die „Tempis“ nicht daran. Doch der Staat hörte und schnitt die Konzerte mit. „Der Mann mit dem Tonbandgerät war leicht zu erkennen. Es war immer der Tisch mit der längsten Tischdecke, unter der das Aufnahmegerät versteckt war. Und er saß immer da, wo die Steckdose war“, so Baumann. Eine „kreative Stärke“ der Band war zudem, Songs aus dem Westen mit einem anderen Text zu versehen.

Ihr erstes Konzert außerhalb des FDJ-Clubs gaben die Tempis 1958 im Faserplattenwerk in Ribnitz. Die Bekanntheit und Beliebtheit wuchs. Bis zu 300 Auftritte pro Jahr wurden es im Laufe der Zeit, bis zu drei pro Tag, ein Pensum, das heutzutage wohl auch Profis an ihre Grenzen bringen würde. Und das für 100 Mark pro Mucke für die ganze Band. „Wir waren jung, wir konnten das ab“, sagt Siggi Scholz (Gitarre und Klavier). Der 76-Jährige steht noch heute mit der bereits zu DDR-Zeiten erfolgreichen Band „Transit“ auf der Bühne.

Immer eine Show

„Ob Stadtkulturhaus oder Sportpalast, es war immer voll“, sagt Scholz. Hauptsächlich zwischen Rostock und Stralsund unterwegs, wurden die „Tempis“ auch nach Berlin oder Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) eingeladen. In Rostock spielten sie vor fast 5000 Menschen.

Und die Konzerte lohnten sich. „Wir haben eine richtige Show gemacht“, sagt Siggi Scholz. Da wurde Sänger Klaus Baumann in einer Badewanne auf die Bühne geschoben. Legendär: Baumanns selbst gebaute Gitarre aus einem Griffbrett und einem Benzinkanister. „Der wurde mit Bier gefüllt. Das gab einen besonderen Klang. Und am Ende haben wir den Verschluss geöffnet und einen Schluck genommen. Die Leute haben gegrölt“, erinnert sich Baumann.

Bis etwa 1968 rockten die „Tempis“ die Region, dann zogen Studium und Ausbildung die Band auseinander, ohne aber dass sich die Bandmitglieder aus den Augen verloren hätten. Uwe Gräber: „Einer war für den anderen da. Wir waren gute Freunde und sind es immer noch. Sonst würden wir heute nicht hier sitzen.“

Niemeyer Robert

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