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Ribnitz-Damgarten Als noch mit Dampf die Hupe tönte
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Als noch mit Dampf die Hupe tönte
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00:00 15.06.2013
Siegmar Goretzki lässt die Kinder an einem Drehkranz das Schwungrad der Maschine starten.
Barth

Nicht jeder Gag funktioniert. Die alte Geschichte über die Dampfmaschine aus dem Filmspektakel „Die Feuerzangenbowle“ sagt Kindern aus einer zweiten Klasse nichts. Doch spätestens wenn sie die mit Dampf betriebene Signalhupe betätigen dürfen, sind sie doch voll eingetaucht in die Wunderwelt der Dampfgeräte.

Zuständig für diese von außen eher unscheinbare Ansammlung von historischen Attraktionen sind die engagierten Männer der Interessengemeinschaft Barther Dampfmaschinen. Sie empfingen vor zwei Tagen Besuch von Mädchen und Jungen der Prerower Schule. „Leider ist das Interesse bei unseren hiesigen Schulen eher gering“, beklagt Siegmar Goretzki, der Leiter des Vereins. Dabei kann man dort, wo 99 Jahre lang Rohzucker produziert wurde, bevor 1991 die Treuhand das Licht ausknipste, in einem kleinen Gebäude wahre Schätze der Ingenieurskunst bewundern. Im Mittelpunkt: Die Generatordampfmaschine der ehemaligen Zuckerfabrik. 1925 wurde die Maschine gebaut und diente bis zum Ende des Werkes der Erzeugung von elektrischem Strom. Zu sehen — zumeist in Funktion — sind aber auch zwei Lokomobilen und verschiedene Werkstattmaschinen einschließlich einer Transmission.

1992 begann der Abriss der Zuckerfabrik, vor der Zerstörung konnte das Dampfmaschinenhaus noch bewahrt werden. Doch jahrelang tat sich dann nichts. 1999 trafen sich Interessenten, die diese technischen Denkmale retten wollten, zwei Jahre später konnte der Verein gegründet werden. Seitdem werkeln Siegmar Goretzki und seine einsatzbereiten Mitstreiter, arbeiten Maschinen auf, konstruieren Modelle, führen Besucher durch die Ausstellung.

Die Schüler aus Prerow staunten mächtig. Es war eine Begegnung mit der technischen Vergangenheit, die heutzutage woanders so detailliert kaum noch möglich ist. Und so nebenbei hörten sie von einem Film, bei dem sich Opa und Papa schief gelacht haben sollen: „Da stelle mer uns mal janz dumm.“

• Internet:

www.barther-dampfmaschinen.de

Ne große schwarze Raum
950 PS leistete die Generatordampfmaschine der ehemaligen Zuckerfabrik Barth. Gebaut wurde das technische Wunderwerk im Jahr 1925.

7Vollmitglieder sowie weitere fördernde und Ehrenmitglieder kümmern sich in der Interessengemeinschaft um die Geräte.

Zum Vereinstreff wird an jedem zweiten Dienstag um 19 Uhr in die Gaststätte „Vinetablick“ eingeladen.

Dat eine Loch, da kömmt der Dampf rein.“Aus dem Film

„Die Feuerzangenbowle“

Hans-Joachim Meusel