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Ribnitz-Damgarten Altlasten unterm Plattenbaudach
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Altlasten unterm Plattenbaudach
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00:00 09.03.2013
Am Donnerstag versperrte ein Kran die Stra�e.

BarthDas machte Angst: Männer in weißen Schutzanzügen und mit Masken vorm Gesicht agierten am Donnerstag auf dem Dach eines Blocks in der Bertolt-Brecht-Straße. Ein Kran versperrte den Fahrdamm. Die OSTSEE-ZEITUNG befragte den Wobau-Geschäftsführer nach dem Grund der Aktion:

OZ: Schon Tage zuvor war Bewegung auf den Dächern zu sehen, große weiße Taschen lagerten dort. Was geschah?

Jens Scheyko: Die Erklärung liegt unter der Dachhaut. Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Barth als Eigentümerin der betroffenen Liegenschaften erhielt vermehrt Meldungen über Feuchtigkeitsprobleme in den Wohnungen der obersten Stockwerke. Alarmiert durch die Häufung der Fälle, suchten wir nach der Ursache und stellten fest, dass die auf dem Dach befindlichen Rohrentlüfter der Sanitärstränge im Zuge der damaligen Sanierung nicht ordnungsgemäß angeschlossen und abgedichtet worden sind. Als Folge daraus drang Feuchtigkeit ein, sammelte sich über die Jahre im Dämmmaterial und trat nunmehr partiell durch die Decke in die Wohnungen.

OZ: Was unternahm die Wobau?

Scheyko: Ich veranlasste umgehend alle notwendigen Arbeiten. Noch nichtsahnend begannen die Maßnahmen zur Erneuerung der gesamten Dämmung. Beim Entfernen der bisherigen Dämmschichten erwartete die Beteiligten aber eine neue unangenehme Überraschung. Es stellte sich heraus, dass Altmaterialien, die als Sondermüll gelten, im Zuge der angeblich umfangreichen Grundsanierung Anfang der 90er-Jahre nicht ordnungsgemäß entfernt und entsorgt worden sind. Die Mitarbeiter des Entsorgungstrupps mussten sich jetzt somit beim Abtransport der riesigen Big Bags entsprechend der geltenden Bestimmungen schützen. Ich möchte mich ganz besonders für die große Unterstützung bei den Umweltdiensten Barth bedanken, die kurzfristig halfen.

OZ: Ist solch Sanierungsfehler nur in Barth passiert?

Scheyko: Unsere Recherchen ergaben, dass im Land viele Eigentümer von Häusern in gleicher Bauweise von diesem Problem betroffen sind. Ein Trost ist dies nicht, handelt es sich doch um Arbeiten, die für die örtliche Wohnungsbaugesellschaft nicht vorhersehbar und finanziell eingeplant waren. Die Baumaßnahme mit einem enormen Kostenaufwand verbunden.

OZ: Bestand für die Mieter eine gesundheitliche Gefahr?

Scheyko: Nein. Das Altmaterial war ja die frühere Isolierung.

OZ: Kann man die Verantwortlichen der damaligen Sanierung haftbar machen?

Scheyko: Wohl kaum. Die Fristen sind abgelaufen.

Hans-Joachim Meusel

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