Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten „Am Berg trennt sich die Spreu vom Weizen“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Am Berg trennt sich die Spreu vom Weizen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 22.04.2013
Sieger bei den Senioren im Bergkriterium: Andreas Huth (Mitte) vor Frank K�hn (l.) und Torsten Kunat, der sp�ter noch Gesamtsieger wurde. Quelle: Volker Stephan
Marlow

Hunderte Radsportler aus ganz Deutschland freuten sich am Wochenende in Marlow über bestes Wetter. Auf den anspruchsvollen Rennstrecken des Scanhaus Cups mussten sich die Teilnehmer allerdings regelrecht abschindern. Besonders hatte es die Bergprüfung am Sonnabendnachmittag in sich: Jede der 1,3 Kilometer langen Stadtrunden wurde von einer schwierigen Steigung mit holprigem Kopfsteinpflaster gekrönt. Zog sich das Fahrerfeld beim Senioren- und Jedermannrennen relativ rasch auseinander, bildeten die 45 gut trainierten Lizenzfahrer für längere Zeit einen großen Pulk. Wenn der mit fast 42 Stundenkilometer und nur wenige Zentimeter von den Absperrungen entfernt vorbeischoss, bekamen auch die Zuschauer den Fahrtwind zu spüren.

Aber auch beim Jedermannrennen gaben alle ihr Bestes: Besonders schwer fiel der Wettkampf wohl Silvio Zippan (40) aus Barth, der als einziger Teilnehmer aus der Region an den Start ging. Weil es sein erstes Radrennen überhaupt war, wusste der Barther nicht genau, was ihn erwarten würde. Obwohl ihn die Spitze irgendwann überrundete, setzte er das Rennen ohne sichtbare Ermüdungserscheinung unbeirrt fort. Am Ende reichte es für den 22. Platz unter 26 Startern. „Das war heftig“, lauteten seine ersten Worte nach der Zieleinfahrt, als er wieder etwas Luft bekam. „Wenn ich die nötige Zeit zum Trainieren finde, werde ich wieder in Marlow starten.“

Ganz oben auf dem Treppchen stand nach der Bergprüfung der Senioren Andreas Huth (44) aus Jena, der sie schon 2012 gewonnen hatte. „Es ist ein anspruchsvolles Rennen, deshalb bin ich auch in diesem Jahr wieder hier.“ Er verspüre zwar Schmerzen in den Beinen, doch würden die wohl eher vom Fliesenlegen auf der heimischen Hausbaustelle herrühren, meinte er. Ein Rückstand von vier Sekunden beim Straßenrennen über 61.5 Kilometer warf ihn am Sonntag in der Gesamtwertung zurück auf Rang 7. „Auf der langen Strecke gibt es keine Berge, an denen eine Selektion der Fahrer stattfinden könnte“, hatte er zuvor erklärt, „sollten sich zu viele Teilnehmer gleichzeitig dem Ziel nähern, werde ich mich zurückhalten.“

„Beim Start und auf der Marlower Zielgeraden trennen sich Spreu und Weizen“, sagte der Olympiasieger und Bahnrad-Weltmeister Stefan Nimke. Mit seiner Tochter Charlotte (8) hatte er am Familienrennen teilgenommen, das er vor zwei Jahren selbst initiiert hatte. Charlottes ältere Schwester Luisa (10) hatte dagegen keine Lust verspürt, sich aufs Rad zu schwingen. „Das hat ihr später, als sie die tollen Preise sah, sehr leid getan“, verriet der Vater. Während ihrer Ostseetour im Sommer werde aber die ganze Familie in die Pedale treten, versicherte er. „Wir nehmen in den Seitentaschen alles mit, was wir im Urlaub benötigen — übernachtet wird in Pensionen. Tagesetappen von 30 Kilometern sind für die Kinder nicht zu viel.“

Und auch den Promis unter den Teilnehmern gab der Radprofi einen wichtigen Tipp: „Fahrt trotz der starken Steigung der Zielgeraden nicht im Stehen. Auf dem Kopfsteinpflaster könnten die Fahrräder springen und es besteht Gefahr, von den Pedalen abzurutschen.“ An dem Prominenten-Rennen beteiligten sich am Sonntagvormittag unter anderem Innenminister Lorenz Caffier, Landrat Ralf Drescher, Marlows Bürgermeister Norbert Schöler (alle CDU) und Hauptsponsor Friedemann Kunz. Der ließ sogar seinen 20 Monate alten Sohn Carl mitfahren — als Passagier im Fahrradanhänger.

Nach Ansicht vieler Aktiver ist der Marlower Scanhaus Cup nicht nur eine der größten, sondern auch der anspruchsvollsten Radsportveranstaltungen im Norden. „Wäre es anders, würden kaum so viele Fahrer, die sonst europaweit unterwegs sind, daran teilnehmen“, schlussfolgerte Moderator René Jacobs.

Ergebnisse
Senioren Bergkriterium

Huth, Andreas, Hy-Bau-Tec

Senioren Straßenrennen

Kunath, Torsten, Jenatec

Senioren Gesamtwertung

Kunath, Torsten, Jenatec

Rundstreckenrennen

U13 Noffz, Ken, HSG Uni Greifswald

U11 Briese, Max-David, PSV Rostock

Jedermann Gesamtwertung

Pohl, Fabian, Höhenpunkt AS Elektro

Elite KT/ A, B — Berg, Straße, Gesamt

Werda, Maximilian, Team Stölting

Fahrt trotz der starken Steigung der Zielgeraden nicht im Stehen. Auf dem Kopfsteinpflaster springen die Fahrräder und ihr rutscht von den Pedalen ab.“

Rat des Olympiasiegers Stefan Nimke an die Promis

Volker Stephan