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Am Klinikum arbeiten Experten mit Huf und Pfote

Stralsund Am Klinikum arbeiten Experten mit Huf und Pfote

Stralsund: Mit Hilfe der tiergeschützten Therapie entwickeln Psychiatrie-Patienten ein neues Lebensgefühl.

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Diplompsychologin Mareike Kadow mit ihrem Therapiepferd Sputnik.

Quelle: Fotos: Janine Weller

Stralsund. Wenn Jim und Thoska auf Arbeit sind, werden sie ganz viel gestreichelt. Auf Arbeit — das ist die Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie am Helios Hanseklinikum Stralsund. Dort bietet Diplompsychologin Mareike Kadow ihre tiergestützte Therapie an, in der Patienten Vertrauen und Einfühlungsvermögen trainieren können. Die beiden Besuchshunde begleiten ihr Frauchen zwei Mal die Woche auf Station — zur Freude der Patienten und Kollegen.

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Diplompsychologin Mareike Kadow mit ihrem Therapiepferd Sputnik.

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„Die beiden schaffen sofort eine entspannte Atmosphäre“, erzählt sie. Therapeutischer Höhepunkt für einen wachsenden Kreis von Patienten ist zudem der wöchentliche Ausflug auf den Hof von Mareike Kadow in Wüstenfelde, wo ihre fünf Warmblutpferde und vier Kamerunschafe das Angebot der tiergestützten Therapie ergänzen. Im Verlauf der Behandlung haben einige Teilnehmer es hier bereits zur geländetauglichen Sattelfestigkeit gebracht.

Die vielleicht wichtigsten Wirkfaktoren tiergestützter Therapie umreißt Mareike Kadow so: „Ein Tier stellt an mich keinen Leistungsanspruch. Es nimmt mich vorurteilsfrei wahr, reagiert direkt auf mein konkretes Verhalten. Dies ist besonders für psychiatrische Patienten hilfreich, die häufig unter der Stigmatisierung ihrer Umwelt zu leiden haben.“

In Gegenwart der Tiere fühlten sich die Patienten geborgen und die vertrauensvolle Kontaktaufnahme gelinge leichter als zu ihrem menschlichen Umfeld. „Die Tiere schlagen eine tragfähige Brücke zwischen Patient und Therapeuten“, beschreibt die Expertin das bezihungsgefüge. Die Frequenz und die Dauer der Therapie sei individuell unterschiedlich — für manche sei sie lebensbegleitend.

Mike Röhle und Burkhard Hesse nehmen bereits seit über einem Jahr an der tiergestützten Therapie teil. „Die Pferde geben uns etwas zurück, und man selbst ist froh über die vielen Fortschritte“, sagt Burkhard Hesse. Auch Mike Röhle hat mit der tiergestützten Therapie ein neues Lebensgefühl bekommen: „Ich habe hier reiten, satteln und longieren gelernt. Heute kann ich anderen Patienten etwas beibringen“, berichtet er stolz.

Auch Mareike Kadow gibt ihr Wissen und ihre Erfahrungen gern weiter. In regelmäßigen Workshops der Volkshochschule Stralsund lädt sie Mitarbeiter aus verschiedenen Therapieeinrichtungen in der Region auf ihren Hof ein, um ihnen den Umgang mit Patienten und Tieren näher zu bringen. Leiterin, Dr. Sabine Koppe, freut sich über die Zusammenarbeit: „Wir sehen, dass der Bedarf enorm ist. Es gibt kein ähnliches Projekt in der Region, was Theorie und Praxis der tiergestützten Therapie so effektiv vereint.“

Die Workshops sind eine Bereicherungen für Patienten und die Therapeuten. Hier können die Patienten zeigen, was sie gelernt haben und bringen mit Hilfe der Tiere den angehenden Therapeuten bei, neue Brücken zu schlagen.

Alternative Behandlung
Tiergestützte Therapieverfahren sind alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten. Sie diesen der Heilung oder zumindest der Linderung der Symptome bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Behinderungen.


Je nach Tierart wird die Therapie in verschiedenen Einsatzgebieten praktiziert. Es gibt zum Beispiel Angebote mit Delfinen, Hunden, Katzen, Pferden und Lamas.


Was Therapeuten oft allein nicht gelingt, schaffen Tiere mitunter in Sekundenschnelle: Sie bringen Menschen zum Lachen, geben neuen Lebensmut, regen längst verloren geglaubte Fähigkeiten an.


Wichtig ist aber auch, dass Tiere bei dieser Aufgabe nicht instrumentalisiert oder überfordert werden.

 

Janine Weller

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