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Ribnitz-Damgarten Amerikaner dreht Doku über Barther Gefangene
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Amerikaner dreht Doku über Barther Gefangene
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16:36 13.02.2018
Das Stammlager Luft I in Barth. 9000 Männer wurden hier während des Zweiten Weltkrieges gefangen gehalten. Quelle: Förderverein Dokumentation- und Begegnungsstätte E.v. Barth
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Barth

Vielleicht ist die Geschichte von Robert McAdam und Sherwin Desens Schicksal, vielleicht Zufall. Die beiden US-Amerikaner waren vor 73 Jahren Kriegsgefangene im Stammlager Luft I in Barth – kurz Stalag genannt. Mehr als neun Monate wurden sie und 9000 andere Männer von den Nationalsozialisten in Barth gefangen gehalten, da sie zu alliierten Luftstreitkräften gehörten. Nun trafen sich die beiden alten Herren zufällig in ihrer neuen Heimat wieder. Es ist eine Geschichte, wie sie sonst nur Hollywood-Drehbücher und nicht das Leben schreibt.

Nach 73 Jahren trafen sich Robert McAdam und Sherwin Desens zufällig in einem Seniorenheim in Kalifornien wieder.

25 Treppenstufen trennten die beiden

25 Steps so heißt der Film des amerikanischen Filmemachers Steffan Tubbs. Er soll im Frühling erscheinen und seine Europa-Premiere voraussichtlich in Barth stattfinden. Es sei ihm eine Ehre gewesen, die außergewöhnliche Geschichte der beiden Männer erzählen zu dürfen.

Im Seniorenheim trafen sie sich nach 73 Jahren wieder

Robert McAdam und Sherwin Desens, beide mittlerweile über 90 Jahre alt, leben heute in Kalifornien. Und nicht nur das: Die beiden ehemaligen US-Offiziere leben zufällig in der gleichen Seniorenresidenz – nur 25 Treppenstufen trennen ihre Zimmer. Keiner kannte die Vergangenheit des anderen. Die kam erst zur Sprache, als einer der beiden das Käppi der „Ex-prisoner of war association“ (zu Deutsch: Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener) trug. Die beiden kamen ins Gespräch und erfuhren, dass sie beide während des Zweiten Weltkriegs im Stammlager Luft I in Barth gefangen gehalten wurden. Die gemeinsame Vergangenheit machte Freunde aus ihnen.

Die Geschichte des kuriosen Wiedersehens und des Stalags nahm Filmregisseur Steffan Tubbs auf. Der Amerikaner dreht derzeit den Film „25 Steps“ (zu Deutsch: 25 Stufen), der im Frühling erscheint und seine Europa-Premiere vermutlich in Barth feiert. Er reiste für seine Recherchen zwei Tage lang aus Kalifornien nach Vorpommern. Und wer könnte ihn hier besser über die Zeit des Weltkrieges und die Zustände im Stalag unterrichten als die Vorsitzende des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth? Helga Radau empfing den Amerikaner und führte ihn durch die Ausstellungsräume und an den Ort, wo sich früher das Lager befand. „Er war wirklich schlecht vorbereitet“, sagt die Bartherin: „Eigentlich wusste er fast nichts über die Zeit in Deutschland.“

Westliche Alliierte wurden besser behandelt als russische Häftlinge

So erfuhr Steffan Tubbs beispielsweise von Helga Radau, dass sich in Barth eines von 130 Kriegsgefangenenlagern auf dem Gebiet des Deutschen Reiches und im deutsch besetzten Westpolen befand. Im Stalag, einem Außenlager von Ravensbrück, hausten die Menschen in Holzbaracken. Die westlichen Alliierten wurden nach den Genfer Konventionen, also menschlich, behandelt. „Zumeist waren es Amerikaner, die hier hinter Stacheldrahtzäunen leben mussten. Sie bekamen Rotkreuz-Pakete, ausreichend Nahrung, mussten nicht arbeiten und durften sich vom tristen Lageralltag ablenken“, weiß Helga Radau.

Trotzdem, die Angst gehörte in Barth zum Alltag. Beispielsweise als alle jüdischen Gefangenen in eine Baracke gesperrt wurden. Oder wenn die westlichen Alliierten sahen, wie schlecht mit den russischen Soldaten umgegangen wurde. Mehr als 100 Tunnel gruben die Inhaftierten in der gesamten Zeit. Fliehen, das wollten sie fast alle, denn das besagt der Ethos eines jeden Offiziers. Zwei Männer wurden im Laufe von fünf Jahren erschossen. Der eine grub einen Fluchttunnel, der andere hielt sich nicht an ein Kommando und verließ trotz Verbot seine Baracke während eines Fliegeralarms. Die russischen Häftlinge jedoch mussten ertragen, dass die SS-Soldaten Hunde auf sie hetzten, weil sie „angeblich frecher“ geworden seien, so las es Helga Radau in einem Protokoll. Sie hat schon etliche Zeitzeugen getroffen. Einen amerikanischen Filmregisseur konnte sie bis jetzt allerdings noch nie in Empfang nehmen. „Er war fasziniert von unserer Ausstellung und wie die Deutschen mit ihrer Geschichte umgehen.“

Carolin Riemer

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