Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten An Soldatenfriedhof in Damgarten erinnert nichts mehr
Vorpommern Ribnitz-Damgarten An Soldatenfriedhof in Damgarten erinnert nichts mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:20 24.09.2018
Udo Steinke und Mario Günther (r.) vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Matthias Paul (l.) von der Friedhofsverwaltung vor dem heute noch zu erkennenden Eingang zum ehemaligen Damgartener „Heldenfriedhof“. Das rechts zu sehende Kreuz stammt aus der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Quelle: Edwin Sternkiker
Ribnitz-Damgarten

Nichts auf dem Alten Friedhof in Damgarten (Vorpommern-Rügen) an der Richtenberger Straße weist darauf hin, dass es hier einmal einen Soldatenfriedhof gab. Das wollen Udo Steinke und Mario Günther vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ändern. Steinke ist für den Altkreis Nordvorpommern Beauftragter im Landesverband MV Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.  „Früher erinnerte hier einmal ein großes Holzkreuz an die Gefallenen. Doch das ist schon längst verschwunden. Ebenso sämtliche Grabsteine. Wann sie verschwanden, ist unbekannt. Wir suchen jetzt nach einer Form, wie an die Toten erinnert werden kann, vielleicht wieder mit einem Kreuz. Denkbar wären auch eine Erinnerungstafel, eine Stele oder ein Stein“, sagte Steinke.

Erste Bestattung fand im September 1938 statt

Kriegsgräber seien mehr als nur Friedhöfe. Sie seien Orte der Mahnung für den Frieden, die künftigen Generationen millionenfaches Leid vor Augen führen. Und, so Udo Steinke: „Sie sind Lernorte der Geschichte!“ Es sei klar, dass das Vorhaben, in geeigneter Form an die Toten zu erinnern, nicht von Heute auf Morgen umsetzbar sei, sagte Steinke weiter. Aber man wolle jetzt zumindest den Anfang machen. Dabei können er und Mario Günther auf die Unterstützung der Stadtverwaltung Ribnitz-Damgarten bauen. Bei einem Vororttermin auf dem Friedhof waren die Bauamtsmitarbeiter Heiko Werth und Guido Keil sowie der Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung, Matthias Paul, dabei. Mit im Boot ist auch Jan Berg, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Arbeit und Qualifizierung. Ob es am Ende ein Kreuz, eine Infotafel oder ein Stein sein wird, hänge auch vom Geld ab, so Keil. Ein Kreuz sei auf jeden Fall teurer. Um die nötigen Mittel zusammenzubekommen, wurde der Vorschlag gemacht, eine Sammlung durchzuführen. Werth und Keil regten an, die Grenzen des ehemaligen Soldatenfriedhofs durch die Verlängerung einer bereits vorhandenen Hecke zu kennzeichnen.Es ist Marion Günther zu verdanken, dass man heute weiß, wer auf dem ehemaligen Soldatenfriedhof, der vor 1945 als „Heldenfriedhof“ bezeichnet wurde, begraben worden ist. Der Ribnitz-Damgartener hat durch seine akribischen Nachforschungen ihre Namen und oft auch die Umstände ihres Todes herausgefunden. Insgesamt handelt es sich um 28 Personen, überwiegend sind es Angehörige des Fliegerhorstes Pütnitz, mehrere Piloten kamen bei Flugzeugabstürzen ums Leben, einige auch durch Selbstmord. Die erste Bestattung fand im September 1938 statt, dabei handelte es sich um einen Gefreiten der Luftwaffe. Auch Ilse von Arnim, die Frau des damaligen Pütnitzer Fliegerhorstkommandanten Oberst von Arnim, wurde hier bestattet. Dieser Teil des Friedhofes ist nicht nur engstens mit dem Fliegerhorst Pütnitz, und damit mit einem wichtigen Teil der Damgartener Stadtgeschichte verbunden, sondern auch mit dem einstigen jüdischen Friedhof. Darauf hatte bereits 2002 Heimatforscher Jochim Busch in einem Beitrag in der OZ vom 21./22. September hingewiesen. Er hatte die Gelegenheit mit dem Zeitzeugen Hans-Jürgen Vetter, 1921 in Damgarten geboren, auf Spurensuche zu gehen. Hans-Jürgen Vetter berichtete ihm, dass er als Kind noch die jüdischen Grabsteine gesehen hatte.Über den jüdischen Friedhof Damgarten ist allerdings so gut wie nichts bekannt. Nur soviel: Die Stadt hatte zunächst keinen eigenen jüdischen Friedhof, da die hiesige Gemeinde zur jüdischen Gemeinde Stralsund gehörte. Aus diesem Grunde wurden die verstorbenen jüdischen Einwohner Damgartens zunächst auf dem jüdischen Friedhof Niederhof, dann in Stralsund bestattet. Später wollte man die Toten auf dem jüdischen Friedhof in Ribnitz beisetzen, da dies jedoch nicht möglich war, stellten die jüdischen Familien Samuel und Müller in Damgarten ein Grundstück neben dem Alten Friedhof in der Richtenberger Straße zur Verfügung.

Jüdische Grabsteine sind nicht mehr auffindbar

Die Familie Samuel war die am längsten in Damgarten ansässige jüdische Familie. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ließ sich Jacob Samuel in der Stadt nieder und wurde zum Stammvater der später mit Getreide handelnden Gebrüder Samuel. „Mit dem Weggang der Samuels 1932 verfiel offenbar der jüdische Friedhof“, so Jochim Busch. Nichts erinnerte mehr an ihn, niemand weiß, wo die jüdischen Grabsteine, die Hans-Jürgen Vetter noch gesehen hatte, geblieben sind. Jochim Busch schreibt in seinem 2002 in der OZ erschienenen Beitrag weiter, dass es eine Merkwürdigkeit sei, dass genau dort, wo sich einst der jüdische Friedhof befand, mit der Errichtung des Seefliegerhorstes in Pütnitz ein „Heldenfriedhof“ in Damgarten angelegt worden ist. „Aus dem jüdischen Friedhof war in Kriegszeiten ein Heldenfriedhof geworden. Heute ist dieser Teil eingebettet in das Gesamtgelände, nichts erinnert mehr an frühere Nutzungen, die Zeit ist darüber hinweggegangen.“

Edwin Sternkiker

Der Schaden wurde am Sonntag in der Chausseestraße in Dierhagen entdeckt. Die Polizei hofft auf Zeugenhinweise.

24.09.2018

Abermals fehlt vom Eigentümer jede Spur. Die Polizei geht davon aus, dass die Sachen hier auch wieder vergessen wurden.

24.09.2018

In Barth und Zingst fiel am Montagmittag für knapp eine Stunde der Strom aus.

24.09.2018