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Ribnitz-Damgarten Angeln auf dem Rügendamm: Geht der Wurf nach hinten los?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Angeln auf dem Rügendamm: Geht der Wurf nach hinten los?
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07:17 09.03.2018
Gerhard Zaade (57) von den Stralsunder Angelfreunden hält die teure Überwurfbegrenzung auf dem Rügendamm für fragwürdig und kritisiert, dass die heimischen Petrijünger in das Projekt nicht einbezogen wurden. FOTOS (2): MARLIES WALTHER

Der Wurf geht nach hinten los. Das vermutet zumindest der 1. Vorsitzende der Stralsunder Angelfreunde, Gerhard Zaade. Ursache seines Unmutes ist die neue 174000 Euro teure Angelwurfbegrenzung, die auf dem Rügendamm montiert wird. Durch die Baumaßnahme soll das Angeln, das jetzt dort verboten ist, zur Heringssaison wieder möglich sein.

Petrijünger befürchten, dass die neuen Begrenzungsgitter nicht mehr Sicherheit bringen, sondern das Gegenteil bewirken

Eigentlich eine gute Nachricht. Die neuen Aluminium-Gitter sollen mehr Sicherheit bringen.„Doch genau das tun sie nicht. Sie bewirken das Gegenteil“, sagt Gerhard Zaade. „Als Verein halten wir dieses Projekt für fragwürdig“, erklärt der 57-Jährige. Die Wurfbegrenzung wird derzeit von Mitarbeitern der Firma FLZ Stahl- und Metallbau Lauterbach angebracht. Allerdings nicht zwischen Gehweg und Fahrbahn, sondern am Geländer zur Seeseite. Und genau hier liegt für Gerhard Zaade das Problem.

Denn das Ausholen mit der Angelrute nach hinten für den Überkopfwurf, wie es die Angler nennen, ist weiter ungehindert möglich. Es sei damit zu rechnen, dass sogar noch kräftiger als bisher ausgeholt wird, um die Begrenzungsgitter zu überwinden. Zaade kann nicht nachvollziehen, warum die Aluminium-Holme nicht – so wie es mal im Gespräch gewesen sei – zur Straße hin angebracht wurden. Das hätte das Ausholen nach hinten tatsächlich verhindert.

Laut Zaade wäre zudem eine wirksame Wurfbegrenzung mit wesentlich weniger Material und geringeren Kosten möglich. „Es hätten Pfosten in größerem Abstand ausgereicht. Darüber hätte man Seile spannen oder Holme anbringen können“, erläutert Zaade seinen preisgünstigeren Vorschlag. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Kompetenzen der heimischen Angler mit einbezogen worden wären. Das wäre zum Beispiel durch eine gemeinsame Begehung mit den Vereinen oder Befragungen der örtlichen Angelvereine möglich gewesen“, kritisiert Zaade.

Durch die neuen Metallgitter würden sich weitere Probleme ergeben, die das „waidgerechte Anlanden“ des Herings betreffen. „Durch das lange Einkurbeln des Herings und das umständliche Abhaken des Fisches aufgrund der Überwurfbegrenzung ist die Gefahr bedeutend größer, dass der Hering sich selbst wieder freischüttelt, um dann nach mehr als 15 Metern wieder in den Sund zu klatschen“, erläutert Zaade.

Die Fische würden aufgrund ihrer großen Verletzungen kaum oder gar nicht nicht überleben, könnten keine Nachkommen zeugen. Der Bestand wäre damit gefährdet. „Unter diesen Bedingungen lehnen wir eine Angelerlaubnis auf dem Rügendamm ab und verweisen auf den Platz unter dem Rügendamm“, sagt Zaade. Noch eine Auswirkung der neuen Metallgitter müsse man in Betracht ziehen: Die Angelruten müssten jetzt wesentlich weiter nach hinten gezogen werden. Das wiederum bringe Gefahren für Fußgänger und Radfahrer. Das bewegt auch den OZ-Leser Hanns-Peter Neumann. „Vorbei ist die Zeit, in der auch die Radfahrer und Fußgänger sicher den Rügendamm passieren konnten. Schade. Vielleicht sollte unser Infrastrukturminister in der Angelhochsaison den Rügendamm mal selbst mit dem Fahrrad überqueren“, kommentiert der Stralsunder die neue Wurfbegrenzung.

Gerhard Zaade angelt seit seinem 5. Lebensjahr. „Wenn man am Wasser groß geworden ist, bekommt man schon als Kind eine Angel in die Hand“, sagt der gebürtige Deviner. Für die 174 000 Euro, die für die Wurfbegrenzung ausgegeben wurden, hätte man lieber Toiletten und Müllcontainer auf dem Platz unter dem Rügendamm aufstellen sollen, findet er. Gerade zur Herings- und Hornhecht-Zeit würden im Bereich des Rügendamms starke Ufer- und Gewässerverschmutzungen festgestellt. „Wir führen regelmäßig Reinigungsaktionen durch, werden der Lage aber nicht mehr Herr“, beklagt der Vereinschef und bittet die Stadt in einem Brief an den OB um Unterstützung.

Aluminiumgitter werden bis 16. März montiert

Die neue Angelwurfbegrenzung auf dem Rügendamm besteht aus Aluminium. Der Aluminiumholm, der in 2,10 Metern Höhe mit Stützen in Verlängerung der Geländerpfosten befestigt wird, soll den Überkopfwurf und das Auswerfen langer Angeln verhindern.

Das Verkehrsministerium greift zu der 174000 Euro teuren Maßnahme, nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Verkehrsteilnehmer sowohl auf der gegenüberliegenden Rügenbrücke als auch auf dem Rügendamm selbst durch weit ausgeworfene Angeln gefährdet worden waren. „Wir werden beobachten, ob durch die Wurfbegrenzung die Gefährdung des Verkehrs auf Rügenbrücke und Rügendamm – so wie von uns zurzeit angenommen – tatsächlich unterbunden wird“, sagt Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Er hoffe jetzt auf die gegenseitige Kontrolle der Angler.

Die Montage soll am 16. März abgeschlossen sein.

Marlies Walther

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