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Ribnitz-Damgarten Auge in Auge mit dem Chef
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Auge in Auge mit dem Chef
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00:00 03.06.2017
Kurdirektor Stephan Fellmann im Bewerbungsgespräch mit Valeriy Viktorenko (18) aus der Ribnitzer Bernsteinschule. Quelle: Fotos: Carolin Riemer
Ribnitz-Damgarten

„Forever Weekend (Deutsch: Für immer Wochenende“) steht auf dem Shirt einer Neuntklässlerin. Eine Aussage, die Kurdirektor Stephan Fellmann irritiert. Schließlich ist er einer von insgesamt neun Chefs, die an diesem Tag ein Bewerbungsgespräch mit den Schülern der Bernsteinschule proben wollen.

Bernsteinschüler üben Bewerbungsgespräche unter realen Bedingungen

782 freie Lehrstellen im Landkreis

142 von 279 gemeldete Lehrstellen in Ribnitz-Damgarten sind aktuell noch nicht besetzt. Insgesamt sind im Landkreis Vorpommern-Rügen 782 von 1293 Ausbildungsplätzen unbesetzt. 495 Jugendliche suchen derzeit noch eine Lehrstelle. Am dringendsten werden Restaurantfachleute, Köche, Hotelfachleute, Verkäuferinnen und Fachkräfte im Gastgewerbe gesucht.

„Tragt lieber etwas Neutrales. Keine Schriftzüge auf den Shirts, die eure Vorlieben für das Wochenende bekunden, kein auffälliger Schmuck, der von eurer Persönlichkeit ablenkt“, rät er den Schülern.

„Und wer oft schwitzige Hände hat, einfach Daumen und Zeigefinger zusammen pressen. Das hilft.“

Elektriker, Zimmermann oder Schornsteinfeger: Handwerkliche Berufe sind bei den Schülern der drei neunten Klassen so unbeliebt wie nie. „Unsere Jugendlichen tendieren eher zum Beruf der Krankenschwester oder des Erziehers“, sagt Schulsozialarbeiter Guido Diderich.

Obwohl sich viele Schüler gut auf den Tag vorbereiteten, tappen etliche in Fallen, die sie in einem echten Bewerbungsgespräch vermeiden sollten. Schüchtern und sprachlos sitzen viele Jugendliche vor Dierhagens Kurdirektor. Doch dann tritt Mandy Olbrich (15) vor. Schlüssig erklärt sie Fellmann, dass sie am liebsten den Beruf der Reiseverkehrsfrau erlernen möchte, weil sie Japan liebe und sich schon lange mit der Kultur beschäftige. „Ich würde dich einstellen“, sagt der Kurdirektor anerkennend nach dem Gespräch.

Im Raum nebenan führt Jens Starck von der Barmer-Ersatzkasse die Gespräche. Zuvor beschäftigte er sich intensiv mit den Noten seiner Test-Bewerber. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie ihren beruflichen Weg finden werden“, resümiert er nach etwa zehn Pseudo-Bewerbungsgesprächen und gibt den Schülern einen wichtigen Rat mit auf den Weg: „Versäumt niemals Fristen.“ Stephan Fellmann ergänzt: „Und seid nicht zu locker in eurer Wortwahl.“

Christian Matthes, Studienleiter an der Rostocker Fachschule „Institut Lernen und Leben“, vergeht manchmal schon beim Lesen einer Bewerbung die Lust, einen Kandidaten kennenzulernen. „Wenn ich anstatt einer persönlichen Anrede ,Sehr geehrte Damen und Herren’ lese, könnte ich weinen. Die Bewerbung muss individuell sein. Gerade wenn sich junge Menschen um den Beruf des Erziehers bewerben, sollte erwähnt werden, wenn man als Babysitter gearbeitet oder kleinere Geschwister hat.“

Wer in einem Sportverein oder der Feuerwehr aktiv ist und das im Gespräch auch verrät, kommt bei allen geladenen Führungskräften gut an. Ein reines Spiel sind die Vorstellungsgespräche nämlich nicht. Wer sich ins rechte Licht rückt, bekommt die Chance auf einen echten Ausbildungsvertrag oder zumindest auf ein Praktikum. „Die Boddenkliniken rekrutieren seit Jahren ihren Nachwuchs bei uns“, sagt Schulleiterin Christina Bonke.

Seit fünf Jahren organisiert sie die Vorstellungsgespräche mit den echten Chefs in der Schule, denn die Berufsorientierung ist ein Unterrichtsfach an der Bernsteinschule. Die Neuntklässler lernen beispielsweise in der Theorie, wie eine perfekte Bewerbungsmappe aussieht, und können während drei Praktika im neunten Schuljahr in drei verschiedene Berufe hineinschnuppern. „Alle Schüler bemühen sich und niemand schneidet schlecht ab“, lobt die Direktorin. Ihr ist es besonders wichtig, dass die Jugendlichen verschiedene Generationen von Chefs und unterschiedliche Branchen kennenlernen. Und so präsentieren sich an diesem Tag nicht nur Barmer, Boddenklinik und das Institut „Lernen und Leben“, sondern auch die „Aktiv-Krankenpflege“, das Christliche Jugenddorfwerk, Elektriker Rosengart und Vagt und das Ahrenshooper Hotel „The Grand“.

Carolin Riemer

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