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Ribnitz-Damgarten Aus- und Einfälle eines Künstlers
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Aus- und Einfälle eines Künstlers
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00:00 23.04.2013
Joachim John (rechts), Galeristin Gabi Raskop, Laudator Friedrich Wilhelm Fretwurst mit einem alten, illustrierten Telefonbuch. Quelle: Elke Erdmann
Ribnitz-Damgarten

Ein Branchenfernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR hielt Friedrich Wilhelm Fretwurst in der Galerie im Kloster in Ribnitz-Damgarten in die Höhe. Das inzwischen vergilbte Exemplar hatte einst der Zeichner, Maler und Schriftsteller Joachim John (80) in eine illustrierte Ausgabe für die Malerin Antje Fretwurst verwandelt. Dieses Unikat erheiterte das Publikum, das am Sonntagabend zur Ausstellungseröffnung „Aus- und Einfälle“ gekommen war. „Einfälle fließen ihm wahrlich in Fülle zu. Wir sehen in dieser Ausstellung, wie er sie festgehalten und ausgearbeitet hat. Johns Ausfälle verstehe ich positiv im Sinne des Ausgefallenen, des Besonderen“, so der Laudator Fretwurst.

„Der große deutsche Maler Max Beckmann war niemals in Südamerika. Ich aber war dort und habe ihn im Tropenland Kolumbien dreißig Jahre nach seinem Tode gesehen.“ Das sind Worte auf dem Schriftblatt, 1988, das eine Folge von elf Kaltnadelradierungen einleitet. Joachim John nimmt Bezug auf seine Erlebnisse in Kolumbien und erinnert sich an Beckmanns „Hölle der Vögel“. Die Drucke zeigen Quälende und Gequälte, den von Schlangen Bedrohten, den Köpfenden und die Geköpfte. Es folgt das farbige frische Bild „Der Pfeil“, 2012. Der fliegt als Liebespfeil zu den Herzen und lässt den Betrachter aufatmen wie die „Mecklenburger Landschaften“ mit einem Regenhimmel über dem weiten flachen Land oder mit einem Wassergraben, der von Bäumen und Schilfröhricht gesäumt ist. Die Linien sind wie Taktstriche ins Bild gesetzt. Joachim John ist ein großer politischer Zeichner, ein linker Ästhet. Er thematisiert das nie enden wollende Gemetzel auch in der Serie „Amèrica Latina“, 1978. Der Tod schwenkt die Fahnen und spielt Gitarre. Die Freiheit ist in Ketten gelegt ist. Weil das ganze Elend der Welt so überzeugend dargestellt ist, möchte man sich fast abwenden wie das Bild „Die Ignoranten“ zeigt. Ein Wesen wird gepeinigt, neun andere sehen auf ihre Weise weg. Der Künstler sendet Botschaften aus. Eine Kaltnadelradierung zeigt ihn im „Selbstporträt“, 1985. Der 1933 in Nordböhmen geborene Joachim John lebt und schafft im mecklenburgischen Veelböken. Ausstellung bis zum 14. Juli, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Elke Erdmann

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