Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Backen in vierter Generation
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Backen in vierter Generation
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:42 01.04.2014
Martina Dabels (57) und Tochter Amanda (32) sortieren Brote in die Regale ein. Quelle: Wilma Welzel

Wer die Landbäckerei Dabels betritt, dem steigt sofort der Duft von frischem Brot und leckerem Kuchen in die Nase, was sofort den Appetit darauf weckt. „Wir backen unsere Waren noch nach alten überlieferten Familienrezepten, die wir natürlich geheim halten“, sagt Martina Dabels. Die 57-Jährige ist seit dem Tod ihres Ehemannes, des Bäckermeisters Norbert Dabels, im vergangenen Jahr die Inhaberin. Mit Tochter Amanda (32) und Sohn Gunnar (36) führt sie den Betrieb weiter. „Wir wollten die fast hundertjährige Familientradition fortführen“, erklärt Martina Dabels.

Bereits 1925 wurde der Backbetrieb vom Großvater Paul Dabels gegründet, später übernommen von dessen Sohn Erich Dabels und geführt vom 1. Mai 1983 bis Januar 2013 von Norbert Dabels. Amanda und Gunnar, die bei Vater Norbert eine Bäckerlehre erfolgreich abgeschlossen haben, arbeiten nun mittlerweile in vierter Generation hier, Gunnar als Backstubenleiter, Amanda als Helferin in der Backstube und Verkäuferin im Laden. „Und ich bin eigentlich Mädchen für alles“, meint Inhaberin Martina Dabels lächelnd. Sie hat das Bäckerhandwerk ebenfalls von der Pike auf gelernt, kümmert sich aber vor allem um die Buchhaltung.

Die Landbäckerei hat es geschafft, sich trotz starker Konkurrenz einen großen Kundenkreis zu erhalten. „Auch viele Durchreisende oder Tagestouristen kaufen bei uns ein. Kunden können unter etwa 15 verschiedenen Brotsorten wählen, wie Dinkelbrot, Leinsamenbrot oder Schinkenkümmelbrot“, erklärt die Inhaberin. „Wir nehmen nur frische Zutaten und backen mit Sauerteig.“ Unter den Brötchen seien die „Ossi-Brötchen“ der absolute Renner.

Ihre Bäckerei wissen auch die Dorfbewohner zu schätzen, die zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist. Denn im Ort gibt es gerade für die Älteren kaum noch Möglichkeiten zu einem kleinen Plausch.

Also trifft man sich hier zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen und tauscht die neusten Dorfgeschichten aus.

„Früher war es auch für sie leichter , denn im Dorf gab es einen Konsum, eine Post, einen Frisörladen“, erzählt Martina Dabels. „Es war viel mehr Leben im Dorf, wenn ich nur an die vielen Ferienlager denke. Die Leute trafen sich oft, feierten gern zusammen. Heute ist jeder fast nur noch für sich.“

Trotzdem leben im Dorf auch zahlreiche junge Leute, die die Ruhe mögen und hier sesshaft wurden. „Denn unser Dorf ist schön, viel Wasser und Wald“, sagt Amanda.

Die Bedingungen für den Bäckerberuf seien aber nicht leicht, meint sie. So beginnt für Backstubenleiter Gunnar der Arbeitstag bereits um 1.30 Uhr, denn um sechs Uhr muss zum Verkauf schon alles fertig sein.

Mutter Martina hilft ab 4.30 Uhr, und Amanda verkauft ab 6 Uhr. „Alles sehr früh“, meint die Inhaberin. „Deshalb ist es schwierig, Bäckernachwuchs zu bekommen. Die Dabels sind ein gut eingespieltes Team. „Wir vertragen uns und der Laden läuft“, erzählt Tochter Amanda.

Und vielleicht wachse ja mit ihren beiden Kindern bereits die fünfte Generation heran. „Es wäre schön“, meint Martina Dabels, „aber jeder muss seinen Weg finden.“



Wilma Welzel

Mehr zum Thema

Der kleine Boddenort Pruchten liegt am Barthestrom, einem Teil der weitgehend naturbelassenen Boddenlandschaft. Bis nach Zingst und zum Ostseestrand sind es sieben Kilometer.

01.04.2014

2008 übernahm Sohn André das Familienunternehmen.

01.04.2014

Obwohl es kühl ist und die Sonne noch verhalten scheint, spielen die Drei- bis Sechsjährigen der Natur-Kindertagesstätte „Wurzelzwerge“ ganz fröhlich auf ihrem Spielplatz.

01.04.2014
Anzeige