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Ribnitz-Damgarten So lief der SEK-Einsatz nach Schüssen eines Reichsbürgers in Barth
Vorpommern Ribnitz-Damgarten So lief der SEK-Einsatz nach Schüssen eines Reichsbürgers in Barth
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17:50 30.11.2018
Die Polizei sperrte mehrere Straßen in der Barther Innenstadt ab. Quelle: Robert Niemeyer
Barth

Plötzlich sind Schüsse zu hören, mehrere, schnell hintereinander, mitten in der Barther Innenstadt. Anwohner sind verängstigt, rufen die Polizei. Schnell treffen die ersten Einsatzfahrzeuge ein, sperren Straßen ab. Spezialeinsatzkräfte umstellen ein Haus in der Wendestraße, ganz in der Nähe der Evangelischen Grundschule. „Ich bin von den Schüssen geweckt worden“, berichtet später ein Nachbar. Das war gegen acht Uhr, erinnert er sich. Geschäfte müssen schließen, mehrere Stunden lang. Anwohner sollen in ihren Häusern bleiben.

Kinder in Sicherheit gebracht

„Hier kommt man nicht durch“, sagt eine Frau in der Hunnenstraße, wo die Polizei die Wendestraße dichtgemacht hat. Es ist fast zwölf Uhr. Es regnet. Seit einer ganzen Weile läuft bereits der Polizeieinsatz. Die Polizeiinspektion in Stralsund informierte kurz vor 12 Uhr über ihren Kanal beim Internet-Kurznachrichtendienst Twitter über einen „größeren Polizeieinsatz in der Barther Innenstadt“. Es gebe Zeugenhinweise auf Knallgeräusche. Gerüchte, dass sich der Polizeieinsatz an der benachbarten Schule abspielt, werden sogleich dementiert.

In diesem Haus hatte sich der 29-Jährige verschanzt. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-RDG

Dennoch reagieren die Lehrer. Die Eltern werden informiert, ihre Kinder abzuholen. Die Fenster werden zugehängt. Laut einer Schulmitarbeiterin seien alle Kinder schnell in Sicherheit gebracht worden.

In der Zwischenzeit werden erste Details über den mutmaßlichen Täter bekannt. Ein 29-jähriger Mann habe sich in einem Haus verschanzt. Er soll die Schüsse abgegeben haben. Verletzt worden sei niemand. Ein sogenannter Reichsbürger soll er sein, berichtet ein Nachbar. Ähnliche Hinweise habe auch die Polizei. Diese müssten jedoch noch geprüft werden, sagt eine Sprecherin.

29-Jähriger ist polizeilich bekannt

Der 29-jährige sei in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen, sagen Anwohner der Gegend. Er habe einen Reichsbürger-Radiosender gehört, entsprechende Fahnen rausgehängt. Auch eine Drogenrazzia soll es bei dem Mann bereits gegeben haben. Die Polizei bestätigt, dass der Mann polizeilich bekannt ist. Die Schüsse, sagt ein Anwohner, seien auf einem kleinen Hinterhof des Hauses, in dem sich der 29-Jährige verschanzt hatte, abgefeuert worden.

Die Reichsbürger

Bei den sogenannten Reichsbürgern handelt es sich um Gruppierungen sowie Einzelpersonen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und damit auch ihre Souveränität nicht anerkennen. Demnach lehnen sie es ab, Steuern zu zahlen oder Gerichts- beziehungsweise Verwaltungsbeschlüsse anzuerkennen. Sie berufen sich darauf, dass die Bundesrepublik eine privatrechtliche Organisation wäre, die keine gültige Verfassung hätte. Nach ihrer Argumentation würde das Deutsche Reich weiterhin fortbestehen. Zwischen 2015 und 2017 habe es laut einer Statistik der Polizei in Deutschland 10 500 Straftaten gegeben, die dem Reichbürger-Milieu zuzuordnen sind. Viele der Fälle seien durch Waffenmissbrauch gekennzeichnet.

Gegen halb eins können die Barther Aufatmen. Der Mann ist gefasst. Die Spezialeinsatzkräfte hätten eine günstige Gelegenheit genutzt, um in die Wohnung des Mannes zu gelangen und ihn zu überwältigen. In Handschellen wird er abgeführt, sogleich im Barther Polizeirevier verhört. Der Mann ist betrunken. Eine spätere Atemalkoholkontrolle ergibt einen Wert von mehr als zwei Promille. Gleichzeitig werden die Straßensperrungen aufgehoben. Die Spurensicherung nimmt nimmt ihre Arbeit auf.

In der Wohnung des Mannes finden sie eine Schreckschusspistole. Außerdem werden Hanfpflanzen beschlagnahmt. Erst einen Tag zuvor hatte das Amtsgericht Stralsund Haftbefehl gegen den 29-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung erlassen. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wird der Barther noch am Nachmittag ins Gefängnis gebracht, wo er die Haftstrafe wegen Körperverletzung sofort antritt.

Nun erwartet ihn wohl eine weitere Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Dazu laufen die Ermittlungen weiter, ebenso wie zu den Hintergründen der Tat.

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