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Ribnitz-Damgarten Bartherin kämpft gegen die Zwangsversteigerung
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Bartherin kämpft gegen die Zwangsversteigerung
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08:13 13.01.2015
Diese Doppelhaushälfte im Karthäuser Weg in Barth soll heute am Ribnitzer Amtsgericht zwangsversteigert werden. Quelle: Marco Schwarz

Nachdem vor zweieinhalb Jahren ihr Lebenspartner Uwe F. plötzlich verstarb, steht der Bartherin Anke O. jetzt der nächste schwere Schicksalsschlag bevor. Das Haus, das sie mit Uwe F. bewohnte und das auch jetzt noch ihr Zuhause ist, soll heute vor dem Amtsgericht Ribnitz-Damgarten zwangsversteigert werden.

40 000 Euro sind für die Doppelhaushälfte im Karthäuser Weg angesetzt. „Ich hab alles versucht, die Zwangsversteigerung abzuwenden, aber leider wohl vergeblich“, sagt Anke O. traurig.

Das Problem: Das Haus war allein auf ihren Lebensgefährten im Grundbuch eingetragen. Für die 15-jährige Laufzeit des Darlehens, das Uwe F. aufgenommen hatte, hatte er mit Anke O. einen Mietvertrag abgeschlossen. „Nach dem Tod meines Lebensgefährten habe ich die Miete von 325,50 Euro an den Nachlassverwalter weiter gezahlt“, erläutert Anke O. Das Haus hätte nun zum Verkauf gestanden. Jedoch sei es nicht dazu gekommen. Anke O. hätte die Doppelhaushälfte gern selbst erworben, zu diesem Zeitpunkt jedoch kein Darlehen aufnehmen können. Daraufhin wurde der Zwangsversteigerungstermin angesetzt.

„Ich habe mich deshalb mit Frau O. im Oktober 2013 an die Bank gewandt“, erklärt Frank Bornschein, der die Mutter eines behinderten Sohnes in dieser Angelegenheit unterstützt. Die Bank hätte Entgegenkommen signalisiert. „Wenn Frau O. für ein halbes Jahr monatlich 500 Euro zahle, werde die Zwangsversteigerung ausgesetzt. Die Mieterin erhalte dann nochmals die Möglichkeit, ein Darlehen zum Kauf der Immobilie aufzunehmen“, gibt Frank Bornschein das Antwortschreiben der Bank wieder. Dieses Angebot nahm die Bartherin an. „Zuzüglich der Miete zahlte ich an die Bank sechs Monate lang 500 Euro“, versichert Anke O. Bereits nach den ersten Raten sei so die Zwangsversteigerung ausgesetzt worden.

Doch dann der nächste Schock. „Es hieß plötzlich, dass inzwischen Erben ermittelt wurden“, sagt Anke O. Außerdem hätte die Bank sie über eine beauftragte Inkassofirma gebeten, die 500 Euro monatlich weiter zu zahlen. „Ich erhielt die Empfehlung, dass die Erben mit Darlehensnehmer werden sollten“, sagt Anke O. „Monatlich weiter 500 Euro an die Bank zahlen, wo ich aber noch nicht nicht einmal sicher sein konnte, dass ich die Liegenschaft überhaupt erwerben kann?“, fragte sich die Bartherin. „Außerdem kenne ich die Erben ja gar nicht mal. Ende vergangenen Jahres erfuhr ich, dass es sich noch um Minderjährige handelt. Das Erbe wurde im Frühherbst durch den Vormund weder angenommen noch ausgeschlagen.“

Anke O. ist über dieses ganze Prozedere verbittert. Obwohl sie selbst Kaufinteresse bekundet habe, sieht sie sich übervorteilt. „So soll eine Zwangsversteigerung um jeden Preis durchgedrückt werden“, sagt sie. Für sie würden hier ethische und moralische Werte mit Füßen getreten.

Wie kommt es aber zu solchen Zwangsversteigerungen? „Der häufigste Fall ist die Nichtrückzahlung von Darlehen, die durch eine Grundschuld oder eine Hypothek abgesichert wurden“, erklärt Axel Peters, Sprecher des Amtsgerichtes Ribnitz- Damgarten. Das sei bei Grundstückskäufen regelmäßig der Fall. „Wird das Darlehen nicht vereinbarungsgemäß zurückgezahlt, kann die Bank das Grundstück versteigern lassen“, so Peters weiter. Handele es sich um ein vermietetes Objekt, übernehme der neue Eigentümer die bestehenden Mietverträge als Vermieter. „Daneben gibt es auch sogenannte Teilungsversteigerungen, bei denen sich mehrere Miteigentümer, zum Beispiel Erben, nicht einigen können“, erklärt Peters. Zum konkreten Fall von Anke O. wollte er gestern keine Stellung nehmen. Auch die Bank war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Große Hoffnungen macht sich Anke O. nicht mehr. Der Versuch, die Zwangsversteigerung über eine einstweilige Verfügung abwenden zu können, sei gescheitert. Sie und Frank Bornschein wollen heute aber selbst an dem Zwangsversteigerungstermin teilnehmen.

Für mich werden hier ethische und moalische Werte mit Füßen getreten.“ Anke O., Mieterin, Barth



Detlef Lübcke

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