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Ribnitz-Damgarten Durch die Fusion mehr Geld für Projekte
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Durch die Fusion mehr Geld für Projekte
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00:04 16.01.2015
Die Landmäuse in Bartelshagen II haben gut lachen. Ihr Kita-Spielplatz ist saniert und erweitert worden. Quelle: Fotos: Detlef Lübcke (1), Reinhard Labs (3)

Seit einem Jahr zählt die Gemeinde Saal etwa 1600 Einwohner. Hintergrund war die Fusion mit der Kommune Bartelshagen II zum 1. Januar 2014. Seitdem zählen auch Hermannshagen-Heide, Hermannshagen-Dorf, Hermannshof und Neuhof zu Saal.

Wie sieht es ein Jahr danach aus? „Ohne Fusion haben es kleinere Gemeinden wie Bartelshagen II mit 381 Einwohnern schwer ihre Belange in finanzieller Hinsicht durchzusetzen“, sagt Wolfgang Pierson

(64), seit 1994 Bürgermeister von Saal. Der Zusammenschluss habe eine positive Auswirkung für die umliegenden kleinen Dörfer gehabt. Der Spielplatz vor der Kindertagesstätte „Landmäuse“ in Bartelshagen II wurde beispielsweise für 15000 Euro saniert. Weiterhin wurden 10000 Euro für Isolationsarbeiten des Dorfgemeinschaftshauses Bartelshagen II investiert. „Und es gibt nun eine gemeinsame freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Saal/Hessenburg/Hermannshof“, erläutert Pierson weiter. Es sei zudem eine Festzeltgarnitur angeschafft worden, was vorher „für eine Gemeinde alleine undenkbar gewesen wäre.“

Aber Pierson fügt auch hinzu: „Das ist nur die positive Seite der Medaille. Zum Beispiel gab es Probleme mit der Postzustellung, mangelhafte Benachrichtigungen der Behörden und auch eine schleppende Weitermeldung der Änderungen von Straßennamen.“ Unklar seien zudem noch die Finanzierung der Sportstätte Saal, die Wärmedämmung des Hortes sowie ein neuer Rad-Wanderweg von Neuendorf-Heide nach Michaelsdorf.

Ein weiterer Nachteil sei, dass die Gemeinde bei angekündigten Zuweisungen — auch bekannt als Hochzeitsgeld — früher selber den den Verwendungszweck bestimmen konnte. Heute seien die Fördergelder an die Investitionen gebunden, sagt Pierson.

Heinz Busch aus Hermannshagen-Heide kritisiert: „Die Reinigung der Gemeindeflächen lässt seit der Zugehörigkeit zu Saal zu wünschen übrig.“ Aus seiner Sicht müsste auch die Bushaltestelle in Hermannshagen-Heide dringend instandgesetzt werden.“

Anwohner Huite Vogelaar sieht die Fusion vorwiegend positiv. Allerdings hat er sich in einer örtlichen Angelegenheit eine Veränderung erhofft: die Geschwindigkeitsreduzierung in der Mitte des Dorfes Hermannshagen-Heide. Dort sind 100 Kilometer pro Stunde erlaubt. Viele Anwohner wünschen sich aber Tempo 60. „Das ist im Vergleich mit Tempel an der B 105, wo schon bei 70 Kilometer pro Stunde geblitzt wird, eine unangemessene Situation“, findet Vogelaar.

Ähnlich sieht das Heinz Busch. Viele Autos würden „wie auf einer Rennstrecke mit großer Geschwindigkeit bei den Ausfahrten der Häusern überholen“. Die Erschütterungen von zu schnell fahrenden Lastern spüre man im ganzen Haus. „Trotz einer Unterschriften -Sammlung für eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 km/h darf der Verkehr in Hermannshagen-Heide weiterhin mit 100 km/h fließen“, ärgert er sich. Busch sieht eine Gefahr für seine kleinen Enkel.

„Bereits die alte Gemeindevertretung hat eine Geschwindigkeitsbegrenzung beim Kreis beantragt und die neue Gemeindevertretung ebenfalls“, sagt Jörg Perlich, Vorsitzender des Bauausschusses. Doch beide Anträge seien abgelehnt worden. Der Kreis hatte das mit der Begründung abgelehnt, dass sich dieser Teil der Straße außerhalb des Ortes befindet, es sich um eine gerade Strecke handelt und sich bisher keine großen Unfälle ereignet haben.

Kreissprecher Olaf Manzke teilte gestern auf OZ-Anfrage mit, dass es aber denkbar wäre, das Ortschild von Hermannshagen-Heide wieder so zu plazieren, wo es 1991 stand: nämlich am Ende des Dorfes.

Dann müssten sich die Autofahrer an die innerorts vorgeschriebene 50 km/h halten.

Nun bleibt abzuwarten, ob und wann die Gemeinde Saal das Ortsschild umsetzen wird. Bürgermeister Pierson zeigte sich gegenüber der Idee aufgeschlossen.

Werft-Gründer Dierling stammte aus Bartelshagen

1316 wurde Bartels- hagen II im unmittelbaren Hinterland des Saaler Boddens erstmals
urkundlich erwähnt. Das Testament des Fürsten Witzlaw III. von Rügen
regelte hierin eine Übertragung seines Gutsbesitzes an Barther Bürger.
In Bartelshagen II wurden einige
bekannte Schiffbauer geboren,
so im Jahre 1740 Nicolaus Dierling,
der Begründer der Dierling-Werft
in Damgarten. Dort wurden ins-
besondere Barken, Briggs und
Schoner gebaut.
1255 ist Saal erstmals in einer Urkunde der Stadt Barth erwähnt worden. Es war eine verlassene slawische Burganlage an der Mündung des Saaler Bachs.
Im 13. Jahrhundert war Saal Sitz des Vogtes von Rügen und somit Verwaltungszentrum, Marktstätte und Gerichtsort der Provinz, zu dem noch zwölf Dörfer gehörten. Später verlor Saal an Bedeutung, Barth und Damgarten übernahmen diese Rolle. Saal war bis 1952 Teil des Landkreises Franzburg-Barth.



Reinhard Labs

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