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Ribnitz-Damgarten „Es ist wie in einer großen Familie“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Es ist wie in einer großen Familie“
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00:00 29.03.2014
Martin Panteleev freut sich immer wieder, in Barth zu sein. Quelle: Detlef Lübcke

Barth — Gestern Abend haben mit einer ausverkauften Gala im Saal des Hotels „Speicher“ die 13. Barther Kammermusiktage begonnen. Die OZ sprach mit ihrem künstlerischen Leiter — Martin Panteleev.

OZ: Sie haben die Barther Kammermusiktage von Anfang an mit geprägt. Was verbindet Sie mit diesem kleinen, leisen und erlesenen Festival?

Martin Panteleev: Es ist die einzigartige Atmosphäre, die wir im Speicher kreiert haben. Sie ist etwas ganz Besonderes, das ich bisher nirgendwo auf der Welt erlebt habe. Hier hat sich etwas Wunderbares entwickelt. Nicht nur der Musik wegen bin ich jedes Jahr hier. In Barth habe ich viele Freunde. Ich vermisse sie. Es ist wie in einer großen Familie.

OZ: Sie haben im vergangenen Jahr auf vier Kontinenten Konzerte gegeben — und lassen dennoch das beschauliche Barth nicht aus. Wie finden Sie das kleine vorpommersche Städtchen und die Region?

Panteleev: Ich fühle mich hier geborgen. Auch durch die Landschaft. Die Ostsee hat ihren Reiz. Etwas ganz anderes als am Bodensee. Eine abwechslungsreiche Landschaft ist wichtig für Künstler.

Der Saal im Speicher ist wie gemacht für Kammermusik. Er hat eine prima Akustik. Ein riesiges Potenzial, das müssen wir ausnutzen.

OZ: Auch 2014 sind Sie für das Programm zuständig. Worauf können sich die Freunde der Kammermusik freuen?

Panteleev: Auf insgesamt fünf Kammerkonzerte, wobei die Festivaltage keinem starren, jährlich immer wiederkehrendem Programm folgen. Uns erwarten wieder fantastische Künstler und herrliche Klassik, manchmal auch Jazz. Auf Letzteres bin ich sehr gespannt. Auf jeden Fall wird es wieder ein Fest der Seele sein.

OZ: Worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Panteleev: Auf den Eröffnungsabend habe ich mich besonders gefreut. Mein Werk „Episoden“ erlebte hier seine Uraufführung. Etwas ganz Besonderes soll am kommenden Mittwoch der Jazzabend mit dem Acoustic Version Trio werden. Ich werde die drei bulgarischen Musiker bei ihrem Konzert begleiten. Das wird meine Premiere als Jazzmusiker sein. Im Vorprogramm wird sich das Schulorchester des Gymnasialen Schulzentrums Barth beweisen. Dieser Abend ist bereits ausverkauft.

OZ: Ihre Frau und Pianistin Lida Panteleev ist während der Kammermusiktage ebenfalls zu erleben. Sind Ihre beiden Kinder auch mit nach Barth gekommen?

Panteleev: Moana (8) und Martin (5) sind mit von der Partie, die Familie ist also vereint. Gemeinsam nutzen wir die Tage hier auch, um zu entspannen und die Natur zu genießen.

OZ: Sie sind es gewöhnt, vor großem Publikum aufzutreten. Haben in Barth aber auch schon das Gegenteil erlebt

Panteleev: Im März 2002 beim Eröffnungskonzert der ersten Kammermusiktage saßen nur 13 Zuhörer im Saal. Der Kreis der Fans und Liebhaber wuchs aber an. 2012 zählten wir über 1000 Gäste.

Darüber habe ich mich sehr gefreut.

OZ: Woher kommt das Publikum?

Panteleev: Aus Barth und der Umgebung. Aber der Kreis zieht sich noch weiter — von Rostock bis Stralsund. Auch aus Berlin, Hamburg und Köln reisen Besucher zu den Konzerten an.

OZ: Wie finanzieren sich die Barther Kammermusiktage?

Panteleev: Zum einen aus den Eintrittsgeldern. Aber auch über Sponsoren. 2004 hat sich der Art-Club Martin Panteleev gegründet. Er veranstaltet und organisiert seitdem die Kammermusiktage.

Das gibt mir mehr Freiräume für die künstlerische Leitung. Der Verein zählt inzwischen 65 Mitglieder, zwölf waren es zum Anfang.

Zur Person
Martin Panteleev ist Dirigent, Geiger und Komponist. Als bulgarischer Violinvirtuose und Chefdirigent der Sofia Philharmoniker hat sich der hochbegabte Spross einer Musikerfamilie weltweit einen Namen gemacht. Die Sofia Philharmoniker sind das renommierteste Orchester seines Heimatlandes. Der in Sofia geborene Künstler ist sowohl im großen Ensemble als auch im Duo mit seiner Ehefrau und Pianistin Lida Panteleev zu erleben.
Gefeierte Konzerte gab er unter anderem mit den Berliner Symphonikern und dem Johannesburg Philharmonic Orchestra. Kammermusik, eine Musikart, die ursprünglich im engsten Freundeskreis und der trauten Intimität des Wohnzimmer gespielt wurde, holt Martin Panteleev für ein großes Publikum nach Barth.



Interview von Detlef Lübcke

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