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Heiße Ice-Cream zum Dessert

Barth Heiße Ice-Cream zum Dessert

The „Saint“ marches on — Jazz-Legende Chris Barber begeisterte auf der Barther Boddenbühne.

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The Band (v.l.): Amy Roberts (Klarinette, Saxophon und Querflöte), Bert Brandsma (Klarinette, Saxophon), Schlagzeuger Gregor Beck (verdeckt), Chris Barber (Posaune, Bass), Bob Hunt (Trompete, Posaune), Peter Rudeforth (Trompete) und Mike Henry (Trompete, Kornett). Auf dem Bild nicht zu sehen sind Richard Exall (Saxophon, Klarinette), Jackie Flavelle (Bass) und Joe Farler (Banjo, Gitarre).

Quelle: Fotos: Susanne Retzlaff

Barth. Ausverkauft: Die Barther Boddenbühne mutierte am Mittwochabend zu einem brodelnden Hexenkessel. Chris Barber, Ikone der New Orleans Revival Bewegung, war nicht zum ersten Mal im Osten, aber noch nie in Barth. Und so gab er sich sehr erleichtert, das kleine Städtchen gefunden zu haben, das mit ihm und seiner Dixie-Formation eine große Jazz-Session erleben sollte.

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Wolfgang E. Spitzer (70) und seine Frau Heidi aus Erkrath: „Tolle Atmosphäre hier im Barther Theater, fast wie im Jazzkeller!“.

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Mit „The Big Chris Barber Band“ reiste eine 20-köpfige Musiker-Formation an den Bodden, die satten Big-Band-Sound mit quirliger Lebendigkeit zu melodiös-gepflegtem Swing kombiniert, der ohne Umweg in die Fußspitzen geht. Einheimische und Urlauber, Jazz-Experten und Nichtauskenner wippten zu Klassikern wie „Bourbon Street Parade“ oder „Jubilee Stomp“, unüberhörbar und beabsichtigt der Einfluss Duke Ellingtons mit tollen Interpretationen auch weniger geläufiger Stücke wie „Black & Tan Fantasy“. Eine ganze Band virtuoser Solisten, die immer Team-Player blieben und sich gegenseitig glänzen ließen, vermittelte Spaß, Lebensfreude und Lust auf tolle Töne, die sie bei unverkrampften, oft humorvollen Improvisationen ihren Instrumenten entlockten, um sie dann auf Reise zum Publikum zu schicken. Das gab Szenenapplaus für die Kabinettstückchen.

„Ganz toll! Ich mag Jazz, bin aber kein Auskenner“, beschreibt Katrin Stephan, Urlauberin aus Döbeln, ihren ersten Eindruck in der Pause des Konzerts.

Wolfgang E. Spitzer (70) und seine Frau Heidi aus Erkrath machen seit 15 Jahren regelmäßig Urlaub in Wieck. Sie verbinden eine besondere Geschichte mit Chris Barber. Ende der 1950er-Jahre haben sie ihn bereits — zusammen, aber nicht gemeinsam — live in Düsseldorf gehört, als sie, noch ohne einander zu kennen, oft in die selben Clubs gingen. Nun sind sie glücklich, ihn hier in der Stadt Barth in „Jazzkeller-Atmosphäre“ gemeinsam erleben zu dürfen. „Großartig — man denkt, der junge Barber steht auf der Bühne. Er ist sich und dem Big-Band-Sound treu geblieben, aber modifiziert und arrangiert die alten Stücke so, dass sie toll für die neuen Besetzungen passen!“

Wie in alten Trio-Zeiten griff Barber zum Bass und bewies, dass er heute mindestens so gut bei Stimme ist, wie seit Jahrzehnten („Goin' Home“, „Take my hands“). Es bleibt gerade genug Zeit zu applaudieren, und das Tempo zieht noch einmal über „C-Jam-Blues“ an bis zu „Rocking in Rhythm“ — Barth ist „Hot and Bothered“.

Natürlich marschieren schließlich auch die Heiligen ein („When the Saints go marching in“) und Barth bekommt nach stehenden Ovationen die Dixie-Hymne schlechthin, Barbers „Ice-Cream“, zum Dessert.

„Ich bin fasziniert von Temperament und Können, der hat in den letzten 50 Jahren nichts verloren“, Elisabeth Schulz aus Köln und Barth hat Barber 1962 bereits im Londoner Marquee Club gehört. „Ihn jetzt ausgerechnet in Barth wiedersehen zu können, ist für mich etwas ganz besonderes“. Und sie sollte ihm sogar zum Anfassen nahe kommen. Die dichte Jazzclubatmosphäre reichte bis ins Foyer, wo die Ikone mit jedem Gast zu einem Plausch bereit war.

Die Gelegenheit nutzte auch Johannes Pilgrim, der selbst Trompete spielt. „Chris Barber hat mich geprägt. Meine erste Jazzplatte noch in DDR-Zeiten war von ihm“, für die Inspirationen konnte er sich nun per Handschlag bedanken.

„Chris Barber hat mich geprägt. Meine erste Jazzplatte noch in DDR-Zeiten war von ihm.“Johannes Pilgrim, Barth

 

Susanne Retzlaff

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