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Ribnitz-Damgarten Hermstedt kontra Kerth: Die Schlacht geht weiter
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hermstedt kontra Kerth: Die Schlacht geht weiter
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03:40 04.09.2013
Manfred Kubitz erläutert die Bauprojekte.
Barth

Lügt Bürgermeister Stefan Kerth (SPD)? Ja, sagt Rechtsanwalt Peter Hermstedt (FDP) und erläutert seine Position in einem „Offenen Brief“, den er den Stadtvertretern und der OSTSEE-ZEITUNG zukommen ließ. Der Wobau-Aufsichtsrat wollte — so besagt es eine Beschlussvorlage von Hermstedt — anregen, dass ein Rechtsanwalt seiner Wahl mit der Interessenvertretung der Wobau beauftragt werde. Dem habe der Bürgermeister widersprochen.

Kerth habe stattdessen Rechtsanwalt Dr. Dirk Zierau beauftragt, die Wobau-Interessen gegenüber dem geschassten Geschäftsführer Jens Scheyko zu vertreten. Da nun aber Zierau nach Hermstedts Interpretation den Bürgermeister auch in privaten Rechtsstreitigkeiten vertrete, befürchtet er eine „akute Interessenkollision“.

Nein, sagt Bürgermeister Kerth zu dem Lügen-Vorwurf. Bereits in der vorigen Stadtvertretersitzung habe er klar dargelegt, dass es sich bei dem Prozess gegen Hermstedt vor dem Landgericht — übrigens sei man auf Anraten Zieraus vor das Landgericht gezogen — nicht um eine private Aktion gehandelt habe, denn die Verhandlung habe im Zeichen des gesamten Scheyko-Kündigungs-Prozederes gestanden. Kerth war als Bürgermeister vor Gericht, nicht als Privatmann.

Dass Kerth die Suche nach einem anderen Rechtsanwalt für den Aufsichtsrat ablehnte, sei doch logisch: „Wieso sollten hier zusätzliche Rechtsanwaltskosten auftreten, wo doch Zierau als kompetenter Mann bekannt sei und die Wobau-Sache seit langem begleitet?“ Kerth legt noch einen drauf: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Hermstedt durch all seine Aktivitäten von eigenen Interessenkonflikten ablenken möchte!“

Wie der Streit ausgeht, wird am Donnerstag während der Stadtvertretersitzung direkt zu beobachten sein. Zumindest zum Teil: Im öffentlichen Abschnitt der Beratung will man auf CDU- und FDP-Antrag die Hauptsatzung ändern und den Gesellschaftervertrag der Wohnungsbaugesellschaft Barth anpassen.

Über die Aufhebungsvereinbarung mit dem ehemaligen Wobau-Geschäftsführer und damit auch über eine nicht unbeträchtliche Abfindungssumme wird man im nichtöffentlichen Teil der Sitzung beraten. Über die Ergebnisse dieser Diskussion informiert die OSTSEE-ZEITUNG ihre Leser am Sonnabend.

Auch andere Tagesordnungspunkte der morgigen Sitzung sorgen schon im Vorfeld für Wirbel: Der geplante Beschluss zur Oberflächengestaltung der Papenstraße wird von einigen Stadtvertretern wohl nicht bestätigt. Sie stören sich daran, dass die Mauer zum Kirchhof im Rahmen der Baumaßnahmen wieder aufgebaut wird. Das aber wäre allein Sache der Kirche, meint unter anderem der Abgeordnete Mario Galepp in einem etwas sarkastischen „facebook“-Beitrag: „Liebe Kirche, gründet schnell einen Verein zur Rettung der Kirchenmauer, bei den Büchern hat es doch auch geklappt!“ Schon in einer Bauausschusssitzung hatten sich Holger Friedrich und Peter Papenhagen gegen den städtischen Maueraufbau ausgesprochen, obwohl Bauamtsleiter Manfred Kubitz die fachliche Berechtigung und die Notwendigkeit hierzu dargelegt hatte.

Die Abwasserbeseitigung in Fahrenkamp, die Einführung einer Ehrenamts-Card und ein Konzept zur Dammstraße gehören zu weiteren Diskussionspunkten. Interessierte Bürger sind willkommen.

Rathaus, 5. September, 18.30 Uhr.

Abwasser in Fahrenkamp
29 Grundstücke befinden sich im Barther Ortsteil Fahrenkamp. Lediglich fünf Häuser sind ganzjährig bewohnt, die meisten Grundstücke sind für Wochenendhäuser genutzt.

5Varianten für Entwässerungsmöglichkeiten wurden von einem Ingenieurbüro untersucht. Die Ergebnisse werden am Donnerstag in der Stadtvertretersitzung diskutiert.

Sowohl der Bau einer zentralen Kläranlage als auch die Überleitung des Schmutzwassers zur Stadt Barth wird als unwirtschaftlich betrachtet.

Gott, wirf etwas Weisheit ab!
Was macht der Menschheit zu schaffen? Krankheiten, Katastrophen, Krisen. Auf Platz 1 der unerfreulichen Rangliste aber liegt der kommunale Kleinkrieg, in Barth gerade mal wieder mit Elan praktiziert.

Einem Elan, den man allen Beteiligten für die Lösung der tatsächlichen Probleme in Barth wünschen würde.

Stattdessen aber sprechen die Gegner inzwischen nur noch über Anwälte und Gerichte miteinander. Bürgermeister und FDP-Fraktionschef beharken sich vehement, die Stadtvertretung wird am Donnerstag mehrere Tagesordnungspunkte zum Ursprungsthema „Kündigung des Wobau-Chefs“ behandeln. Wer erwartet, dass in einer kleinen Stadt wie Barth die Politiker aller Coleur sachlich miteinander reden könnten, wird seit Monaten eines Besseren belehrt.

Sehr beliebt für den derben Gedankenaustausch sind in Barth auch soziale Netzwerke. Ein Abgeordneter tut in „facebook“ kund, was er von der Kirche hält. Nämlich gar nichts. Wobei es beim Streit nicht etwa um religiöse Ansichten, sondern um eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt geht.

Ach, lieber Gott, schütte doch mal wieder eine klitzekleine Prise Weisheit über Barth aus.

Stadt und Wobau brauchen Ruhe, vor allem vor Ihren willkürlichen Handlungen.“FDP-Fraktionsvorsitzender Peter Hermstedt in einem Offenen Brief an den Barther Bürgermeister Stefan Kerth (SPD)

Hans-Joachim Meusel