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Kenz-Küstrower sammeln Müll

Kenz-Küstrow Kenz-Küstrower sammeln Müll

Die Einwohner machten einen Tag den Job des Gemeindearbeiters. Etwa 400 Kilogramm Abfall kamen zusammen.

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Erst drei Jahre alt und schon schon zum zweiten Mal beim Müllsammeln dabei: Niclas Bandlow aus Rubitz.

Quelle: Detlef Lübcke

Kenz-Küstrow. Im Wiesengrund des kleinen Dörfchens Rubitz herrscht an diesem Morgen im Vergleich zu sonst ungewöhnliche Betriebsamkeit. Die einen sind zu Fuß unterwegs, die anderen kommen mit dem Auto. Ziel für alle ist der Hof von Harald Reinecke. Harald Reinecke ist der Bürgermeister der 506-Seelen-Gemeinde Kenz-Küstrow. Kurz vor 9 Uhr füllt sich sein Hof mehr und mehr.

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Erst drei Jahre alt und schon schon zum zweiten Mal beim Müllsammeln dabei: Niclas Bandlow aus Rubitz.

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Wenn es um die Sauberkeit im Ort geht, haben größere Städte wie Rostock ihre Stadtreinigung. In Gemeinden wie Kenz-Küstrow gehört das saubere Dorfbild jedoch mit zu den Aufgaben des Gemeindearbeiters.

Und hier gibt es eine besondere Gepflogenheit: Einmal im Jahr entlasten die Kenz-Küstrower ihren Gemeindearbeiter dabei. Im Frühjahr treffen sie sich, um gemeinschaftlich in allen fünf Ortsteilen Müll aufzusammeln. 27 sind es diesmal, die dem Aufruf der Gemeinde gefolgt sind — Frauen, Männer und sogar fünf Kinder.

„Diese Müllsammelaktion ist bereits Tradition bei uns. 1998 oder schon 1997 haben wir damit angefangen“, sagt Harald Reinecke. Damals nur an der Straße zwischen Rubitz und Küstrow. Inzwischen hat sich die Sammelaktion auf die ganze Gemeinde ausgeweitet.

Den Termin hatte die Gemeindevertretung in ihrer jüngsten Sitzung festgelegt. Und gleich auch noch einen zweiten, für den kommenden Sonnabend. „Der zweite Termin war aber nur für den Fall gedacht, wenn beim ersten das Wetter so schlecht gewesen wäre, dass der Einsatz abgeblasen werden müsste“, erklärt der Bürgermeister.

Petrus scheint das Ansinnen der Kenz-Küstrower mit einem Augenzwinkern voll unterstützen zu wollen. Reinecke lädt noch zwei Kästen mit Getränken von der Ladefläche seines Transporters und stellt sie beiseite. Die sind für später. Seine Frau kommt mit einer leichteren Kiste. Darin sind Arbeitshandschuhe. „Wer noch Handschuhe braucht, hier, bitteschön“, ruft Elisabeth Reinecke in die Runde. Die Leute bedienen sich.

Der Bürgermeister schaut zum Himmel und strahlt, während er die blauen Säcke austeilt. „Das Wetter hätte heute für unser Müllsammeln nicht besser sein können“, sagt er und schimpft ein bisschen auf den Wetterbericht. Der hätte gar nicht so gute Vorhersagen getroffen.

Die Sonne lacht und es scheint, als würde sie das zumindest auch den Vormittag über noch. Was am Nachmittag wird, kann den Müllsammlern egal sein, denn der Einsatz ist nur bis Mittag geplant.

Der kleine Niclas Bandlow aus Rubitz ist einer der jüngsten Teilnehmer. Er ist erst drei Jahre jung. „Niclas war auch im vergangenen Jahr schon mit dabei“, erzählt sein Vater und ergänzt schmunzelnd:

„Im Jahr zuvor wäre er dafür noch zu klein gewesen, da saß er noch in der Sportkarre“. Niclas trägt Arbeitshandschuhe, ein Paar für Kinder. Stolz hält er seine Hände nach oben und präsentiert die gelben Handschuhe.

Jeder kennt jeden. Harald Reinecke hat zwar schon jedem Einzelnen die Hand gegeben, doch nun begrüßt er alle zusammen noch einmal offiziell. „Ich würde sagen, wir bilden sechs Arbeitsgruppen“, schlägt er vor. Viele sind bereits wiederholt dabei. Sie wollen nicht nur etwas für ein schöneres Dorfbild tun. Sie wissen auch, dass so ein Einsatz das Zusammengehörigkeitsgefühl der Einwohner stärkt.

Die Müllsammler schwirren aus, um sich alle Ortsteile und alle Straßen vorzunehmen. Die einen machen sich auf den Weg nach Dabitz, die anderen nach Kenz, nach Küstrow oder nach Zipke. Der Rest nimmt sich Rubitz vor.

Ruhe kehrt ein auf dem Reinecke-Hof. Für knapp drei Stunden. Dann finden sich alle Müllsammler dort wieder ein. Auch die Arbeitshandschuhe vom kleinen Niclas sind nun nicht mehr ganz so sauber wie vorher.

Auf den Ladeflächen der Kleintransporter befinden sich etliche gefüllte blaue Säcke. Harald Reinecke schätzt die aufgesammelte Menge auf 300 bis 500 Kilogramm Müll. Darunter befinden sich auch eine Elektromotorsäge, Autoreifen, Teppiche, ganz viele Fast- Food-Verpackungen und Flaschen. Alle diese Sachen werden nun erst einmal bei Harald Reinecke verwahrt und dann der Entsorgung zugeführt.

Ganz beendet ist der Einsatz noch nicht. Nun kommt der gemütliche Teil. Der Bürgermeister spendiert Bockwürste und Getränke.

Stunden später, als alle schon zu Hause sind, findet sich leider schon wieder Müll am Wegesrand an — ein ausgedienter Vogelkäfig an der Straße zwischen Rubitz und Küstrow. Aber auch er ist nun weg, die Gemeinde besenrein. Ostern kann also kommen in Kenz-Küstrow.

 



Detlef Lübcke

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