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Mehr Platz für die Natur an der Barthe

Barth Mehr Platz für die Natur an der Barthe

Die Renaturierung des Flusses beginnt bei Wobbelkow. Der alte Lauf wird wieder hergestellt.

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Die Mündung der Barthe in Barth. Der alte Barthe-Arm bei Wobbelkow wird wieder an den Flusslauf angeschlossen.. Fotos (2): Claudia Haiplick

Barth. Die Barthe bekommt ihr altes Flussbett zurück. Zumindest in einem Teilabschnitt. Der alte Barthe-Arm bei Wobbelkow wird wieder an den Flusslauf angeschlossen. Damit kann der Fluss, wie zu altvorderen Zeiten, seinen ganz eigenen Gesetzen folgen. Für Botaniker Gerd Albrecht ist die Renaturierung des Flusses bei Wobbelkow ein erster Schritt in die richtige Richtung.

„Dadurch gewinnt die Barthe ihre natürliche Dynamik zurück. Durch die Maßnahme räumen wir dem Fluss wieder seine Gestaltungsmöglichkeiten ein“, verdeutlicht Gerd Albrecht. Nach dem Anschluss des Altarms sollen in Richtung Wobbelkow dann neue Flussschleifen angelegt werden. Die ersten Vorbereitungsarbeiten für die Renaturierung haben mit der Brückenumverlegung über die Barthe an der Landesstraße 23 bereits begonnen (die OZ berichtete). Das Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt des Straßenbauamtes (SBA) Stralsund mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) unter Einbeziehung des Flurneuordnungsverfahrens Divitz.

„Indem die Barthe jetzt ihren alten Lauf zurückbekommt, kann das Wasser länger in den Niederungen verbleiben, was erneut für eine lebendige Vielfalt im und am Fluss sorgen wird. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten brauchen ihren ganz eigenen Lebensraum“, erklärt Albrecht, Leiter des Vineta-Museums Barth. Die Renaturierung werde erhebliche ökologische Auswirkungen haben. Fest stehe: Die Barthe werde dadurch in die Lage versetzt, in Teilbereichen schneller und dann wieder langsamer, beschattet und unbeschattet zu fließen. Vielen Arten biete das Flussbett dann einen Lebensraum. Schon jetzt ist die Barthe Heimatstatt vieler Tiere und Pflanzen. So sind der Fischotter und der Eisvogel am Fluss weit verbreitet. Aber auch seltene Arten leben dort. „Die Barthe ist das einzige Gewässer in Vorpommern, wo die Bachmuschel noch vorkommt. Die Bachmuscheln sind sehr empfindlich gegenüber Wasserverunreinigungen“, so Gerd Albrecht. Als 1999 die Sohlschwelle bei Redebas zurückgebaut worden war, habe man eine lebende Bachmuschel gefunden. 2012 dann wurden bei einer intensiven Suche weitere entdeckt.

Durch die Begradigung und Vertiefung des Flusses in den 1980er-Jahren verschwanden Weißstorch und Schwarzstorch aus den Dörfern entlang der nördlichen Barthe. Während damals noch fast in jedem Ort ein Horst vertreten und auch regelmäßig bewohnt war, kommen heute nur noch vereinzelt Störche in die Region. Gerd Albrecht hofft, dass sich das mit der Renaturierung ändern werde, weil die Störche wieder Niederungen mit Futter für sich vorfinden. „Ein guter Gewässerrandstreifen mit viel Grünland ist eine gute Pufferzone und wird viele ökologische Probleme auch hinsichtlich unseres Trinkwassers lösen“, ist sich Albrecht sicher. Durch die Begradigung war es seinerzeit möglich geworden, die Äcker direkt bis zum Uferrand intensiv zu nutzen, wodurch bei Hochwasser Düngemittel und Reste von Pflanzenschutzmitteln in den Fluss geschwemmt wurden. Was am Ende auch Auswirkungen aufs Grundwasser hatte. Gerd Albrecht würde sich wünschen, dass es mit der Renaturierung in Richtung Divitz weiter ginge. Immerhin stehe die alte Divitzer Wasserburg auf Eichenpfählen, die von Wasser umgeben sein müssen. So soll verhindert werden, dass sie vermodern und das Bauwerk noch mehr Schaden nimmt. „Dafür müssen wir den Wasserstand im Burggraben stabilisieren, was am besten durch einen Anschluss an die Barthe gelingen könnte. Auch für den Wasserhaushalt im Schlosspark wäre es das Beste“, meint Gerd Albrecht. Schlossbesitzer Ingolf Stein habe sich bisher intensiv darum bemüht, dass der Burggraben immer ausreichend Wasser führe.

Um dem Fluss zu helfen, ist Gerd Albrecht für einen Durchstich zur Ostsee. Denn Fakt ist: Solange der Zugang bei Straminke und am Prerower Strom zur Ostsee offen war, konnte bei Ostwind das Hochwasser abfließen. Seitdem er zu ist, drückt das Wasser in die Barthe hinein und sorgt bei Divitz oft für Hochwasser. „Ein Durchstich würde eine wesentliche Verbesserung des Ökosystems und der Artenvielfalt bedeutet. Wir hätten in der Barthe wieder einen Fischreichtum wie früher“, sagt Gerd Albrecht.

Fluss ändert Fließrichtung
Die Barthe ist ein Niederungs- und Auefluss, der zudem seine Fließrichtung ändert. Bis Hövet fließt die Barthe mit geringem Gefälle in einer Niederung mit Moorcharakter von Ost nach West. Der Fluss hat hier sehr viel Platz für Überschwemmungen.

Doch dann ändert die Barthe die Richtung nach Norden und zugleich ihren Charakter. Der Grund: Aus dem südlichen Franzburg kommt der Wolfsbach als größter Zubringerfluss hinzu. „Ab hier gibt es dann ein großes Gefälle und kaum Niederungswiesen. Bis der Fluss dann den pommerschen Landrücken in Höhe Redebas durchbricht und erneut ruhiger wird“ erklärt Botaniker Gerd Albrecht.

 



Claudia Haiplick

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