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Ribnitz-Damgarten Riesige Freude über europäischen Kulturerbe-Preis
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Riesige Freude über europäischen Kulturerbe-Preis
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00:00 22.03.2014
1398 erstmals erwähnt: Die Barther Kirchenbibliothek ist wahrscheinlich die älteste Deutschlands. Quelle: OZ

Die Freude beim Förderverein „Kirchenbibliothek St. Marien Barth“ ist groß. Als einziger deutscher Preisträger erhält der Verein am 5. Mai in Wien einen der renommierten EU-Preise für die Erhaltung des kulturellen Erbes — einen Europa Nostra Award. „Das freut uns ganz besonders“, kommentierte gestern Professorin Ulrike Volkhardt, 1. Vorsitzende des Fördervereins, die Entscheidung der internationalen Jury. „Es war ja eine intensive und harte Arbeit, die wir da reingesteckt haben, ein großes Engagement von vielen Seiten. Und dass man dann so einen bedeutenden europäischen Preis dafür bekommt, das ist erstens eine schöne Anerkennung und zweitens hilft es natürlich auch weiter, weil die Aufgaben ja noch nicht ganz abgeschlossen sind“, sagte sie. Der Bau sei zwar wiederhergestellt, die Bücher unter korrekten Bedingungen untergebracht und gesichert worden. „Aber jetzt müssen all diese vielen wertvollen Bücher restauriert werden. Das braucht noch unendliche Finanzreserven“, erläuterte Ulrike Volkhardt. Die Hannoveraner Musikerin hat die Gründung des Fördervereins und die Sanierung der Kirchenbibliothek initiiert.

Der Förderverein erhält den Preis für sein Projekt „Biblioteca Bardensis (1398): Rettung — Konservierung — Nutzung“. Die Jury würdigt hiermit das ehrenamtliche Engagement für die historische Kirchenbibliothek in Mecklenburg- Vorpommern. Sie betrachtet dieses Engagement „als eine Art Modellprojekt für Bewahrung“.

Für Ulrike Volkhardt unterstreiche die Auszeichnung die internationale Bedeutung der Biblioteca Bardensis. „Im Juni wird der Förderverein den Preis und das Projekt im Beisein von Vertretern der EU-Kommission in Barth präsentieren“, kündigte sie an.

Die Marienkirche in Barth ist im Besitz der wahrscheinlich ältesten Kirchenbibliothek Deutschlands — darunter alle Lutherschriften in der Erstausgabe, Schriften Melanchtons und des Barther Reformators Johannes Block. Die Bibliothek wurde zum ersten Mal 1398 erwähnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Gemeinde aufgrund ihrer begrenzten Möglichkeiten die Bibliothek nur notdürftig schützen, sodass viele der 4000 Bücher durch Schimmel und Papierfraß beschädigt wurden.

2011 haben die Gemeinde und ein Freundeskreis mit der Hilfe eines wissenschaftlichen Beirats den historischen Raum der Bibliothek nach und nach restauriert: Die Fenster erhielten neue Bleiverglasungen, die Gewölbe einen neuen Anstrich und der Raum ein System zur Kontrolle der klimatischen Bedingungen. Der gesamte Buchbestand wurde in Leipzig von Experten getrocknet und gereinigt.

Anschließend wurde er neu in Regale sortiert, mit Informationen für Besucher versehen und wieder öffentlich zugänglich gemacht.

27 Gewinner in vier Kategorien
Mit dem EU-Preis werden neben
hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet des Kulturerbes außerordent-
liche Fahigkeiten und Standards im Denkmalschutz gewürdigt.
160 Projekte aus 30 Ländern waren nominiert. 27 Gewinner in den vier Bereichen Erhaltung, Forschung, engagierter Einsatz sowie Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung werden am 5. Mai im Wiener Burgtheater ausgezeichnet. EU-Kommissarin Androulla Vassiliou sowie der weltbekannte Tenor und Europa-Nostra-Prasident Placido Domingo werden die Auszeichnungen gemeinsam überreichen.
6 Gewinner erhalten einen mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis. Außerdem wird ein Publikumspreis nach einer von Europa Nostra organisierten Online-Abstimmung verliehen.
Europa Nostra ist eine wachsende Bürgerbewegung, die sich für den Schutz des europäischen Kultur- und Naturerbes einsetzt. Mit seinem großen europaweiten Netz von Mitgliedern, assoziierten Behörden und Verbänden sowie Partnern ist Europa Nostra ein einflussreicher Lobbyist fur Kulturerbe-Belange. Die Organisation setzt sich auch für den Schutz gefährdeter Denkmäler, historischer Statten und Landschaften in Europa ein.



Detlef Lübcke

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