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Ribnitz-Damgarten Wunsch: 50 Boote zur 50. Regatta
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wunsch: 50 Boote zur 50. Regatta
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04:08 03.09.2013
Anfang der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts entstand dieses Bodstedter Hafenfoto für eine Ansichtskarte.
Bodstedt

Während der 49. Bodstedter Zeesbootregatta vom 6. bis zum 8. September wird es im Bodstedter Hafen eng zugehen. Grund für die Einschränkungen ist der Umbau des Hafens zu einem Wasserwanderrastplatz.

Immer dienstags treffen sich seit Juni die Unternehmen mit Vertretern der Gemeinde, des Bauamtes sowie des Vorstandes vom Verein Traditionshafen Bodstedt zu den Bauberatungen. Ihr Anliegen: die rechtzeitige Fertigstellung des Projektes vor dem großen Jubiläum, der 50. Großen Bodstedter Zeesbootregatta im Jahr 2014.

Am 22. Juni erfolgte der offizielle Baustart im nordöstlichen Teil des Hafengeländes. Gleich zu Beginn wurde die baufällige hölzerne Anlegebrücke abgerissen, die bröckelnde nördliche Kaiwand aus Beton ebenfalls abgebrochen und auf einem Teilabschnitt durch eine Stahlspundwand ersetzt.

Die Verantwortlichen gehen davon aus, den Wasserwanderstützpunkt im Juli 2014 übergeben zu können. Dann wird sich die Wasserfläche des Hafens fast verdoppelt haben. Dazu sind unter anderem aus neun Meter langen Bohlen 500 Meter Spundwände zu rammen. Deren Gesamtgewicht beträgt 500 Tonnen, wie Hafenplaner und Geschäftsführer Dr. Dirk Rarrasch vom Ingenieur- und Wirtschaftsbüro Rostock informierte. Die Vergrößerung der Wasserfläche mache sich wegen des geplanten Doppelfähranlegers notwendig, an dem zwei Ausflugsschiffe gleichzeitig anlegen können. „Davon sollen vor allem unsere regionalen Reedereien profitieren“, prognostizierte Bürgermeister Eberhard Groth. Aber auch für die Wassersportler verbessern sich die Bedingungen. Die 40 Liegeplätze werden durch eine Trailerslip ergänzt; durch Ausbaggern soll die Wassertiefe im Hafen bis zu 2,50 Meter betragen. Natürlich umfasst das Projekt auch Licht- und Stromsäulen, Wasseranschlüsse, Wege vor den Liegeplätzen und weitere Hafenausstattungen. Im ersten Bauabschnitt im Vorjahr waren bereits ein Parkplatz und Wege gestaltet sowie ein Sanitärgebäude errichtet worden. Nicht vergessen wurde bei den Planungen der Liegeplatz für den ortsansässigen Fischer. „Das Urgewerbe unserer Gemeinde soll erhalten bleiben“, versprach Eberhard Groth.

Laut Bürgermeister ist es etwa zehn Jahre her, dass in der Gemeindevertretung die Umgestaltung des Hafens beschlossen wurde. Richtig konkret geworden sei es in den letzten vier Jahren. „2011 waren wir uns einig: Falls wir es bekommen, dann soll es bis zur Jubiläumsregatta fertig sein. Es war ein glücklicher Umstand, dass wir in diesem Jahr beginnen konnten“, freute sich das Gemeindeoberhaupt.

„Mit den Kosten von 2,7 Millionen Euro ist es das bisher größte öffentliche Vorhaben unserer Gemeinde und wird im Umfang wahrscheinlich nur durch die privat getätigten Investitionen im Ferienhausgebiet ‚Kranichsruh‘ übertroffen. 90 Prozent unserer förderfähigen Kosten werden durch das Land übernommen.“

Er würdigte die enge Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Traditionshafen-Verein bei allen Fragen rund um den Hafenbau. Vereinsvorsitzender Nils Rammin versicherte, dass die Vereinsmitglieder hinter dem Vorhaben stünden und Verständnis für die zeitweiligen Einschränkungen zeigten. „Am Ende haben wir ja alle etwas davon.“

Am Tag nach der 49. Zeesbootregatta werden neben den Gästen auch die in Bodstedt beheimateten Zeesboote den Hafen verlassen, um dort für die nächsten Monate Baufreiheit zu schaffen. Die meisten Boote werden bis zum nächsten Sommer auf Ausweichplätzen in der Werft Rammin am Barther Wirtschaftshafen und beim Bootsservice Rammin an der Barthe liegen.

Wenn der neue Wasserwanderrastplatz im Sommer 2014 in Betrieb geht, sind damit die Voraussetzungen für eine besonders hohe Regattabeteiligung gegeben. „Mindestens 50 Zeesboote zur 50. Großen Bodstedter Zeesbootregatta“, formulierte Nils Rammin das Wunschziel der Klassenvereinigung.

Am Hafenbau in Bodstedt beteiligt sind das Ingenieur- und Wirtschaftsbüro Rostock sowie das Wasserbauunternehmen „Colcrete von Essen“ und die Bautaucherei und Bergungsbetrieb Barth, die sich für dieses Vorhaben zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben.

Zeitzeugen erinnern sich
Ferdinand „Fredi“ Flemming (61) kann sich gut an das Aussehen des Hafens in seiner Kindheit erinnern. Als Sohn eines Fischers war er in einem Haus direkt neben dem Hafenbecken geboren worden und aufgewachsen. „Bis 1961 waren nur die Ost- und die Südseite mit Pfählen und Faschinen befestigt“, weiß er noch. 1961 sei die bis heute vorhandene Kaimauer aus Beton errichtet worden. „1988 rammte dann eine Pioniereinheit der NVA die hölzerne Anlegebrücke.“

Günter Freese (77), damals Bürgermeister der Gemeinde, weiß mehr: „Die Pioniereinheit bestand aus Reservisten, denen der Brückenbau als Übung dienen sollte.“ Das Holz sei über Förster Eckehard Westphal beschafft worden. Nach dem Schlagen hätten die NVA-Pioniere die Stämme über ein mobiles Sägegatter geschoben, das auf dem Gelände des Campingplatzes stand. „Das Ziel des Brückenbaus war die Schaffung einer Anlegemöglichkeit für den Ausflugsdampfer, damit dieser nicht mehr im Hafen drehen muss und dabei die Kaiwand unterspült.“ Die Pioniereinheit sei auf Wunsch der Gemeinde durch die Kreisverwaltung vermittelt worden. „Gekostet hat uns der Brückenbau dadurch gar nichts, aber wir haben zum Abschluss einen Kräftigen ausgegeben“, erinnerte sich der Rentner.vs

Das Urgewerbe unserer Gemeinde — die Fischerei — soll erhalten bleiben.“Bürgermeister

Eberhard Groth

Volker Stephan

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