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Ribnitz-Damgarten Mann bremst mit Unfall Auto aus: „Ich fühle mich nicht als Held“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mann bremst mit Unfall Auto aus: „Ich fühle mich nicht als Held“
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17:47 27.11.2018
Matti Meinert verhinderte mit seinem mutigen Handeln Schlimmeres. Als Held fühlt sich der 30-Jährige dennoch nicht. Quelle: Robert Niemeyer
Barth

Es ist kurz vor drei Uhr am Montagnachmittag. Ein Termin noch an diesem Nachmittag. Matti Meinert, Chef der gleichnamigen Systembau GmbH, steigt in einen der Firmentransporter und macht sich auf den Weg. Doch nur wenige hundert Meter weiter nimmt der Tag einen ganz anderen Verlauf als gedacht, mit tragischem Ausgang.

„Ich habe zunächst nur gesehen, wie ein Auto über eine Verkehrsinsel gefahren ist“, erinnert sich der 30-Jährige am Dienstag. Im Reifergang in Barth befindet sich Meinert plötzlich hinter dem Nissan. „Das war wie Ping-Pong.“ Der Wagen vor ihm schlingert von rechts nach links, erwischt einen Bordstein, steuert plötzlich auf eine Kurve zu. „Ich dachte, dass er in ein Haus fährt. Es war klar, dass da was nicht stimmt. Entweder ist der Fahrer betrunken oder er hat gesundheitliche Probleme“, sagt Meinert.

Der Maurermeister denkt nicht viel nach. Er erkennt die Gefahr. Handelt mutig, nimmt dabei sogar für sich selbst ein Risiko in Kauf. Er überholt den Wagen. Im Augenwinkel sieht er, wie der Fahrer starr nach unten schaut, offenbar keine Kontrolle über das Fahrzeug hat. Meinert setzt seinen Wagen vor den Nissan, bremst ab, behutsam, sorgt für einen kontrollierten Auffahrunfall. „Das ging relativ schnell“, sagt er. Auf Höhe der Wendestraße kommen beide Fahrzeuge zum Stehen. „In dem Moment denkt man nicht großartig nach. Aber klar fragt man sich hinterher, was wohl passieren hätte können, wenn hinter der Kurve Fußgänger gewesen wären“, so der Vater eines kleinen Jungen.

Richtig gehandelt

Er habe das Richtige getan, hört er am Dienstag aus seinem direkten Umfeld. Auch Meinert sagt: „In solch einer Situation sollte jeder so handeln.“ Die Polizei lobt ihn für sein couragiertes Handeln. „Durch das mutige Fahrmanöver verhinderte der 30-Jährige in der Innenstadt von Barth möglicherweise einen schweren Verkehrsunfall“, heißt es in einer Stellungnahme der Polizeiinspektion (PI) Stralsund. In einem persönlichen Treffen wolle der Leiter der PI Meinert noch persönlich danken.

Doch der Barther reagiert zurückhaltend. „Ich fühle mich nicht als Held. Das hat einen bitteren Beigeschmack“, sagt er. Denn die Geschichte endete tragisch.

Kein wirklicher Trost

Unmittelbar, nachdem beide Fahrzeuge hielten, sprang er aus seinem Auto, eilte dem 58-jährigen Mann zur Hilfe. „Er war apathisch“, erinnert sich Meinert. Eine Frau kam zur Hilfe. Gemeinsam hielten sie den Mann bei Bewusstsein. Meinerts Vater, der zufällig zwei Wagen weiter stand, rief den Rettungsdienst. „Er hat kaum Luft bekommen. Aber er war ansprechbar.“ Als die Rettungskräfte den Mann mitnehmen, ist er noch am Leben. Doch später verstirbt er. „Deshalb fühle ich mich nicht wirklich toll. Da ist ein Mensch gestorben“, sagt der 30-Jährige. Später erfährt er, dass der 58-Jährige bereits früher gesundheitliche Probleme hatte, sich ein ähnlicher Vorfall schon einmal ereignet hatte. Ein wirklicher Trost ist das nicht.

„Ich würde wieder so reagieren“, sagt der vermeintliche Held. Was nun bleibt, ist der Schaden an seinem Fahrzeug. Ob die Versicherung ihn bezahlt, weiß Meinert nicht. Aber eigentlich ist das auch nebensächlich.

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