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Ribnitz-Damgarten Bauen in der Bernsteinstadt: Wer bietet am meisten?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Bauen in der Bernsteinstadt: Wer bietet am meisten?
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00:00 12.12.2017
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Ribnitz-Damgarten

Verprellt die Stadt Ribnitz-Damgarten einheimische Häuslebauer? Die Baugrundstücke im neuen Wohngebiet Sandhufe IV im Südosten von Ribnitz werden per Gebotsverfahren vergeben. Kritiker befürchten, dass dadurch Bauwillige mit eher kleinem Budget benachteiligt werden. „Ich befürchte, dass Normalverdiener nicht die Möglichkeit haben, hier zu bauen“, sagt beispielsweise Sven Plewka. Der 35-Jährige möchte mit seiner kleinen Familie endlich ein Eigenheim bauen. Mit dem Mindestgebot rechnet er sich jedoch keine großen Chancen aus. „Der Preis ist vielleicht schnell überboten, zum Beispiel durch Ältere aus den alten Bundesländern, die mehr verdienen“, so der Ribnitz-Damgartener.

Mit dabei ab 80 Euro

Das Verfahren läuft folgendermaßen: Pro Grundstücks-Interessenten sind drei Gebote für drei verschiedene Grundstücke abzugeben, die nach Priorität sortiert werden. Ist eines der Gebote das Höchstgebot, gibt es den Zuschlag, wobei jeder nur ein Grundstück kaufen kann. Sind für ein Grundstück mehrere Höchstgebote gleich, entscheidet das Los. Außer, dass eine Finanzierungsbestätigung der Bank mitgeliefert werden muss, gibt es keine weiteren Auswahlkriterien.

Die 46 Grundstücke in der Sandhufe IV sind zwischen 514 und 988 Quadratmeter groß. Für jedes Grundstück gibt es ein Mindestgebot. Diese liegen zwischen 80 und 95 Euro pro Quadratmeter. So müssen für ein 516 Quadratmeter großes Grundstück beispielsweise knapp 41300 Euro hingelegt werden, das teuerste Grundstück hat einen Mindestpreis von 93860 Euro bei einer Größe von 988 Quadratmetern.

Sven Plewka kritisiert dabei, dass es keine sozialen Auswahlkriterien beim Gebotsverfahren gibt. So sollten auch Bieter mit niedrigem Einkommen, die nur das Mindestgebot abgeben können, berücksichtigt werden. Außerdem schlägt er ein Punktesystem vor, das mit den Geboten verrechnet wird. So sollten Einheimische Zusatzpunkte bekommen. Wenn der Haushalt Kinder hat, sollten weitere Punkte hinzugezählt werden. Auch wenn die Interessenten in Ribnitz-Damgarten arbeiten, sollten sie größere Chancen haben, ein Grundstück zu bekommen. „Ribnitz-Damgarten ist mit seiner Infrastruktur sehr attraktiv“, sagt Sven Plewka, „ich bin hier groß geworden und möchte ungern aufs Dorf ziehen.“

Heiko Körner, stellvertretender Bürgermeister und Leiter des Ribnitz-Damgartener Bauamtes, betont auf Nachfrage, dass eine Kommune laut Kommunalverfassung Grundstücke nicht unter Wert verkaufen dürfe. Es gebe drei Wege, Baugrundstücke an den Mann zu bringen: Per Auktion, per gutachtlich ermitteltem Festpreis oder eben per Gebotsverfahren. „Seit 2014 hat die Stadt mit dem Gebotsverfahren gute Erfahrungen gemacht“, sagt Körner. Für das Wohngebiet Sandhufe IV seien in der ersten Ausschreibungsrunde 23 Angebote für die 46 Grundstücke eingegangen. „Wir hatten nicht erwartet, im ersten Durchgang alle Grundstücke an den Mann bringen zu können“, so Körner.

Das Ziel: Die schwarze Null

Anhand der eingegangenen Angebote werde nun zumindest geprüft, ob tatsächlich höhere Angebote von Auswärtigen Gebote von Einheimischen übertrumpfen würden. Soziale Kriterien zukünftig bei der Vergabe anzusetzen, sei jedoch nicht vorgesehen. Körner verweist dabei auf die Wirtschaftlichkeit des Grundstücksverkaufs. Im Vergleich zu größeren Städten mit höherer Nachfrage seien in Ribnitz-Damgarten die Mindestpreise relativ niedrig angesetzt. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen soziale Kriterien“, so der Bauamtsleiter. Allerdings dürfen Abschläge aufgrund sozialer Gesichtspunkte nicht dazu führen, dass „die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt wird“.

Die Stadt ziele zwar nicht auf Gewinnmaximierung ab, im roten Bereich dürfe die Bilanz aus den Kosten, die der Stadt unter anderem für die Planung und Erschließung der Baugebiete entstehen, und den Einnahmen durch den Verkauf nicht landen. „Ziel ist eine schwarze Null“, so Heiko Körner.

Statt sozialer Kriterien biete die Bernsteinstadt andernorts günstiger Grundstücke, etwa in Damgarten oder Freudenberg. Zumeist bestehe auch die Möglichkeit, ein Grundstück per Erbbauzins zu pachten, falls der Kauf nicht finanzierbar ist.

Die zweite Runde bei der Vergabe der verbliebenen Grundstücke der Sandhufe IV soll im Februar, spätestens im März starten.

Robert Niemeyer

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