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Ribnitz-Damgarten Bauer Hartmann macht künftig auf Bio
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Bauer Hartmann macht künftig auf Bio
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01:09 19.04.2018
Ohne zusätzliche Tiere geht die Umstellung des Landwirtschaftsbetriebes auf ökologischen Landbau nicht. Frank Hartmann bei seinen Aberdeen und Deutschen Angus-Rindern. Quelle: Foto: Timo Richter

Komplett umkrempeln will Frank Hartmann seinen Landwirtschaftlichen Betrieb vor den Toren Wustrows. Der 52-Jährige will dem konventionellen Ackerbau den Rücken kehren und das Familienunternehmen auf ökologisch betriebenen Landbau umstellen. Zunehmend genervt zeigt sich Hartmann von Anfeindungen gegenüber konventionell betriebener Landwirtschaft. Und auch einige Landeigentümer haben die Umstellung der Arbeitsweise gewünscht, sagt Hartmann. Insgesamt bewirtschaftet er 280 Hektar in Wustrow und Ahrenshoop. Die offizielle Umstellung soll schon zum 15. Mai erfolgen.

Die Umstellung auf ökologischen Landbau hat möglicherweise Auswirkungen auf die Region. Weil Frank Hartmann industriell hergestellten Dünger und herkömmliche Pflanzenschutzmittel dann nicht länger verwenden darf, will er den Nährstoffbedarf der Pflanzen mit Dünger aus tierischer Produktion ersetzen. Rund 250 Stück Großvieh, Rinder und Schweine fehlen nach Einschätzung Hartmanns derzeit, um den Bedarf für den ökologischen Ackerbau zu decken. Folge: Die Geruchsbelästigung durch Jauche und Mist auf dem Fischland wird eventuell zunehmen. Das sei der Preis für ökologischen Landbau.

Ungewiss ist allerdings, ob die Vorstellungen Hartmanns Realität werden können. Denn für zusätzliche Tiere müsste auch ein Stall gebaut werden. In der Vergangenheit, rechnet der Landwirt vor, existierten allein auf dem Fischland 27 landwirtschaftliche Betriebe, jeweils mit an die zehn Schweinen und Rindern. Bis zur Einrichtung der LPG standen auf dem Fischland 300 bis 500 Rinder und Schweine auf den Weiden. Die Produktion von Nährstoffen für die Äcker sei bis dahin mit den Ausscheidungen der Tiere gesichert gewesen. In diese Richtung weist der Weg im Zusammenhang mit der geplanten Umstellung des Betriebs.

Vom Ackerbau jedenfalls will sich Frank Hartmann, der seit 1991 auf dem Fischland aktiv ist, nicht verabschieden. „Ich will auf dem Fischland weiterhin Ackerbau betreiben und damit die Kulturlandschaft mit Druschfrüchten erhalten“, sagt der Landwirt. Mit der Umstellung des Betriebs könnte sich die Fruchtfolge auf den Feldern ändern. Derzeit gibt es mit konventionell betriebener Landwirtschaft eine fünfgliedrige Fruchtfolge. Nach der Umstellung könnte es eine siebengliedrige werden. Geplant ist beispielsweise, die Anbaufläche für Erbsen zu vergrößern. Neu gepflanzt werden könnten Lupinen. Denkbar sei auch der Anbau alter, aber jetzt wieder nachgefragter Getreidesorten wie Dinkel oder Buchweizen.

Als „persönliche Belastung“ hat Frank Hartmann in der Vergangenheit den Einsatz der „Giftspritze“ empfunden. In dem touristisch genutzten Gebiet sei an den Feldrändern eben mehr Bewegung. Ob allerdings Pflanzenschutzmittel oder eben Dünger präzise ausgebracht worden sei, könne von Laien nicht erkannt werden. Als „sehr bedenklich“ bezeichnet Hartmann, zugleich Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, die Vorurteile in den Köpfen vieler Verbraucher.

Am 5. Mai will Frank Hartmann mit einer Informationsveranstaltung, Beginn ist 13 Uhr, über die möglichen Änderungen informieren. Die Umstellung des Betriebs auf ökologischen Landbau und die Auswirkungen sollen zusammen mit kommunalen Entscheidungsträgern und der Bevölkerung geschehen. Sollte es gegenüber den Planungen massive Widerstände geben, würde er weiterhin konventionell wirtschaften, sagt Frank Hartmann.

In einer ersten Stellungnahme begrüßt beispielsweise Ahrenshoop ausdrücklich die Pläne des Landwirts. „Ökologischer Landbau passt zu uns“, sagt beispielsweise Bürgermeister Hans Götze (Einzelbewerber). Auch von Wustrower Gemeindevertretern seien positive Signale für die Umstellung des Betriebs gekommen. Auch nach der Umstellung werde es den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger auf „unseren nährstoffarmen Böden“ geben, sagt Hartmann. Es handele sich aber um eigens zertifizierte Produkte.

Viehbestand auf dem Fischland wird wachsen

280 Hektar Fläche bewirtschaftet Frank Hartmann. Der Betrieb wird als Familienunternehmen geführt. 1991 begann der heute 52-Jährige mit der Arbeit auf dem Fischland.

5-gliedrig ist derzeit die Fruchtfolge auf den noch konventionell bewirtschafteten Flächen. Die Vielfalt könnte mit der Umstellung auf ökologischen Landbau um zwei Früchte steigen.

250 Tiere, Schweine und Rinder, zusätzlich sind erforderlich, um ausreichend Nährstoffe in den Boden zu bringen. Bis 1960 standen auf dem Fischland bis zu 500 Stück Großvieh.

Timo Richter

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