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Ribnitz-Damgarten Baumarkt macht Pleite: Was nun?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Baumarkt macht Pleite: Was nun?
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00:00 16.07.2013
Ribnitz-Damgarten

Die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker beschäftigt auch viele Menschen der Region. Die Kunden fragen sich, welche Rechte sie jetzt noch haben. Bei Verbraucherschützerin Sybille Benecke in Stralsund klingeln sich deshalb gegenwärtig die Telefone heiß.

Den Besitzern von Gutscheinen rät sie, möglichst schnell den Baumarkt aufzusuchen, um den Gutschein einzulösen. Problematisch werde das nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dann können Kunden ihre Forderungen nur noch beim Insolvenzverwalter anmelden.

Auch wenn der Kunde bereits Geld angezahlt, aber die Ware noch nicht erhalten hat, liege die weitere Entscheidung beim Insolvenzverwalter. Erfahrungsgemäß würden aber die Verbraucher — wenn überhaupt — leider nur einen sehr kleinen Anteil aus der Insolvenzmasse erhalten.

Bei Reklamationen sei der Händler gesetzlich verpflichtet, die Ware innerhalb der Gewährleistungszeit entweder kostenlos zu reparieren oder auszutauschen. Auch hier komme es darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden ist.

Vor der Eröffnung müssen die Forderungen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Nach der Eröffnung hat der Insolvenzverwalter die Wahl, ob er den Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung erfüllt oder nicht.

Wenn eine freiwillige Herstellergarantie besteht, können die Kunden auch beim Hersteller reklamieren.

Bei vereinbarten Ratenzahlungen müssen die Kunden für erhaltene Ware weiter zahlen. Es könne allerdings vorkommen, dass sich die Bankverbindung ändert. In jedem Fall sollten die Kunden aber die Angaben genau überprüfen, da bei einer Insolvenz erfahrungsgemäß viele schwarze Schafe versuchen, leichtes Geld zu verdienen.

Und auch mit dieser Frage wird Verbraucherschützerin Sybille Benecke immer wieder konfrontiert: Müssen Kunden bestellte Ware bezahlen, wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet? Bei Kauf auf Rechnung gelte grundsätzlich, dass erhaltene Ware auch bezahlt werden muss. Verbraucher sollten aber bei insolventen Unternehmen keinesfalls per Vorkasse be- oder anzahlen, denn bei ausbleibender Lieferung falle die Vorauszahlung meist in die Insolvenzmasse. Dann haben die Betroffenen nur eine geringe Chance, ihr Geld zurückzubekommen.

Bei allem aber sollten die Kunden nicht voreilig von ihren Verträgen zurücktreten, weil dann der Insolvenzverwalter Schadensersatz verlangen kann. Weitere Informationen:

☎ 0 38 31/2 89 26 10

Marlies Walther