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Ribnitz-Damgarten „Bei uns im Museum dreht sich alles“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Bei uns im Museum dreht sich alles“
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00:05 16.01.2016
167 Umdrehungen schafft die Dampfmaschine pro Minute.
Barth

Nicht alle Maschinen springen sofort an als Siegmar Goretzki versucht, seine historischen Schätze aus dem Winterschlaf zu holen. Einige muss er mit Kraft und ein wenig Geduld anschieben. „Bei uns dreht sich alles“, betont der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Barther Dampfmaschinen e.V., die in diesem Jahr 15 Jahre alt wird.

In dem erhaltenen Maschinenraum der ehemaligen Zuckerfabrik sammeln sich zahlreiche historische, funktionstüchtige Antriebs- und Transmissionsmaschinen. Das Herzstück der Ausstellung, die von Mai bis Oktober geöffnet hat, ist die Dampfmaschine mit einem Siemens-Schuckert-Generator. „Die Anlage hat einst die Zuckerfabrik mit Elektroenergie versorgt. Der Abdampf wurde für Produktionszwecke genutzt“, weiß der ehemalige und letzte Direktor der Barther Zuckerfabrik.

Nach der Stilllegung der Produktion ging das Gebäude in städtischen Besitz über und verfiel samt dem seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Schwungradgenerator. „Ein Artikel in der Zeitschrift ,Das Dampfmodell‘ hat mich darauf aufmerksam gemacht“, berichtet Goretzki. Er und weitere Technikenthusiasten nahmen sich 1999 schließlich dem Erhalt des technischen Denkmals an und gründeten 2001 die IG Barther Dampfmaschinen e.V. „Ohne Sponsoren wäre das nicht möglich gewesen“, erinnert sich Goretzki an die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an Gebäude und Maschine.

Seitdem ist das Museum stetig gewachsen. Rund 30 Exponate zählt die Ausstellung derzeit. Darunter befinden sich unter anderem Dampfmaschinen, Lokomobile, Schleif- und Schweißmaschinen oder eine historische Drehbank. „Diese nutzen wir noch zur Produktion von Ersatzteilen“, erklärt der 76-Jährige. Kürzlich kam außerdem ein als Eingangstor umfunktionierter Haltebockkran sowie ein Stück der Gleisanlage der Zuckerfabrik dazu. „Viele Anschaffungen ergeben sich durch Zufall. Langsam muss ich mich aber bremsen“, sagt der gebürtige Berliner über seine Sammel-Euphorie.

Dabei beschränken sich die Barther nicht nur auf Dampfmaschinen, sondern präsentieren auch andere Antriebstechnologien des 19. und 20. Jahrhunderts. So befinden sich auf dem Gelände beispielsweise ein 200-PS-Schiffsdiesel-Motor, der einst einen Fischkutter angetrieben hat, oder ein Mazda-Wankelmotor. „Die Besucher sollen immer etwas Neues geboten bekommen“, betont Goretzki. Um sich auf dem Stand der Zeit zu halten, trifft sich der Verein regelmäßig zum Stammtisch, um über Energiekonzepte von der Dampfmaschine bis zur Brennstoffzelle zu diskutieren. Im Mai feiern die 19 Mitglieder — darunter gelernte Elektriker, Lokführer, ehemalige Werkleiter und Ökonomen aus Köln, Stralsund, Rostock und Barth — ihr 15-jähriges Bestehen.

„Wir wollen, dass es zur Feier dampft“, sagt der Vorsitzende. Eine dampfbetriebene Gartenbahn soll der Höhepunkt des Festes werden — eine echte Seltenheit. Denn obwohl die Technik der Barther IG überwiegend funktionstüchtig ist, raucht es nur selten im Maschinenraum. „Statt Dampf nutzen wir Druckluft um die Maschinen und Lokomobile anzutreiben. Der Sound stimmt, nur der Geruch fehlt“, erklärt Goretzki während er eine Dampfmaschine aus Bayern vorführt.

Die Geräusche im Maschinenraum locken prompt Besucher an: Der Chef des Betreibervereins des ehemaligen Technikmuseums am Wirtschaftshafen Christoph Zechlin und sein Bruder wollen sich kurz umsehen.

„Wir befürchten, dass mit der Schließung des Technikmuseums gegenüber nun auch weniger Besucher zu uns kommen“, sorgt sich der Vereinsvorsitzende.

Zu Großveranstaltungen wie dem Tag des Denkmals kämen rund 100 Leute in das kleine Museum. „Gelegentlich besuchen uns auch Urlaubergruppen oder Schulklassen“, erzählt der Experte für Zucker- und Stärketechnologie. Schüler können bei einem Besuch auch selbst aktiv werden und beispielsweise ein Kleindieselaggregat ankurbeln. Nachwuchs für den Verein finde sich bei der jüngeren Generation jedoch kaum. Und auch die finanziellen Mittel sind knapp bemessen. „Wir hoffen, unser Niveau in den nächsten Jahren halten zu können.“

Es dampft in Barth

950 PS leistet die Einzylinder-GegendruckDampfmaschine der ehemaligen Zuckerfabrik Barth.
1925 wurde das technische Denkmal erbaut.
9 Vollmitglieder sowie weitere Ehren- und Fördermitglieder zählt der Verein.



Jeden zweiten Dienstag treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft um 18 Uhr in der Gaststätte Vinetablick, Hafenstraße 26.



Lisa Fritsche

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