Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Ausfahrten mit Zeesenbooten gesichert
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ausfahrten mit Zeesenbooten gesichert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:45 25.10.2018
Ein Zeesenboot wird am Dienstag im Hafen von Dierhagen aus dem Wasser geholt und ins Winterlager gebracht. Quelle: Helmut Risch
Dierhagen

Alle gewerblich genutzten Zeesenboote, die Ende September das entsprechende Schiffsattest hatten, haben für die nächsten 15 Jahre Bestandsschutz für den Betrieb als kleines Fahrgastschiff. „Damit haben wir nun die bestmögliche Situation“, sagt Dr. Helmut Risch. Der promovierte Ingenieur für Schiffstechnik beschäftigt sich seit etlichen Jahren mit der Klassifizierung und Zertifizierung von Zeesenbooten. Anfang Oktober ist nach langer Diskussion eine europäische Regelung in Kraft getreten, mit der ein jahrelanger Schwebezustand für die gewerbliche Nutzung von Zeesenbooten beendet wurde. Damit endet auch eine langjährige Auseinandersetzung mit dem Verband der Fahrgastschiffer.

Zwar gab es in der deutschen Binnenschiffsuntersuchungsordnung die Gruppe der kleinen Fahrgastschiffe. Darunter fielen nicht nur die alten Fischerboote, sondern beispielsweise auch Wassertaxis. Es fehlte allerdings eine Eingliederung in das europäische Regelwerk. Das ist nun geschehen. Zwar ohne eigene Klassifizierung, aber mit Bestandsschutz dürfen die Skipper maximal zwölf Passagiere zu den Törns mitnehmen.

Eigner Helmut Risch hat mit seinem Zeesenboot die Bodstedter Jubiläumsregatta gewonnen Quelle: privat

Laut Helmut Risch schippern alljährlich 20 000 bis 25 000 Menschen mit den historischen Booten über die Binnengewässer entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Diese Gäste sollten nach der Wende auf die steigende Zahl von Fahrgastschiffen zu Touren über Bodden und Haffs steigen. So hatten die Zeesener in Kooperation mit der Schiffsuntersuchungskommission in Hamburg eine landesweit gültige Regelung geschaffen. „Doch die Reeder haben uns in die Suppe gespuckt“, erinnert sich Helmut Risch. Die fanden nämlich heraus, dass es für diese Regelung überhaupt keine gesetzliche Grundlage gab.

Ausfahrt mit Kanzlerin

Während einer Ausfahrt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg von Ahrenshoop aus starteten die Bemühungen im Verkehrsministerium, die gewerblich genutzten Zeesenboote unter rechtskräftigen Schutz zu stellen. Das gelang, bis dann die Anpassung an die europäische Regelung erfolgte. Mit dem entsprechenden Attest könnenn die Zeesenboote nun fünf weitere Jahre mit zweimaliger Verlängerung unter dem Mantel europäischen Rechts mit Fahrgästen zu Törns aufbrechen. Helmut Risch begrüßt das ausdrücklich, sind die historischen Schiffe mit den rotbraunen Segeln doch gerade auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ein „wichtiges touristisches Element“.

Tradition reicht bis 1913 zurück

Die Tradition der Zeesbootregatten geht laut Helmut Risch bis ins Jahr 1913 zurück. Seinerzeit maßen sich Fischer bei den Wettfahrten. Nach dem Krieg belebte der Bodstedter Ekkehard Rammin die Regattatradition neu. Zunehmend machten auch Segler mit, die ein historisches Fischerboot privat segelten. Risch, seit Studentenzeit begeisterter Pirat-Segler, erstand 1973 die „Tina“, die er an die Seefahrtschule in Wustrow weiterverkaufte. Helmut Risch war dort für die Grundlagenausbildung zuständig. Noch zu DDR-Zeiten wurde – gezwungenermaßen – eine Klassenvereinigung gegründet. Heute stehen laut des Ingenieurs rund 110 Zeesenboote im Register. Etwa zehn davon gibt es nicht mehr. Davon werden heute noch rund 65 Schiffe gesegelt. Dazu kommen rund 50 weitere Schiffe, die nicht in dem Register erfasst sind.

Derzeit wartet ein Antrag auf Entscheidung, die Zeesenboote als Kulturerbe anzuerkennen. Neben der noch bestehenden Klassenvereinigung gibt es den Verein der Zeesener, der sich im Wesentlichen dem Bewahren der alten Fischereimethode verschrieben hat. Der Kulturerbeantrag fußt im Wesentlichen auf den Zeesbootregatten, der Pflege der historischen Fischereimethode sowie der heutigen, außer der privaten auch gewerblichen Nutzung der Boote.

Beliebte Boote

20 000 bis 25 000 Menschen steigen alljährlich auf einen Zeesenboot zwischen Bodden und Haffs, um die Natur zu genießen. Gab es erst eine landesweit gültige Regelung, fehlte später die Anpassung an eine europäische Regelung. Nach deren Reform gibt es seit Anfang Oktober nun Bestandsschutz für die gewerblich betriebenen Zeesenboote, für die Ende September ein gültiges Attest existierte.

110 Zeesenboote stehen aktuell im Schiffsregister. Davon existieren etwa zehn Boote nicht mehr. Von den verbleibenden Zeesenbooten werden rund 65 noch gesegelt. Zusätzlich gibt es rund 50 weitere historische Fischerboote, die nicht in dem Register erfasst sind.

Timo Richter

Ahrenshooper Galerie zeigt Landschaften des international gefragten Künstlers

25.10.2018

Bis zur Grundsteinlegung sind noch einige bürokratische Hürden zu nehmen. Für den Bau ist dann wohl nur ein Jahr Zeit.

25.10.2018

Die Projekte zur Förderung aus dem Leader-Programm für das kommende Jahr wurden ausgewählt. Mehr als eine Million Euro fließen nach Ribnitz-Damgarten, Marlow, Bad Sülze, Fuhlendorf und Rostocker Wulfshagen.

24.10.2018